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Ford Focus : Wer zum Teufel ist schon der Golf?

  • -Aktualisiert am

Nicht umsonst haben die Scheinwerfer einen strengen Blick Bild: Hersteller

Dieser Kölner soll die Welt erobern. Vom neuen Focus will Ford jährlich zwei Millionen Fahrzeuge in aller Welt verkaufen. Ein gutes Konzept, elegantes Design gepaart mit vielversprechender Technik. Doch erst jetzt wird es so richtig ernst.

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          Ford bläst zum Angriff und nimmt die Kompaktklasse neu in den Focus – und zwar überall auf der Welt. Auf der diesjährigen Motorshow in Detroit stellt ihn Konzernchef Alan Mulally nun schon zum zweiten Mal in das Zentrum des Messeauftritts – und so, wie zum Beispiel General Motors den Chevrolet Volt zum Hoffnungsträger stilisiert hat, knüpft Mulally das Wohl und Wehe des Ford-Konzerns an die sogenannte C-Plattform und das knappe Dutzend Modelle, das auf dieser Basis entstehen soll.

          „So kommen wir auf Focus-Basis bis 2012 auf jährlich zwei Millionen Fahrzeuge, die wir in mehr als 120 Ländern weltweit verkaufen werden“, trommelt Mulally und stempelt damit sogar den europäischen Dauerbrenner VW Golf beinahe zu einer Nebensache ab. Ein gutes Konzept, elegantes Design gepaart mit vielversprechender Technik: Vorschusslorbeeren gab es für den maßgeblich in Köln entwickelten Focus bereits reichlich. Doch erst jetzt wird es so richtig ernst. Denn gerade beginnen die ersten Testfahrten, und im März kommt er in Deutschland in den Handel. Zunächst gibt es den Focus nur als Fünftürer, wenige Wochen später folgen dann der Kombi und eine Limousine.

          Auch wenn der Focus kaum größer geworden ist, er hat in Länge und Breite nur wenige Zentimeter gewonnen, und in der Höhe sogar zwei Zentimeter eingebüßt, ist er mit 4,36 Metern eine stattliche Erscheinung, die Respekt gebietet. Nicht umsonst haben die Scheinwerfer einen strengen Blick, und die großen Lüfter unter dem Kühlergrill wirken wie ein böser Mund. Auf den Flanken und um die Radhäuser imitieren ein paar geschickt gesetzte Falze, Kanten und Sicken das Spiel starker Muskeln, und hinten macht der Focus einen kessen Katzenbuckel.

          Er ist mit 4,36 Metern eine stattliche Erscheinung

          Der Focus gibt den kunterbunten Lebemann

          Der Innenraum wirkt trotz Liebe zum Detail nicht so hochwertig wie bei einem VW Golf. Doch wo der Klassenprimus aus Wolfsburg zwar perfekt, aber langweilig ist, gibt der Focus den kunterbunten Lebemann. Das Lenkrad mit vielen Bedienelementen würde jede Playstation zieren, das Cockpit ist bunt und mit zwei brillanten Monitoren bestückt, die Formen sind flippig, und selbst die Farbe der Innenraumbeleuchtung kann wechseln.

          Ganz der Alte geblieben ist der Neue aber in Sachen Fahrdynamik. Diesseits von GTI & Co. fegt kein anderes Modell in der Kompaktklasse so sportlich und leichtfüßig durch die Kurven, wie der neue Focus. Man sitzt nicht nur tiefer und hat ein strammeres Fahrwerk, sondern es gibt auch eine neue, elektrische Servolenkung und ein so genanntes „Torque Vectoring System“, das die Kraft zwischen den Vorderrädern situationsgerecht verteilt.

          Den nötigen Schwung bekommt der neue Focus vor allem durch Motoren, die Ford wieder auf Augenhöhe mit VW bringen sollen. Mit der so genannten „Eco-Boost-Technik“ hält jetzt auch in der Kölner Kompaktklasse die Kombination aus Aufladung und Benzindirekteinspritzung Einzug ins Geschehen. So reichen dem vorläufigen Top-Modell 1,6 Liter Hubraum für 134 kW ( 182 PS) und 340 Nm. Daneben gibt es drei weitere Benzinvarianten mit entweder 1,6 oder 2,0 Litern Hubraum und 77 kW (105 PS) bis 110 kW (150 PS) sowie vier Diesel, die bei einem identischen Hubraum ein Spektrum von 70 kW bis 120 kW (95 PS bis 163 PS) abdecken.

          Er kontrolliert und korrigiert automatisch die Fahrspur

          Sportliche Kunden ködert Ford bis zum Debüt des rund 184 kW (250 PS) starken ST-Modells mit der Aussicht auf ein Doppelkupplungsgetriebe, ein 0 auf 100 km/h in 7,9 Sekunden und Höchstgeschwindigkeiten bis zu 224 km/h. Dank einer Start-Stopp-Automatik, Energierückgewinnung und variablem Kühllufteinlass macht der Hoffnungsträger vom Rhein auch deutliche Verbrauchsfortschritte. Der sparsamste Benziner ist deshalb schon mit 6,0 Litern zufrieden, und für den besten Diesel lobt Ford einen Normverbrauch von nur 4,2 Litern aus.

          Ferner wurde der neue Focus mit so vielen elektronischen Helfern ausgerüstet, dass er es durchaus problemlos sogar mit manch einem BMW oder Mercedes-Benz aufnehmen könnte. Er kontrolliert und korrigiert automatisch die Fahrspur, überwacht den toten Winkel, hält den Abstand zum Vordermann konstant, liest eigenständig Verkehrszeichen, wechselt von allein zwischen Abblend- und Fernlicht, rangiert selbständig in Parklücken und steigt im Stadtverkehr vor einem drohenden Auffahrunfall auch automatisch auf die Bremse. Ein Wehmutstropfen ist jedoch, die meisten der Innovationen sind leider teuer. Und selbst für die Klimaanlage wird man extra zur Kasse gebeten.

          Trotzdem: Sportlich gezeichnet, solide konstruiert und mit sparsamen Motoren bestückt – noch nie war der Focus dem Golf näher als heute. Und in einer Disziplin hat er ihn sogar schon überholt: nämlich beim Preis. Denn durch den Wegfall des Dreitürers und den erst deutlich später vorgesehenen Start der Dreizylinder für das Basis-Modell muss man für die günstigste Version jetzt 1100 Euro mehr bezahlen als beim vergleichbaren Golf und landet so bei einem Mindestpreis von 17 850 Euro.

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