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Gebrauchtwagen : Die spanisch-sportliche Golf-Alternative

Zeigt anderen gerne seinen schönen Rücken: Der Seat Leon Cupra R Bild:

Seat ist wie Skoda oder Audi eine Tochter von Volkswagen und profitiert von VW-Technik. Das dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Dabei kommt Seat im einst von Ferdinand Piech erdachten VW-Marken-Mix die Rolle des feurigen Spaniers zu, der Alfa Romeo angreifen soll.

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          Seat ist wie Skoda oder Audi eine Tochter von Volkswagen und profitiert von VW-Technik. Das dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Dabei kommt Seat im einst von Ferdinand Piech erdachten VW-Marken-Mix die Rolle des feurigen Spaniers zu, der Alfa Romeo angreifen soll. Heute beruhen alle Seat auf VW-Plattformen, der kompakte Leon steht auf der Basis des VW Golf IV wie auch der Audi A3, der Skoda Octavia oder sein Markenbruder Toledo, der als Stufenheckmodell 25 Zentimeter länger ist und einen wesentlich größeren Kofferraum bietet. Sieht man vom Äußeren ab, ist der Leon ganz Golf, das kann per se nicht falsch sein. Auch bei den Motoren sowie bei den Getrieben bedient man sich aus dem Konzernregal.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wer VW kennt, findet sich im Innenraum des Leon sofort zurecht, es ist im Prinzip alles so wie immer, selbst den zu kleinen Außenspiegel hat man übernommen. In allen Abmessungen (4,18 Meter lang, 1,74 Meter breit, 1,46 Meter hoch) ist der spanische Fünfsitzer mit dem Konzern-Bruder Golf nahezu identisch, das Gepäckabteil kann hinter der bis zum Stoßfänger reichenden Heckklappe zehn Liter mehr aufnehmen, je nach Konfiguration der asymmetrisch geteilt umklappbaren Rücksitzlehne sind es zwischen 340 und 656 Liter (bis zur Sichtkante).

          Zum Markstart im Dezember 1999 umfaßte das Motorenangebot für den Leon vier Otto-Antriebe sowie zwei Turbo- und einen Saugdiesel-Direkteinspritzer. Basismodell war (und ist) ein 1,4-Liter-Vierzylinder, der 55 kW (75 PS) leistet. Ein 1,6-Liter-Vierzylinder mobilisiert 74 kW (100 PS), ein 1,8-Liter-Vierzylinder mit Fünfventil-Technik schafft 92 kW (125 PS) und mit Abgas-Turbolader sogar 132 kW (180 PS). Die Diesel haben alle 1,9 Liter Hubraum, es gab entweder 50 kW (68 PS), 66 kW (90 PS) oder 81 kW (110 PS). Die beiden Diesel-Basismodelle wurden 2002 vom Markt genommen (Seat sollte noch sportlicher werden), heute leisten die Diesel 110, 130 oder 150 PS. Der 75-PS-Benziner ist aber nach wie vor im Angebot.

          Der stets viertürige Seat Leon ist seit Dezember 1999 auf dem deutschen Markt

          Alle Leon haben vier Türen und Frontantrieb, insgesamt 15 verschiedene Kombinationen mit den Ausstattungslinien Select, Stella und Signo waren zunächst möglich. Inzwischen haben sich die Marketingstrategen für Stella, Genio und Pulso entschieden. In jedem Fall gehörten 1999 ABS, Front- und Seiten-Airbags, Dreipunktgurte und höhenverstellbare Kopfstützen auf allen fünf Plätzen, die Isofix-Kindersitzbefestigung an der Rückbank sowie bei der Topmotorisierung auch ESP zum Serienumfang. Klimaanlage (damals 2100 Mark) sowie elektrische Bedienung von Außenspiegeln und hinteren Fenstern (650 Mark) waren schon in der Signo-Variante enthalten.

          Über einen Seat Leon 1.6 Signo fällte diese Zeitung am 25.April 2000 ein äußerst wohlwollendes Urteil, kritisiert wurden hauptsächlich die schlechte Sicht nach hinten und der eher laute Motor. Daß Seats vom Fahrwerk her straffer ausgelegt sind als Octavias oder Golfs, ist Absicht. Der Leon ist keine Sänfte, aber natürlich sehr fahrsicher wie seine Konzerngeschwister. Wer auf Nummer Sicher gehen will, muß einen Wagen suchen, dessen Erstkäufer ESP mitbestellt hat. Dies kostete aber in den meisten Versionen 1230 Mark Aufpreis (mit Schlupfreduzierung und Traktionskontrolle). Heute ist es nur bei "Stella" nicht serienmäßig (510 Euro Aufpreis). Diese Zeitung ermittelte für den 1,6er-Motor einen Bedarf an Superbenzin von 8,9 Liter auf 100 Kilometer. Damit konnte man ebenfalls zufrieden sein, die Diesel sind bekanntlich deutlich sparsamer.

          Eine Sonderrolle im Gebrauchtwagengeschäft spielen die Allrad- sowie Sport- oder Cupramodelle. Ein Jahr lang - 2001 - gab es sogar einen Cupra-Leon (soll "Cup Racing" bedeuten) mit V6-Zylinder, 2,8 Liter Hubraum und 150 kW (204) PS. Die Motorkraft wurde auf alle vier Räder übertragen. Vor drei Jahren war er der teuerste (umgerechnet 27795 Euro) und stärkste Seat aller Zeiten. Inzwischen ist die Großraumlimousine Alhambra längst in diese Preissphären aufgerückt, und der stärkste Leon ist der 1.8 20V Turbo Cupra R mit 225 PS für 25130 Euro. Diese besonders sportlichen Leon-Modelle wollen ordentlich gefüttert sein, die Variante "Sport 1.8 20 V Allrad" (132 kW/180 PS) fuhr die F.A.Z. mit 11,0 Liter Super-Plus-Benzin auf 100 Kilometer (17.April 2001) und meinte, daß schon dieser Leon in beinahe jeder Lebenslage abgehe wie ein ungesicherter Korken im Hals einer spanischen Schaumweinflasche.

          Hinsichtlich seiner Qualitäten im Dauerbetrieb darf man vom Leon naturgemäß die gleichen Leistungen wie von VW oder Skoda erwarten. Im TÜV-Report bekommt der kompakte Seat ausnahmslos gute Noten, zumal sich bekannte VW-Schwächen (defekte Zünd- und hakelige Türschlösser, kollabierende Fensterheber, zu eifrige Wegfahrsperren, zu schwache Kupplungen bei den kleinen Benzinern) nur selten zeigten. "Unterm Strich ist der Seat Leon ein weitgehend unproblematisches Auto, nicht zuletzt dank seiner jungen Jahre", wird resümiert.

          Viel falsch machen kann man also offenbar nicht, wenn man einen gebrauchten Leon ins Auge faßt. Das Angebot ist nach fast fünf Jahren Marktpräsenz recht gut, bisher wurden rund 64000 Einheiten in Deutschland verkauft. Knapp 40 Prozent davon sind Diesel.

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