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Frauscher Sportboot : Voll durchgestartet

  • -Aktualisiert am

Die graue Eminenz: Sportlich elegant, scharfer Bug und ein zum Heck hin flach auslaufender Rumpf - das ist die Frauscher 1017 GT Bild: Reissig

Frauscher setzt auf Expansion. Das größte Sportboot der Werft vom österreichischen Traunsee ist die 1017 GT. Sie soll in den Häfen am Mittelmeer punkten.

          Die Motorbootbauer aus Österreich haben ein sicheres Gespür dafür entwickelt, was bei den Leuten ankommt. Was man bei Frauscher auch anfasst, es scheint sich in einen Erfolg zu verwandeln. Während viele andere zu kämpfen haben, um ihre Produktionsstätten einigermaßen auszulasten, erweitert Frauscher seine Kapazitäten gerade mit einem neuen Werk erheblich. Wachstum ist die Devise, auch was die Modellpalette betrifft.

          Nicht immer lassen sich Charaktermerkmale, die bei kleinen Booten noch charmant wirken, auf größere übertragen. Manch einer hat sich daran schon die Zähne ausgebissen. Anscheinend kein Thema für Frauscher: Die 1017 GT ist größer und teurer als alles bisher Dagewesene, nicht nur ein Sportboot mit Schlupfkajüte, sondern eine kleine Yacht mit Wohnwert. Eine solche Entwicklung ist nicht unproblematisch. Viel Komfort an Bord, viel Platz in Kabine und Küche verdirbt die Linien wie zu viel Kuchen die Badehosenfigur. Frauscher hingegen achtet auf gesunde Portionen und schöne Proportionen. Die 1017 GT ist ein Boot ohne Bauchansatz und ohne Stehhöhe im Innern. Dafür eines mit ordentlich Bizeps.

          Sportbootfahren in Reinkultur

          600 PS müssen nur gut viereinhalb Tonnen bewegen, Treibstoff und Besatzung schon eingerechnet. Das schlägt sich in dynamischen Fahreigenschaften nieder. Recht bequemes Cruisen ist mit 3000 Umdrehungen und rund 30 Knoten Fahrt (56 km/h) möglich; wenn man es darauf anlegt, sind selbst bei einer Wellenhöhe von einem halben Meter fast 47 Knoten (87 km/h) drin. Dann hämmert der flache Rumpf über die See, und die Lautstärke steigt gegenüber der Reisegeschwindigkeit ganz erheblich an. Andere setzen auf einen Rumpf, der weich in die Welle einsetzt - die so hübsch und lieblich anzusehende Frauscher ist brachial und filterfrei. Nicht, dass man sich unsicher fühlen würde, aber das ist Sportbootfahren in Reinkultur.

          Wer will, kann mit der 1017 GT vorm Strand einen Powerslide hinlegen. Zwei Stufen im Unterwasserschiff saugen Luft unter den Rumpf und verringern so den Widerstand beim Gleiten zugunsten der Geschwindigkeit und zu Lasten Richtungsstabilität - was man bei normaler Fahrweise nicht merkt. Aber mit einem Griff ins Lenkrad lässt sich das Heck kontrolliert zum Ausbrechen bewegen wie ein Sportwagen mit Heckantrieb im Regen.

          Eine offene Brüllröhre

          Bei Vollgas sollte man das nicht versuchen. Im Gegensatz zu von Haus aus zähen Dieseln reißen die V8-Benziner amerikanischer Herkunft des Testboots an den Propellern, als gäbe es kein Morgen. Auf eine progressive Lenkung, die bei Volllast sicherheitshalber den Einschlag beschränkt, wird verzichtet, auf Duoprops ebenso. Immer wieder wollen die Schrauben durchdrehen, selbst bei hohen Geschwindigkeiten. Flaches Unterwasserschiff und geringes Gewicht bewirken, dass die GT nicht tief eintaucht, die Antriebe schauen weit aus dem Wasser, so dass sich schon die Auspuff-Bypässe im Standgas anhören, als handele es sich um offene Brüllrohre.

          Zeitloser Chic und ein Platz für dei Cola

          Langsamfahren geht auch. Dann erfreut man sich am weiten, flachen Vordeck, das als Versammlungsort für den abendlichen Schluck zum Sonnenuntergang dienen kann und deshalb eigens mit Verstärkungen versehen ist, die unter Deck in den Raum ragen. Ein speziell gestalteter Anker krallt sich am Steven fest. Wie gut seine Haltekraft ist? Zweitrangig, Schönheit geht vor. Das Heck läuft flach aus wie bei einer Corvette aus den Sechzigern, nicht ganz so schwülstig, sondern modern auf die Gegenwart übertragen. Wer solche Autos mag, wird auch die Frauscher 1017 GT lieben. Der Zusatz GT ist vermutlich nicht ganz zufällig gewählt. Als Gran Turismo werden gut motorisierte Sportwagen mit Langstreckenqualitäten bezeichnet.

          Von Luxus keine Spur

          Maschinen aus, die 1017 GT schaukelt sanft auf den Wellen. Die Fahrersitze werden zu bequemen Sonnenstühlen, der Teaktisch wird hervorgeholt, ein Edelstahl-Weinkühler eingesetzt. Jetzt könnte das leise Genießen beginnen. Der Blick fällt in die Kabine, auf die Einbauküche, das Bett im Vorschiff, einen kleinen WC-Raum. Zweifelsfrei werden sich zukünftige Eigner dort unten am wenigsten aufhalten. Aber sie könnten, wenn sie wollten, eine Tour in die übernächste Bucht unternehmen und dort übernachten. Eine wirklich vollwertige Kabine stand nicht an oberer Stelle des Lastenhefts. Die verwendeten Materialien sind zweckmäßig. Von Luxus keine Spur.

          Das Sonnensegel wird unter der Motorklappe hervorgeholt, die Testcrew döst im Schatten. Laut Preisliste ist das eine Option, ebenso das Teakdeck, der Tisch, der Anker, die Sonderfarbe des Rumpfs und so manches andere. Die Preisgestaltung zeugt von hohem Selbstbewusstsein: Fast 300.000 Euro kostet die Standardversion mit den vergleichsweise günstigen Mercruiser-V8-Triebwerken. 70.000 Euro mehr muss man anlegen, wenn man Dieselmotoren haben möchte. Emotionsgeladen ist das Kraftpaket so oder so, was gerade am Mittelmeer einen nicht zu unterschätzenden Faktor darstellt. Für Frauscher ist das bisher größte Modell ein Schritt in einen ganz neuen Markt. Außer einem Händler an der Côte d’Azur wird es von 2012 an eine eigene Frauscher-Dependance auf Mallorca geben. Man sieht: Frauscher will Meer.

          Daten & Preise

          Länge 10,17 m, Breite 2,99 m, Verdrängung (leer) 3,9 t, Frischwassertank, 52 l, Benzintanks 500 l. Maschinen: 2 x Mercruiser 350 MAG, Benziner mit je 220 kW (300 PS), Antriebe: 2 x Bravo I, vierflügelige Edelstahlpropeller.
          Grundpreis: 298.916 Euro. Serienausstattung unter anderem Teak im Cockpit, verstellbare Sitze, drei Feuerlöscher, gepolsterte Sonnenliegen, Fender und Festmacher, Badeleiter, WC, Dusche und Heckdusche. Aufpreis zum Beispiel für Sonderfarbe Rumpf 8211 Euro, Dieselmaschinen (2 x Volvo-Penta D4, je 220 kW/300 PS, Duoprops) 70.484 Euro, Teakdeck 14.958, elektrische Ankerwinde, Anker und Kette 10.698, Cockpittisch 1616, Musikanlage 1369, Kartenplotter (Raymarine C90) 4716, Bimini 4082, Landstromanschluss mit Ladegerät 2907, Elektroherd (230 Volt) 851, Persenning 3749 Euro.
          Baumaterial: glasfaserverstärkter Kunststoff, hergestellt mit Isophtalsäureharz. CE-Kategorie B (ungeschützte Gewässer bis 8 Beaufort). Design: Arge Ateliers, Wolfgang Gebetsroither; Konstruktion: Georg Nissen.
          Werft: Frauscher Bootswerft GmbH & Co KG, Traunsteinstraße 10–14, 4810 Gmunden, Östereich, www.frauscherboats.com.

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