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Gefahr durch Elektroautos : Mechaniker unter Strom

Betriebe müssen spezielle Werkzeuge und besondere Schutzkleidung für die Monteure anschaffen. Bild: Bernd Kammerer

Wenn Elektroautos in die Werkstätten kommen, kann es gefährlich werden. Betriebe müssen deswegen spezielle Werkzeuge und Schutzkleidung für die Monteure anschaffen.

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          Der Gag ist alt, aber immer wieder gut: Was ist schwarz und hängt an der Wand? Ein schlechter Elektriker. Genau das gilt es freilich allen Ernstes zu vermeiden, wenn Elektroautos in die Werkstätten kommen. Deswegen müssen die Betriebe spezielle Werkzeuge anschaffen und besondere Schutzkleidung für die Monteure. Das ist, wie sich aus der F.A.Z. vorliegenden Unterlagen ergibt, finanziell keine Petitesse. Am Beispiel von Audi zeigt sich, was all jene Betriebe anschaffen müssen, die als Batteriekompetenzzentrum der Marke tätig sein wollen. Die Liste umfasst 38 Positionen. „Alle aufgeführten Werkzeuge, Kleidung und Diagnosesysteme sind in den Standards von Audi aufgeführt und müssen als Batteriekompetenzzentrum vorgehalten werden“, heißt es in dem Begleitschreiben. Wer nur jeweils ein Stück von jeder Position bestellt, kommt auf Kosten von rund 16.145 Euro netto.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Als teuerste Einzelposition mit 7201 Euro ist ein Modul-Balancer ausgewiesen, der für die gleichmäßige elektrische Ladungsverteilung der Zellen benötigt wird. Der Hochvolt-Werkzeugsatz schlägt mit 1591 Euro zu Buche. Für Modulhebewerkzeuge und Modulheber werden jeweils mehr als 700 Euro in Rechnung gestellt. Hinzu kommen diverse Teile wie Kunststoffkeile, Führungshülsen, Anschlagwirbel oder Führungsbolzen.

          Für die Mechaniker, die am vollelektrischen Audi e-Tron oder an den zahlreichen Plug-in-Hybridmodellen arbeiten, sind spezielle Schutzkleidungen vorgesehen. Das Set besteht aus acht Teilen.

          Der „Mantel für Hochvoltexperten“ sei als Schutzkleidung für das Arbeiten an oder in der Nähe von unter Spannung stehenden elektrischen Anlagen zugelassen, heißt es in den Angebotsunterlagen. Kostenpunkt: 258 Euro netto je Stück. Wo es Mäntel gibt, gibt es Jacken, und wo es Jacken gibt, gibt es Hosen. Die Bekleidungskombination von Mantel und Jacke und Hose hat einen Prüfpegel von 630 kJ und schützt gegen statische Elektrizität nach EN 1149-5:2008. Das sollte dem Eigner der Werkstatt 156 Euro je Jacke und 125 Euro je Hose wert sein.

          Hinzu kommt ein Helm für Hochvoltexperten, der neben elektrischem Schutz auch den in Industrieanlagen geforderten bieten soll, er kostet 22,80 Euro. Das zugehörige Visier muss offenbar einiges aushalten können, es erfordert 163 Euro. Vor den thermischen Gefahren eines Störlichtbogens soll eine Kopfschutzhaube für 47 Euro bewahren, und Handschuhe zu 83 Euro sind selbstverständlich auch unerlässlich. Doch damit nicht genug, auch 17 Euro teure Unterziehhandschuhe müssen zwingend getragen werden, um die isolierende Wirkung der Haupt-Handschuhe zu erhalten. Man fragt sich, wie damit noch jemand eine filigrane Schraube eindrehen soll, und denkt sogleich an die Michelinmänner der Nasa in ihren Raumanzügen. Die Kleidung für Hochvoltexperten lässt hoffentlich etwas mehr Bewegungsfreiheit.

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