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Gebrauchtwagenpreise : Der alte BMW bringt gutes Geld

Alte Autos können immer noch attraktiv sein, wie zum Beispiel ein BMW Bild: BMW

Wer sein Auto verkaufen will, weiß oft nicht, wie viel er verlangen kann. Letztlich entscheidet die Automarke, wie viel der gebrauchte Wagen wert ist. Und die gefahrenen Kilometer. Das Alter ist dagegen unwichtiger als gedacht.

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          Wenn Sie vom Hof des Händlers fahren, ist Ihr Auto nur noch die Hälfte wert, sagt ein alter Witz. Ganz so schnell geht es zwar nicht, aber innerhalb von drei Jahren haben Neuwagen tatsächlich meistens 50 Prozent ihres Werts verloren. Für Gebrauchtwagenverkäufer ist das ärgerlich. Sie können daran aber schon beim Kauf etwas ändern, indem sie darauf achten, ein wertstabiles Auto zu kaufen. Denn es gibt bedeutende Unterschiede zwischen den Modellen.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Einen besonders geringen Wertverlust haben die Autos von BMW. In sieben von elf Fahrzeugsegmenten führen sie die Gebrauchtwagenpreisliste an. So wird etwa ein Neuwagen der 1er-Reihe in drei Jahren einen Restwert von 71,5 Prozent des Listenpreises haben. Damit sei der Einser sogar das über alle Klassen stabilste Modell, haben Berechnungen des Dienstleisters Eurotax Schwacke ergeben, der die bekannte Schwacke-Liste für Gebrauchtwagenpreise herausgibt. Das Schlusslicht ist demnach der VW Phaeton, der nach der gleichen Zeit nur noch 33,6 Prozent seines ursprünglichen Preises wert ist und damit 62.000 Euro einbüßt.

          BMW ist wertstabil

          Das zeigt: Wie schnell ein Auto an Wert verliert und für wie viel ein Autobesitzer es noch verkaufen kann, hängt vor allem vom Modell ab. Vergleichsweise wenig geben die beliebten Gelände- und Sportwagen nach, während die Oberklasse und die obere Mittelklasse, etwa ein Audi A6 oder ein Citroën C6, besonders schnell billiger werden. „In den oberen Modellsegmenten sind die Leute eher bereit, einen Neuwagen zu kaufen als ein teures Gebrauchtfahrzeug. Das drückt auf die Preise“, erläutert Michael Oeser von Eurotax Schwacke. Einen hohen Verfall der Restwerte hätten auch Wagen von Herstellern, die gerne mit hohen Rabatten locken. Das belastet etwa Ford und ist einer der Gründe, warum BMW so wertstabil ist, denn der Münchner Automobilkonzern hält sich mit Preisnachlässen zurück.

          „Ist ein Auto in den ersten Lebensjahren nicht wertstabil, gilt das auch für die Jahre danach“, betont Oeser. Umgekehrt heißt das: Die Neuwagen, die unsere Grafik mit den geringsten Einbußen anführen, verlieren auch im höheren Alter am wenigsten.

          Für den Preis eines Gebrauchten ist freilich nicht nur das Modell entscheidend, sondern auch der Verkaufszeitpunkt. Kurz bevor ein Nachfolgemodell vorgestellt wird, gehen die Preise für Gebrauchte stets in den Keller. Eines der wichtigsten Kriterien ist jedoch der Kilometerstand. Denn er sagt, wie hoch der Verschleiß des Fahrzeuges ist und welche Reparaturen fällig werden können.

          Der Wertverlust ist in den ersten drei Jahren am stärksten

          Allerdings wird häufig der Tacho manipuliert. „Daher steigen die Verkaufschancen, wenn der Besitzer über regelmäßige Wartungen und den Eintrag der Kilometerstände im Serviceheft die Angaben auf dem Tacho plausibel machen kann“, sagt Wolfgang Jardner, Leiter des BMW-Gebrauchtwagenzentrums Rhein-Main. 10.000 zusätzlich gefahrene Kilometer sind vor allem dann ein Problem, wenn das Auto schon mehr als 70.000 Kilometer hinter sich hat, weil dann meist die teureren Reparaturen stark zunehmen.

          Das Alter verliere hingegen an Bedeutung für den Preis, sagt Jardner. Der Wertverlust ist in den ersten drei Jahren am stärksten. Doch schon nach fünf Jahren ist der Rückgang nicht mehr so groß, vor allem bei beliebten Modellen. Denn Rost ist auch bei alten Wagen kaum noch ein Thema. Einen großen Preisrutsch gibt es aber, wenn die Technologie zu stark veraltet ist. „Ein Auto ohne ABS und Fahrerairbag und mit sehr hohen Verbrauchswerten hat wenig Chancen“, sagt Jardner. Die neu entstehenden Umweltzonen in den Innenstädten drücken derzeit besonders die Preise von alten Wagen, die noch nicht die neuen Umweltvorschriften einhalten.

          Käufer können prüfen, was ihr Wunschwagen kosten dürfte

          Bei jüngeren Gebrauchten, wo Alter und Kilometerzahl zwar den Preis beeinflussen, aber kein ausschlaggebendes Argument beim Kauf sind, spielt die Ausstattung eine große Rolle: Gewisse Extras werden vorausgesetzt. Das gilt gerade in den oberen Fahrzeugklassen. „Ein 7er-BMW ohne Ledersitze ist schwer verkäuflich“, sagt Jardner. In der Oberklasse verlangen Käufer auch ein Schiebedach und oft ein Automatikgetriebe. Wer hingegen auch ein Navigationssystem und moderne Sicherheitstechnik anbieten kann, bekommt mehr für seinen Altwagen. In unteren Klassen dagegen schlägt die Ausstattung kaum durch: „Wer einen Golf mit Lederausstattung bietet, wird die nur schwer bezahlt bekommen“, warnt Schwacke-Experte Oeser. Die Käufer schielen eher auf ABS, elektrische Fensterheber, eine manuelle Klimaanlage und die richtige Farbe: Bei kleinen Wagen darf es bunt sein, bei größeren sind Silber, Weiß und dunkle Töne gefragt.

          Wie viel Euro das eigene Auto noch wert ist, können die Leser dieser Zeitung von heute an ermitteln - für drei Wochen errechnet Eurotax Schwacke für sie kostenlos den Wert des Gebrauchten und prüft nicht nur Pkw, sondern auch Transporter, Geländewagen und Motorräder. Pünktlich zum Start in die Frühjahrs-Verkaufssaison bekommen alle Verkaufswilligen damit einen guten Anhaltspunkt, was sie verlangen können. Und Käufer können prüfen, was ihr Wunschwagen kosten dürfte.

          Der richtige Weg zum Autoverkauf

          1. Vor dem Verkauf eines vergleichsweise neuen und damit teuren Autos macht es Sinn, den Wert zu ermitteln. Denn eine Fehleinschätzung kann zu hohen Einbußen führen. Ein erstes Indiz geben Schwacke und DAT. Genauer errechnen das der TÜV und Dekra. Das kostet aber bis zu 100 Euro.
          2. Das Auto sollte auf jeden Fall in einer oder allen Internetbörsen angeboten werden. Denn mindestens 80 Prozent aller Wagen sind dort zu finden. Und mehr als 70 Prozent aller Käufer informieren sich im Netz. Führend sind Mobile.de und Autoscout24. Die Anzeigen sind kostenlos und sollten mit Bildern versehen werden. Auch ADAC.de, ebay und die Internetbörsen der Hersteller ermöglichen Inserate.
          3. In den Zeitungen gibt es ebenfalls spezielle Rubriken für Autoanzeigen. Sie sind allerdings kostenpflichtig. Gebrauchtwagenmärkte können gerade für sehr alte Autos interessant sein. Hier kaufen Händler oft für Osteuropa, Afrika oder Asien ein. Aber Vorsicht: Es wird sehr hart verhandelt.
          4. Vorsicht auch vor Kärtchen am Fenster oder SMS, die einen Kauf anbieten. Manchmal muss dazu eine 0900-Nummer gewählt werden. Das kostet Geld, bringt aber keine Interessenten. Bezahlt werden sollte nur in bar und nicht mit Sachleistungen wie Schmuck oder Teppichen.
          5. Eine Probefahrt sollte der Verkäufer nur zulassen, wenn der Interessent einen Führerschein vorzeigt. Unfälle sollte er von sich aus angeben. Andernfalls kann er noch nach dem Verkauf dafür haftbar gemacht werden. Ein Unfall sollte fachmännisch in einer Vertragswerkstatt repariert werden, andernfalls ist ein Weiterverkauf schwierig.
          6. Sind sich Verkäufer und Interessent einig, sollten sie das Geschäft in einem Kaufvertrag mit der genauen Uhrzeit festhalten. Danach ist der neue Käufer für Unfälle haftbar, auch wenn die Versicherung noch auf den alten Halter läuft. Letzterer muss seiner Assekuranz rasch die Änderung mitteilen. Ein Muster für einen Kaufvertrag hält der ADAC bereit. Schlüssel und Papiere sollte es erst geben, wenn bezahlt wurde.

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