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Formula Sportboot : Komplett abgehoben

  • -Aktualisiert am

Der bunte Hund: Aggressive Linien, Stufenrumpf mit der Form eines tiefen V - das ist der Offshorer Formula 382 Bild: Dieter Wanke

Die Formula 382 Fas³Tech ist so exotisch wie teuer. Bei diesem Offshorer geht es um Leistung und Geschwindigkeit. Der Rest tritt in den Hintergrund.

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          Man kommt sich vor wie im James-Bond-Film. Staunende Blicke sind einem sicher. Spätestens nach dem Starten der Motoren im Hafen bleibt der Letzte stehen und guckt. Bei der Frage, worum es sich hier eigentlich handelt, mag ein Vergleich mit der Automobilwelt weiterhelfen. Die Formula ist das Pendant zu einem Supersportwagen wie dem Ferrari 599 GTO.

          Verrücktes Spielzeug für Reiche, begehrenswerte Ingenieurkunst? Das ist Ansichtssache. 66 Knoten (122 km/h) Höchstgeschwindigkeit sind im Vergleich zu einem Ferrari wenig, allerdings wissen Kenner, dass das Wasser schon bei weit geringerem Tempo einen beachtlichen Widerstand entwickelt und sich jede Welle betonhart anfühlt. Die 382 Fas³Tech ist für ein Boot sauschnell. In schlichtem Rot ist sie nicht zu haben. Liebhaber dieser Flitzer ziehen spektakuläre Grafiken mit einem Feuerwerk an Farben vor.

          Führende Formula

          Formula ist einer der führenden Anbieter solcher Powerboote. Die amerikanische Werft wurde 1962 in Miami gegründet und erarbeitete sich durch die Rennerfolge ihrer Boote, deren Rümpfe die Form eines tiefen V haben, einen guten Ruf. Nach mehreren Inhaberwechseln werden die Formulas seit 1988 in Decatur im Bundesstaat Indiana gebaut. 1996 wurde das heute noch gebräuchliche Stufendesign des Rumpfs mit der Bezeichnung Fas³Tech eingeführt. Eine bessere Stabilität und höhere Geschwindigkeit sollen die Vorteile der Stufen sein.

          Im Testboot sind zwei Antriebe aus dem mittleren Leistungssegment montiert. Die Mercury-Racing-Motoren vom Typ HP600 SCI entwickeln jeweils 442 kW (600 PS). Wem das nicht reicht, der bestellt zwei Ilmor-V10-Triebwerke mit je 533 kW (725 PS). Im Testboot ist außerdem das Integrated Transom System (ITS) installiert: Die angeflanschten Bravo-One-Antriebe werden um knapp 18 Zentimeter nach hinten versetzt, was nach den Worten des deutschen Importeurs Alfred Zurhausen zu einem besseren Schraubenwasser und - durch zwei Steuerzylinder je Antrieb - zu einem vorteilhaften Lenkverhalten führt. Man merkt schnell, hier sind Freaks am Werk.

          Blubbern als wahre Freude

          Das markante Blubbern der 8,2-Liter-V8-Motoren ist für Rennsport-Freunde die wahre Freude. Nachdem die Hafenausfahrt passiert und die Betriebstemperatur erreicht ist - so viel Geduld muss sein - liegen die Gashebel der Livorsi-Vierhebelschaltung dann schnell auf dem Tisch. Der Renner nimmt rasant an Fahrt auf. Wir werden vehement in die Offshore-Stehsitze gepresst. Das Gestühl sorgt für perfekten Halt. Mit der elektrisch verstellbaren Fußstütze kann die Position exakt eingestellt werden. So fühlt man sich trotz der 1200 PS erstaunlich sicher in dem Boliden. Die Sekunden bis zur Gleitphase bei 2700 Umdrehungen verfliegen, nach 33 Sekunden bleiben die Drehzahlmesser bei 5050 Touren stehen. Nervenkitzel. Butterweich schneidet der Rumpf durch die Wasseroberfläche. Nun denn: Mit Respekt und höchster Vorsicht etwas am Steuerrad drehen, um eine Richtungsänderung einzuleiten - das bleibt erstaunlich unspektakulär.

          Hier gehen die Uhren anders

          Allmählich herantasten an eine deutlich rasantere Kurvenfahrt: Doch auch bei dynamisch und eng gefahrenen Kurven gleitet der Offshorer wie auf Schienen durchs Wasser. Ob enge Kurvenfahrt oder hektische Richtungswechsel - das Boot ist gutmütig und stets voll kontrollierbar. Eigentlich ist es, trotz seiner brachialen Kraft, kinderleicht zu fahren. Was die blau lackierten V8-Boliden dabei so aus dem 738-Liter-Benzintank saugen, wird die wirklichen Interessenten nicht sonderlich tangieren. Mit mehreren hundert Litern in der Stunde bei flotter Fahrt sollte man aber rechnen.

          Beachtlicher Preis

          Ach ja, ein Innenleben hat der Paradiesvogel natürlich auch. Im Bug gibt es eine bequeme Doppelliege, die nach vorne spitz zuläuft. Dahinter befindet sich eine U-förmige Sitzgruppe, die zwei weiteren Personen als Koje dienen oder mit einem Cocktailtisch ergänzt werden kann. Wer hier Platz nimmt, kommt sich gleich wieder vor wie der Agent 007. Wo bleibt nur die hübsche Assistentin? Bei dem spektakulären Auftritt, den ein Eigner mit einem solchen Boot in jedem Yachthafen der Welt hat, dürfte sie nicht lange auf sich warten lassen. Die Deckenhöhe der schnittigen Flunder von 1,55 Metern allerdings zwingt zur gebückten Haltung in den Gemächern. Aber ein Sportwagen ist eben kein Wohnmobil, und wenn man erstmal liegt, ist das ja kein Problem.

          Direkt am Niedergang gibt es eine kleine Pantry mit Spüle und Kühlschrank für die Grundversorgung. Gegenüber befindet sich der Toilettenraum. Für den Fall aufkommender Langeweile steht ein LCD-Fernseher mit DVD-Player bereit. Aber die meisten Passagiere werden sich lieber achtern auf der Sonnenliege räkeln und zur gelegentlichen Erfrischung über die kleine Badeplattform in die kühlenden Fluten entschwinden. Es gibt also auch viele praktische Dinge auf so einem Racer. Dauervollgas wird mit der Zeit etwas anstrengend.

          Dass so viel Spaß einen beachtlichen Preis hat, muss jeder einsehen. Für eine Formula 382 Fas³Tech mit den montierten Antrieben sind mindestens 489000 Euro lockerzumachen. Wer das bezahlen und sich die Betriebkosten leisten kann, sollte im Leben schon gelernt haben, dass man mit so viel überschüssiger Kraft sehr verantwortungsbewusst umgehen muss.

          Daten & Preise

          Länge 11,63 m, Breite 2,51 m, Tiefgang 0,94 m, Leergewicht 4740 kg, Treibstofftank 738l. Maschinen: Doppelanlagen mit bis zu 2 × 533 kW (725 PS). Motoren im vorgestellten Boot: 2 x MerCruiser HP600 SCI V-Achtzylinder, 8,2 Liter Hubraum mit ITS-System und Bravo One XR Z-Antrieben, Leistung je 442 kW (600 PS)
          Motorisierungen und Preise: 2 × Mercruiser 350 Mag MPI mit je 221 kW (300 PS) ab 329.000 Euro; 2 × Ilmor 350 V-8 mit je 257 kW (350 PS) ab 339.000 Euro (G-Kat und eine Bodensee-Zulassung); 2 × Mercruiser HP600 SCI mit je 442 kW (600 PS) ab 489.000 Euro; 2 × Ilmor 725-V10 mit je 533 kW (725 PS) ab 579.000 Euro. Diesel: 2 × Volvo D4-300 mit DPS und je 221 kW (300 PS) ab 419.000 Euro; 2 × Mercruiser CMD 265-6 TDI mit je 195 kW (265 PS) von 419 000 Euro an.
          Baumaterial: GFK, Epoxidharz; zehn Jahre Garantie auf den Rumpf; vorgesehene CE-Kategorie: B; zulässige Personenzahl: 8, Kojen: 2+2
          Hersteller: Thunderbird Products, 2200 West Monroe Street, P.O. Box 1003, Decatur, IN 46733-5003, USA, www.formulaboats.com; Importeur: Poker-Run-Boats, Polsumer Straße 91, 45896 Gelsenkirchen, Telefon 0209/639604

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