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Garagen der besonderen Art : Autoschau im Luxusbau

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Ein Platz an der Sonne für das beste Pferd im Stall – der Mustang glänzt in seiner Vitrine. Bild: Geiger

Schöne und seltene Autos zu haben reicht nicht. Man muss sie auch ansehen können. Die angemessene Garage ist licht, modern gestaltet und vor allem teuer. Sie wird von ein paar Spezialisten passend zur Wohnung geliefert.

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          In der Gunst ihrer Nutzer haben Tiefgaragen es schwer. Sie miefen nach Diesel und Benzin, sind grau und schlecht ausgeleuchtet. „Schnell raus hier“, ist wohl der erste Gedanke. Bei den Tiefgaragen scheint Architekten die Phantasie auszugehen. Sie behandeln sie wie die Stiefkinder von lichtdurchfluteten Wohnzimmern, funktionalen Wohnküchen und Wellness-Badezimmern.

          Gestalterisch sind Tiefgaragen das Gegenteil von Augenweiden. Auf dem mit Ölflecken gesprenkelten Boden ein paar Streifen, um die Parkplätze einzuteilen, Nummern an den Wänden, damit auch jeder weiß, wo er parken muss, schummrige Beleuchtung aus Neonröhren und dazu noch schwere Brandschutztüren im schmutzfarbenen Einheitslook.

          Dieses Angebot architektonischer Einfallslosigkeit greifen Regisseure gerne auf für gruselige Szenen. Und wenn Modefotografen verruchte Aufnahmen machen wollen, dann stellen sie ihre Models in der betonierten Garagen-Tristesse neben verbeulte Autos, die vor sich hin rosten.

          Die Tiefgarage wird zum unterirdischen Showroom

          Doch was tun, wenn die Autos statt Rostlauben seltene Oldtimer und kostspielige Raritäten sind? Natürlich ist das ein Luxusproblem. Doch von der Antwort auf diese Frage könnten sich manche Architekten für ihre zukünftigen Planungen inspirieren lassen. Jene, die solche hochpreisigen Autos ihr Eigen nennen und von denen sich manche ganze Sammlungen zulegen, wollen immer öfter ein Ambiente in ihren Tiefgaragen, das perfekt zur Eleganz der edlen Stücke passt.

          Die Tiefgarage wird zum unterirdischen Showroom, in dem die automobilen Schmuckstücke in Szene gesetzt werden – mit ausgeklügeltem Lichtkonzept, hochwertigen Bodenbelägen und veredelten Wandoberflächen. Und wenn der unterirdische Platz zu wenig ist, stellt sich, wer von seinem kostbaren Auto nicht lassen will, einen überdimensionierten Matchbox-Karton in den Garten und parkt darein die Edelkarosse.

          Luxus-Garagen sind ein Münchner Phänomen. In Hamburg oder Berlin kennt man sie in dieser Art nicht. In der bayerischen Landeshauptstadt dagegen ist unter den finanzkräftigen Autonarren schon vor Jahren ein Überbietungswettbewerb ausgebrochen. Hat einer ein besonderes Auto, will der andere es auch haben, um seine Sammlung aufzuwerten, erzählt man sich an der Isar. Hinsichtlich der Tiefgaragen will man natürlich ebenfalls in nichts nachstehen.

          Manchmal wurde auch schon die private Kunstsammlung präsentiert

          Rot und türkis, schwarz und himmelblau stehen die Schlitten aufgereiht nach Farben, Marken oder Jahrgängen und sorgen für feuchte Augen und Schnappatmung der Autoenthusiasten. Es sind Sammlungen mit Raritäten, Erinnerungsstücken und visionären Autostudien. Mercedes und Porsche in individuellen Tuningausführungen, Bentleys, Lamborghinis, Bugattis, McLarens und Sondermodelle von Ferrari, die in geringen Stückzahlen gebaut und nur an treue Mitglieder eines erlauchten Sammlerkreises abgegeben werden. Was so eine Sammlung wert ist? Keine Antwort. Wer das nötige Kleingeld hat, erzählt nicht, was er dafür ausgegeben hat.

          Helle Freude: Fein sortierte Sammlung von Sportwagen verschiedener Generationen
          Helle Freude: Fein sortierte Sammlung von Sportwagen verschiedener Generationen : Bild: Geiger

          Es gibt Tiefgaragen, in denen zwischen den Autos auch schon die private Kunstsammlung präsentiert wurde. Ein anderer hat von einem Lichtkünstler eine Installation passend zu den Farben der Sammlerstücke anfertigen lassen. Und in Kitzbühel hat ein Hausbesitzer seine Tiefgarage mit viel Altholz so gestaltet, dass sie auch ein formidabler Ort für die privaten Partys ist. Einer, der weiß, auf was es den zahlungskräftigen Bauherren – es sind ausschließlich Männer, die ihrem Hobby einen solch teuren Stellenwert einräumen – bei der Gestaltung von Tiefgaragen besonders ankommt, ist Olaf Übelacker.

          „Es gibt nichts, was es in diesen Tiefgaragen nicht gibt und was wir nicht möglich machen würden“, sagt der Chef der Hans Übelacker Werkstätten. Braucht eine Wohnung oder ein Haus einen besonderen Bodenbelag oder sollen Wände einzigartig gestaltet werden, dann rufen die Architekten nach Übelacker.

          Im Restaurant von Feinkost-Käfer in der Münchner Prinzregentenstraße hat Übelacker schon Wände mit flüssigem Metall beschichtet, in Kitzbühel mit außergewöhnlicher Betontechnik eine Küche zu einem schicken Hingucker gemacht und an der Côte d’Azur mit der schon aus der griechisch-römischen Antike bekannten Enkaustik-Technik die Eingangshalle einer Villa neu gestaltet. Übelacker kann es extravagant und gediegen, mit viel Understatement und wenig Snobismus, und dafür schätzen ihn seine Auftraggeber.

          Die Öffentlichkeit einer Zeitung scheuen sie nicht

          All das, was Übelacker in den Wohnräumen seiner Auftraggeber umsetzt, ist auch in ihren Tiefgaragen zu finden. Blattgold und Blattsilber habe er darin schon verarbeitet, erzählt Übelacker, als sei es das normalste der Welt, aber auch Kalk-Marmor-Granulate für hochwertige Oberflächenstrukturen oder aufwendige Stuckarbeiten. Jüngste Trends bei Tiefgaragen: fugenlose Decke-Wand-Bodenbeschichtungen in allen Farben und Glanzgraden und Used-Walls, Wandoberflächen wie in alten italienischen Palazzi.

          Zwar reden sie untereinander viel darüber und fachsimpeln, dass die roten Schmuckstücke auf einem weißen Boden am besten zur Geltung kämen, und sie erzählen auch Außenstehenden davon, die Öffentlichkeit einer Zeitung scheuen sie aber. Die Bitte um ein Gespräch, aus dem dann auch zitiert werden soll, sagen die einen erst zu und dann doch ab, die anderen überhören die Frage geflissentlich und wieder andere weisen sie wirsch ab.

          Hat man dann doch jemanden gefunden, der wie Olaf Übelacker profund etwas dazu sagen kann, sind die Bedingungen klar: Namen dürfen nicht genannt werden. Und auf gar keinen Fall Adressen. Denn die Angst ist groß, die Tiefgarage und die darin befindlichen Schmuckstücke könnten in den Fokus von Diebesbanden geraten. Einziges Zugeständnis: Fotos, welche die Eigentümer vom Fotografen ihres Vertrauens haben anfertigen lassen, dürfen gedruckt werden. Ein bisschen eitel ist man schließlich doch.

          Trend ging in München von exklusiven Neubauten aus

          Bei so viel Leidenschaft für schöne Autos haben zuweilen sogar die eigenen Frauen das Nachsehen. Manche Ehefrau soll schon ihren Unmut geäußert haben über die Investitionsbereitschaft des Gatten in der Ausgestaltung der Tiefgarage, während beim Ankleidezimmer knausrige Erbsenzählerei im Vordergrund gestanden habe.

          Der Trend für das Phänomen Tiefgarage ging in München von exklusiven Neubauten aus. Mit befeuert wurde er von Stefan Mayr. M-Concept heißt das Immobilienunternehmen, das der Münchner vor fast 20 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Eva gründete. Vor 15 Jahren kamen die ersten Kunden auf die Mayrs zu, die nicht nur bereit waren, für ihre Wohnung tief in die Tasche zu greifen, sondern die gleichzeitig auch besondere Ansprüche an die Tiefgarage hatten.

          Es war die Zeit, als Geländelimousinen die Städte eroberten. M-Concept begann, standardmäßig die Zufahrten zu den Tiefgaragen entsprechend höher zu bauen und sie gleichzeitig für tiefergelegte Autos passierbar zu machen. Zu den anfänglich vier Stellplätzen für die Autos der Hausbesitzer kam dann noch einer für das Auto der Haushälterin dazu. Und schließlich wollten die Hausbesitzer immer öfter auch Platz für ihre Sammlungen mit gut und gerne zwanzig Autos haben.

          Es fehlt weder an Ideen noch an Kunden

          Mit solchen gehobenen Ansprüchen wird konfrontiert, wer die teuersten Wohnungen in der bayerischen Landeshauptstadt baut. „Ab einer gewissen Preisklasse werden die Kunden sehr anspruchsvoll – auch bei Optik und Ausgestaltung der Tiefgarage“, sagt Mayr. Wo die Schmerzgrenze liegt? Bei einem Kaufpreis von 10 Millionen Euro für eine Wohnung, sein Unternehmen habe aber auch schon teurere gebaut.

          Käufer solcher Wohnungen und Villen sind das Außergewöhnliche gewohnt. Die Immobilie ist für diese Klientel nicht nur eine Wohnung, sondern ein Wohlfühlerlebnis – vom Wohnbereich bis zur Garage. Das Gesamtpaket muss stimmen. Bevor die Mayrs vor ein paar Jahren die frühere Villa des Milliardärs Friedrich Karl Flick am Isarhochufer im Münchner Stadtteil Bogenhausen abtragen ließen, um dort ein neues Wohngebäude entstehen zu lassen, luden sie ihre zahlungskräftigen Kunden und Freunde zu einer eleganten Party in das Abbruchhaus ein. Das neue Wohnhaus ist mittlerweile fertig, die elf Luxus-Eigentumswohnungen werden gerade bezogen.

          Natürlich hat M-Concept auch für dieses Haus von Anfang an eine Tiefgarage vorgesehen, die den gehobenen Ansprüchen der späteren Eigentümer gerecht wird. Die anfänglich rein praktischen Erwägungen wurden von Jahr zu Jahr durch ausgefallenere Gestaltungsideen ergänzt. „Früher war es eine Garage. Heute ist die Garage ein Erlebnis. Fährt man hinein, will man in eine helle, saubere, wohnliche Atmosphäre kommen – gerne auch mit einer angrenzenden Lounge für ein gemütliches Get together mit den Freunden“, erklärt Mayr die Entwicklung, die durch die niedrigen Zinsen einen zusätzlichen Schub erhalten hat. „Wer Geld frei zur Verfügung hat, investiert es eben auch gerne in schöne Dinge wie Autos“, sagt Mayr. Seine neueste Vision: eine Tiefgarage mit riesigem Dachfenster, so dass der Hausherr seine Autosammlung wie in einer Vitrine vom Garten aus bewundern kann.

          An Ideen fehlt es nicht. Und an finanzstarken Kunden ebenfalls nicht. Einzig die Stadt München kann dem unterirdischen Treiben einen Riegel vorschieben. Bei Neubauten will sie künftig nur noch zwei Tiefgaragenstellplätze je Wohneinheit genehmigen.

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