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Freie Modellwahl : Das Auto aus dem 3D-Drucker

  • -Aktualisiert am

Sitze, Achsen, Motor, Elektrik und Lenkung bleiben bei diesem Auto konventionell... Bild: Debus

Heute ein Roadster, morgen eine Limousine und übermorgen eine Kopie des Bugatti Royale? Kein Problem für Nestor Llanos. Der Ingenieur druckt Autos aus schwarzem Kunststoff.

          Kinder, wenn Papi das nächste Mal mit euren Legos spielen möchte, dann solltet ihr ganz vorsichtig sein. Denn vielleicht baut er sich daraus ein neues Auto. Keines fürs Kinderzimmer, sondern eines, mit dem man auf der Straße fahren kann. Das zumindest ist - grob vereinfacht - die Idee von Nestor Llanos, der beim Start-up-Unternehmen Local Motors in Phoenix/Arizona die technische Entwicklung des Strati leitet und dafür jetzt zum ersten Mal ein Auto aus dem 3D-Drucker zum Fahren gebracht hat.

          Denn der schwarze Kunststoff, aus dem dieser kleine Roadster von einer computergesteuerten Heißklebepistole gespritzt wurde, ist nichts anderes als das Plastik, aus dem Lego-Steine hergestellt werden. Nur dass Llanos und sein Team zur Sicherheit noch 30 Prozent Karbonfasern in die Rohmasse gemischt haben. „Damit erreichen wir die gleiche Stabilität wie bei Aluminiumblech“, sagt der Ingenieur. Llanos geht es beim Strati nicht um technische Feinheiten oder innovative Antriebe.

          Deshalb hat er auch kein Problem damit, dass in der schwarzen Plastikhülle der 44-kW-Motor und die Lithium-Ionen-Batterie des Renault Twizy stecken, dass der Prototyp einen Wendekreis hat wie ein Lastwagen, dass aus dem Cockpit noch die Kabel baumeln und dass er an jedem Bordstein aufsetzt. Einen viel beachteten Auftritt hatte der Strati im Januar auf der Motor Show in Detroit, dort konnte man im Untergeschoss sogar Probefahrten machen.

          Local Motors will mit dem Strati nicht das Auto revolutionieren, sondern die Art, wie es gebaut wird. „Es gibt in der konventionellen Fahrzeugfertigung nichts, was teurer und lähmender ist als die haushohen Pressen im Karosseriebau. Die Werkzeuge kosten Millionen und müssen Monate vor Produktionsanlauf bestellt werden“, sagt Llanos. Seinen garagengroßen Drucker dagegen kann er tagtäglich mit neuer Software füttern und jedes Auto herauslassen, das ihm in den Sinn kommt. Heute ein Roadster, morgen eine Limousine und übermorgen eine Kopie des Bugatti Royale? „Der Printer druckt jede Karosserie, die wir wollen und braucht dafür keinerlei Vorlauf.“

          ... den Rest druckt Nestor Llanos aus dieser Rohmasse

          Neu sind die 3D-Drucker nicht. Mittlerweile gibt es solche Geräte längst schon für den Heimbedarf. Doch hat Local Motors zum ersten Mal einen derart großen Drucker eingesetzt. Statt haarfeiner Fäden spritzt er Würste von neun Millimeter Stärke, aus denen Meter für Meter ein fertiges Auto entsteht - in einer Rekordzeit von 44 Stunden. Während Bodengruppe und Karosserie bei anderen Autos aus Dutzenden Teilen bestehen, sind es beim Strati nur noch fünf, die binnen weiteren 15 Stunden gefräst, geschliffen und poliert wurden. Danach noch zwei Tage für die Endmontage - fertig war die eilige Drucksache.

          Zwar will Llanos jetzt erst einmal weitere Testfahrten machen, das Druckverfahren verfeinern und sich durch die Crashvorschriften arbeiten. Aber Local-Motors-Chef John Rogers drückt mächtig auf die Tube: Schon in einem Jahr will er den Strati für Preise von 18 000 Dollar aufwärts auf der Straße sehen. Ein Grund mehr, liebe Kinder, dass ihr auf eure Legos aufpasst.

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