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Ford Mondeo : Mit Klappe, Kraft und Knochigkeit

  • -Aktualisiert am

Das schräge Heck ist eine von drei Möglichkeiten, einen Ford Mondeo enden zu lassen Bild: Hersteller

Der Ford Mondeo mit Fließheck ist ein guter Kompromiss: er ist hübsch wie eine Limousine und fast so praktisch wie ein Kombi. Denn trotz gewisser Schwülstigkeiten im Detail bleibt ein ausreichender Rest Funktionalität.

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          Ford macht sich beim Mondeo die Mühe, jedem etwas zu bieten: dem Konservativen das Stufenheck, dem Dynamischen den Kombi - und dem, der sich nicht entscheiden kann, das Fließheck. Das hat den Vorteil einer stets sauberen Heckscheibe, und die Ladeklappe bietet eine ausreichende Flexibilität beim Vergrößern des Kofferraums. Dass dabei keine ebene Fläche entsteht, kann man verzeihen, nicht aber die hohe Bordkante, über die man das Gepäck erst heben und jenseits wieder hinablassen muss. In der Länge unterscheiden sich die drei Varianten fast nicht, mit 4,80 Meter ist das Fließheck sogar der Kürzeste im Trio.

          Eine stattliche Größe ist das trotz allem, und so dürfen die Erwartungen an den Nutzraum hoch sein. Auch die äußere Form nährt sie: Trotz gewisser Schwülstigkeiten im Detail bleibt ein ausreichender Rest Funktionalität. Die heutzutage angesagte Keilform mit ansteigender Gürtellinie ist hier nicht extrem verwirklicht, und die Übersichtlichkeit für den Fahrer stellt sich zumindest nicht schlechter dar, als man es gemeinhin ertragen muss. Nach dem Kofferraum-Grundvolumen muss sich das Fließheck zwar von den beiden anderen Mondeo-Varianten geschlagen geben. Klappt man seine Rückbank samt Lehne um, wächst der Inhalt aber auf maximal 1460 Liter. Das ist wenig im Vergleich zum Kombi Turnier (1745 Liter), doch ein großes Plus gegenüber dem Stufenheck, bei dem die ebenfalls mögliche Vergrößerung nur für handliches Ladegut nützt, das durch die enge Kofferraumöffnung passt. Die Zuladung ist bei allen Mondeos reichlich.

          Der Fahrer hat genug Anlass, die Designer zu verwünschen

          Auch für die Insassen - durchaus für fünf Erwachsene - bietet der Ford genügend Raum. Hinten geht es zwar nicht so üppig zu, wie man es in der Mittelklasse verlangen kann, doch der Mittelplatz ist wenigstens kein Notbehelf. Vorn kann man auf den (bei der Ausstattung Titanium S serienmäßigen) Sportsitzen allenfalls die grenzwertige Breite bemängeln, angenehm ist die Leder-Alcantara-Kombination der Bezüge. Im Innenraum ist man von allerlei Schein-Luxus umgeben, der in dieser Version immerhin nicht peinlich nach Talmi tendiert.

          Drei Varianten: mit 4,80 Meter ist das Fließheck sogar der Kürzeste im Trio
          Drei Varianten: mit 4,80 Meter ist das Fließheck sogar der Kürzeste im Trio : Bild: Hersteller

          Der Fahrer hat freilich genug Anlass, die Designer zu verwünschen: Im Tacho ist die Zuordnung der Ziffern zu den Skalenstrichen total missraten, die Zusatzinstrumente sind viel zu klein, und völlig unnötige Chromringe um die seitlichen Luftauslässe malen sich störend in den Außenspiegeln ab. Über die Bedienung ist sonst nicht zu klagen, die Zweizonen-Klimaautomatik arbeitet wirksam und unauffällig. Nach hinten einsteigen kann man ganz ungehindert, vorn gilt es schon den Kopf ein wenig einzuziehen. Nachts profitiert der Fahrer vom hier serienmäßigen Bi-Xenon- samt Abbiegelicht und dynamischer Leuchtweitenregelung.

          Mit kräftigem, aber nie lästigem Knurrgeräusch geht das Triebwerk zur Sache

          Der Titanium S ist die Sportversion des Mondeo, die es nur mit Fließheck oder als Turnier gibt und, wenn es ein Benziner sein soll, allein mit dem Fünfzylinder-Turbomotor mit 2,5 Liter Hubraum, dem Spitzenangebot in dieser Baureihe, das auch bei der Tochtergesellschaft Volvo in mehreren Modellen präsent ist. Mit kräftigem, aber nie lästigem Knurrgeräusch geht das Triebwerk mächtig zur Sache. Zu den 162 kW (220 PS) Leistung gesellt sich ein von 1500 bis 4800 Umdrehungen je Minute konstantes Drehmoment von 320 Newtonmeter, das brachialen Durchzug garantiert: In 7,8 Sekunden beschleunigt das mehr als 1,5 Tonnen schwere Auto im 4. Gang von 50 auf 100 km/h, im 5. und 6. Gang sind es auch nur 9,9 und 12,7 Sekunden.

          In weniger als 8 Sekunden gelingt der Spurt von 0 auf 100 km/h - unter tätiger Mithilfe der Antriebsschlupfregelung -, und 245 km/h werden als Höchstgeschwindigkeit erreicht, wenn nicht, wie bei uns, weniger tempotaugliche Winterreifen montiert sind. Der 70-Liter-Tank hat freilich seinen guten Sinn: Mit durchschnittlich 10,5 Liter Super je 100 Kilometer erwies sich der Turbo bei uns als bedenklich trinkfest, auf der Autobahn können es auch mehr als 12 Liter werden.

          Nicht Premium, aber weitab vom Prekariat

          Zum Sport-Mondeo gehört obligatorisch das knochige Sportfahrwerk mit marginal tiefer gelegter Karosserie. Es disqualifiziert diese Version für alle, die Wert auf mehr als ein Mindestmaß an Federungskomfort legen. (Beim Kauf eines menschenfreundlicher abgestimmten Titanium ohne "S" spart man 3250 Euro und kann sich für 2000 Euro davon, im Titanium-X-Paket, vier S-Bestandteile zurückholen, nämlich die Bi-Xenon-Ausstattung, den schlüssellosen Start, die Leder-Alcantara-Polster und größere Leichtmetallräder.) Das schon von Hause aus lobenswerte Fahrverhalten des Mondeo bedarf auch nicht unbedingt der Aufmunterung in sportlicher Richtung. Der Fronttriebler ist mit hoher aktiver Sicherheit unterwegs, seine Bremsen arbeiten tadellos, in Kurven neigt er allenfalls auf Nässe zu leichtem Überschieben der Vorderräder. Und bei hohem Autobahntempo wie auch bei Seitenwind läuft er unbeirrt geradeaus.

          34.150 Euro sind der empfohlene Preis für den Fünfzylinder-Titanium S, und dafür erhält man eine fast vollzählige Serienausstattung. Da unser Wagen aber unter anderem eine den Abstand zum Vordermann wahrende Geschwindigkeitsregelung, ein DVD-Navigationssystem mit Farbbildschirm, ein elektrisches Schiebedach und Metalliclack (zehn von dreizehn Farben sind aufpreispflichtig) enthielt, kam er doch auf mehr als 41.000 Euro. Eine ähnlich motorisierte E-Klasse von Mercedes-Benz fängt mit ihrem Grundpreis zwar erst jenseits davon an, aber das ist ja auch ein Stück Premium. Dass der bürgerliche Mondeo nach sichtbarer und Anfass-Qualität nicht Lichtjahre dahinter zurücksteht, macht ihn den meisten Autofahrern freilich nicht erstrebenswerter. Und so wird er damit leben müssen, nicht Premium zu sein - aber auch weitab vom Prekariat.

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