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Genfer Autosalon : Messe der Etablierten und Exoten

Für Vernunft im Alltag ist gesorgt. Die Mercedes V-Klasse gibt es demnächst mit Plug-In-Hybrid. Damit ist sie die erste im Bus-Segment, schafft bis zu 50 Kilometer elektrisch und weist nur 3 Liter Normverbrauch aus. Oder Śkoda. Die Tschechen fahren den neuen Superb heran, der noch mehr Raumgefühl als der damit ohnehin schon üppig gesegnete Vorgänger bietet. Das recht ansehnliche Gefährt rückt dem verwandten VW Passat auf die Pelle, soll preislich aber weiterhin erschwinglich bleiben - um 25 000 Euro zum Einstig - und dürfte vor allem der außerfamiliären Konkurrenz gehörig zu schaffen machen. Die übt sich derweil in der Kunst des kleinen Wagens, Karl heißt der jüngste Opel. 3,68 Meter kurz, vier Türen, drei Zylinder und von 9500 Euro an zu haben. Drei Zylinder, das kann Ford schon lang, und jetzt auch im Mondeo. Der ist bekanntlich ein ausgewachsenes Mittelklasseauto, und man darf gewisse Zweifel haben, ob der 1,0-Liter-125-PS-Zwerg damit klarkommt. Wir können nach einer ersten Proberunde verraten: Er kommt besser als befürchtet, allerdings konnten wir den Verbrauch noch nicht messen. Wir erwarten größere Abweichungen zwischen Papierform und Realität.

Eine sicherere Bank scheint der Kadjar

Die Franzosen sehen Genf oft als eine Art zweite Heimatmesse, doch nur Renault trumpft halbwegs auf. Die Mutter aller Minivans gleitet jetzt wie Captain Kirk durch den Raum, der neue Espace ist ein mutiges Zeichen gegen das Aussterben dieser Spezies. Ob es Erfolg hat? Eine sicherere Bank scheint der Kadjar, Renaults überfällige Antwort auf den SUV-Erfolg des Schwestermodells Nissan Qashqai. Peugeot frischt den 208 auf, nun gut, und Citroën zeigt Kante am Kasten, der Berlingo liegt in den letzten Zügen. Derweil wird der Modellname DS von Citroën losgelöst, die nach höherem strebende Marke wird eigenständig und firmiert künftig unter „DS Automobiles“, man beachte die französische Schreibweise. Im nunmehr größten Absatzmarkt China kommt das angeblich fast so gut an wie Louis Vuitton oder YSL, weshalb wir vermuten, dass der in Genf erfrischt gezeigte DS 5 nur ein Zwischenschritt ist. Den großen Auftritt wird DS im April auf der Messe in Schanghai hinlegen.

Außer Peugeot und Renault gibt es strenggenommen keine weiteren (Volumen-)Autohersteller aus Europa mehr. Jaguar-Land-Rover gehört Tata aus Indien, Volvo Geely aus China und Fiat, ja Fiat ist jetzt eigentlich amerikanisch, der Konzern heißt Fiat-Chrysler-Automobiles (FCA), und Jeep verdient das Geld. Erstere zeigen den neuen Jaguar XE, der dem 3er-BMW am Zeug flicken soll, der Range Rover Evoque bekommt ein erstes Facelift, und wir verabschieden uns vom Land Rover Defender. Im Dezember 2015 werden die letzten produziert. Fiat freut sich immer noch diebisch über seinen Clou mit dem 500X und dem daraus abgeleiteten Jeep Renegade. Und wieder gibt es lustige Varianten vom Fiat 500 und vom Fiat Panda. Alfa zeigt zum ersten Mal in Europa den 4C Spider, und Lancia ist auch noch da. Ferrari soll noch in diesem Jahr in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Werbung für den Börsengang macht der pfeilschnelle 488 GTB.

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