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Elektrische Frachtschiffe : Ein Prosit dem Superakku

Umbau zum Elektroschiff: die Alphenaar Bild: Leo Schuitemaker

Im den Niederlanden hat sich ein Unternehmen formiert, das den Umstieg der Binnenschifffahrt auf umweltschonenden Betrieb einleiten will. Frachtschiffe sollen elektrisch fahren.

          2 Min.

          Elektrische Frachtschiffe mit Ladung als Ladung? Das klingt zunächst einmal merkwürdig. In den Niederlanden allerdings soll das Realität werden. Im Land der zahllosen Wasserwege hat sich ein Unternehmen formiert, das den Umstieg der Binnenschifffahrt auf umweltschonenden Betrieb einleiten will. Die Idee: Container-Kapitäne holen ihre Verbrennungsmotoren aus dem Maschinenraum heraus, bauen stattdessen elektrische ein und führen die Energie in Batteriecontainern mit. An Wechselstationen werden geleerte Batterien dann gegen frischgeladene getauscht.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          ZES – die Abkürzung steht für Zero Emission Services – heißt das Unternehmen, hinter dem der Finanzkonzern ING, der Energieversorger Engie, der Motoren- und Anlagenhersteller Wärtsilä sowie der Hafenbetrieb Rotterdam stehen. Das Konsortium kalkuliert mit 20 Millionen Euro Gesamtkosten für die erste Phase des Projekts, für das der niederländische Staat Fördermittel bereitstellt.

          Das erste vollelektrische Binnenschiff wird noch dieses Jahr im Auftrag der Brauerei Heineken eingesetzt, 2021 sollen fünf weitere folgen. Den Planungen zufolge wird ein Netz von Ladestationen für die ZES-Pack genannten Batteriecontainer aufgebaut, bis am Ende mit rund 20 solcher Stationen eine landesweite Abdeckung hergestellt ist. Im Jahr 2030, so hoffen die Initiatoren, könnten etwa 150 elektrische Binnenschiffe – Neu- wie Umbauten – mit ZES-Packs unterwegs sein.

          Zwei der Container sind künftig den Batterien für den Antrieb vorbehalten.
          Zwei der Container sind künftig den Batterien für den Antrieb vorbehalten. : Bild: Leo Schuitemaker

          Bei diesen ZES-Packs, jeweils 20 Tonnen schwer und zirka eine Million Euro teuer, handelt es sich um Standardcontainer voller Akkuzellen mit zusammen 1960 Kilowattstunden Kapazität. Zum Vergleich: Die Akkus eines Tesla speichern 90 bis 100 kWh. 774 bis 1004 Volt beträgt die elektrische Spannung, je nach Ladezustand. Die gesamte Regelelektronik sowie eine Anlage zum Heizen und Kühlen stecken ebenfalls in den ZES-Packs, die an den Ladestationen, ähnlich wie beim gewöhnlichen Be- und Entladen von Containern, mit dem Kran getauscht und per Kabel ans Schiff angeschlossen werden.

          Der Batteriewechsel dauert ZES zufolge eine Viertelstunde. 50 bis 100 Kilometer betrage die Reichweite eines Binnenschiffs, das zwei Batteriecontainer an Bord habe, abhängig von der Strömung sowie der Größe und dem Tiefgang des Frachters. Um Binnenschiffern die Umrüstung von Diesel auf Elektro schmackhaft zu machen, sollen ihnen lediglich Stromverbrauch und Containermiete in Rechnung gestellt werden.

          Als Standort der ersten Ladestation ist Alphen aan den Rijn vorgesehen, als erstes Elektroschiff wird laut einer Mitteilung von ZES die „Alphenaar“ im Dienst der Brauerei Heineken eingesetzt. Der Getränketransporter verkehrt auf der etwa 60 Kilometer langen Strecke zwischen der Brauerei in Zoeterwoude über das Binnenschiff-Terminal Alphen und dem Hafen Moerdijk. In Moerdijk wird das Bier umgeladen und zusammen mit Ware, die aus einer weiteren Brauerei in Den Bosch angeliefert wird, nach Rotterdam verschifft. Heineken hat sich den Angaben zufolge für zehn Jahre verpflichtet, sein Bier auf diese Weise zu transportieren.

          Die weitere Planung von ZES sieht einen Elektrokorridor Amsterdam–Rotterdam–Antwerpen vor sowie eine Verbindung nach Nijmegen. Die ZES-Boxen, heißt es, könnten nicht nur auf Schiffen, sondern zeitweise auch an Land verwendet werden, „beispielsweise zur Stabilisierung des Stromnetzes oder zur Deckung eines befristeten örtlichen Elektrizitätsbedarfs“. Eine Umrüstung auf Wasserstofftank und Brennstoffzelle sei möglich, falls sich diese Technik einmal als günstigere herausstellen sollte.

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