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Ford Fiesta, Kuga und Ka : Die schönen Keile und Kanten von Herkules

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Hatte seinen ersten Auftritt auf dem Genfer Automobil Salon: der neue Ford Fiesta Bild: Hersteller

Mit einem Kraftakt modernisiert Ford Europa sein Modellprogramm: Neu kommen die Longseller Ka und Fiesta, und der Kuga ist das Ticket für ein neues Segment des Marktes. Der Blick auf Ford lohnt sich wieder. Spannender war die Auto-Welt kaum jemals.

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          Frühjahrsputz bei Ford: Die europäische Dependance des krisengeschüttelten amerikanischen Mutterkonzerns verändert, erneuert und erweitert in einem bisher nicht gekannten Kraftakt beinahe das gesamte Modellangebot. Flammneu sind der kompakte Geländewagen Ford Kuga sowie die nächsten Generationen von Fiesta und Ka. Renoviert wurde der Ford Focus in allen Versionen, und für den noch recht jungen Mondeo gibt es neue Motoren und Getriebe. Und vom Focus wird es künftig wieder eine extrascharfe Pfefferschoten-Version geben.

          Eine knappe Milliarde Euro Profit aus dem Jahr 2007 (das vierte Gewinnjahr hintereinander) versetzt John Fleming in die Lage, neue Ufer anzupeilen. Der Chef von Ford Europa: „Wir wollen nicht mehr ausschließlich die Vernunft-Marke sein“, sagte er bei der Präsentation der neuen Modelle vor Mitgliedern der Car of the Year Jury. Für die künftige Ford-Formel aus Hightech, Design, Emotionen und Qualität stehen vor allem die Premieren bei Fiesta, Kuga und Ka.

          Auf dem Genfer Automobil Salon

          Seinen ersten Auftritt hat der neue Fiesta auf dem Genfer Automobil Salon (6. bis 16. März) sowohl in der zwei- als auch in der viertürigen Ausführung, jeweils mit Heckklappen-Karosserie. Und er wird innerhalb von zwei Jahren für seinen Auftritt als „global car“ vorbereitet. Er soll nach den Vorstellungen von Alan Mulally, Ford-Präsident im amerikanischen Dearborn-Hauptquartier, für Europa, Afrika und Asien im Kleinwagensegment die Standards bei Qualität, Design und Komfort setzen. Doch schon jetzt kann der neue Fiesta durchaus für eine Überraschung sorgen: Martin Smith, Ford-Design-Chef und überzeugter Anhänger von dynamischen Linien, hat den Fiesta endlich so eingekleidet, wie sich das die meisten der Ford-Kunden längst wünschten: Nach dem beinahe ohne Änderungen umgesetzten Verve-Konzept-Entwurf ist der über dreißig Jahre hinweg (zwölf Millionen Einheiten seit 1976) produzierte und eher brav als bravourös aufgetretene Kleinwagen mit seinen Vorgängern kaum noch zu vergleichen. Er trägt eine beinahe unverschämt optimistisch wirkende Form, kein Ford aus der jüngeren Vergangenheit machte ähnlich spontan Lust darauf, ihn zu starten und sich damit ins europäische Verkehrsgewühl zu stürzen.

          Spannung der Linien und das Raumangebot überzeugen sehr
          Spannung der Linien und das Raumangebot überzeugen sehr : Bild: Hersteller

          Aus dem für Ford nun typischen Kühlergesicht mit der üppigen Öffnung und dem darüber in neue Dimensionen gewachsenen Markenzeichen (Ford-Pflaume) streckt sich eine Keilform bis zu einem Heck, dem man die Gene anderer Ford-Modelle (zum Beispiel S-Max) deutlich ansieht. Die sehr flach geratene Heckscheibe wirkt wie ein Luke für den Blick nach hinten. Der lange Radstand, ausgeprägte Schultern unter den Seitenfenstern und eine pfeilförmige Sicke verleihen dem 08er-Fiesta jene Dynamik, die alle seine Vorgänger niemals als Argument ins Feld führen konnten. Harmonischer als die wie ein kantiges Coupé antretende Ausführung mit zwei Türen tritt die viertürige Variante auf: Noch hat Ford davon die Bilder nicht freigegeben, aber schon beim ersten Kontakt können die Spannung der Linien und das Raumangebot sehr überzeugen. Mit dieser Fiesta-Generation kehrt Ford zurück in die (nicht mehr gar so kleine) Kompaktklasse und bietet damit die derzeit modernste Alternative zu größeren Modellen.

          Soll jüngere Käufer ansprechen

          Mit der Gestaltung des Innenraums soll der neue Fiesta jüngere Käufer ansprechen: Für den Armaturenträger mit Instrumenten und den Bedieneinheiten für Audio- und Navi-Anlagen sowie für die Klimatisierung wählte man das Design moderner Mobiltelefone sowie deren Material als Vorbild. So ist ein Kompakt-Ford entstanden, wie es ihn in dieser Konsequenz bisher nicht gegeben hat.

          Ähnliches darf auch der neue Ford Ka für sich in Anspruch nehmen. Er wird im Oktober auf dem Pariser Autosalon präsentiert und kommt Anfang 2009 auf den Markt. Er teilt sich Technik-Komponenten mit dem neuen Fiat Cinquecento (Ford-Chef Fleming: „Er ist aber ein ganz anderes Auto!“), und das Design wird abermals wegweisend sein: Der neue Ka demonstriert, dass man einen sympathischen Kleinwagen modern einkleiden kann und gleichzeitig die alte Sehnsucht der Kunden nach gediegener Einfachheit und der Erinnerung an einstige (bessere?) Zeiten durchaus zu verbinden weiß. In ihrem formalen Auftritt sind Ka und Fiesta ein Beleg dafür, welche Herkules-Aufgabe die Ford-Design-Mann(Frau)schaft mit Martin Smith in den vergangenen zwei, drei Jahren geleistet hat.

          Unter dem Leitsatz von „kinetic design“ entstanden

          Das gilt besonders für den Ka: Seine Kleider wurden geschneidert, als der Fiat Cinquecento bereits eingekleidet war. Auch der neue Ka ist unter dem Leitsatz von „kinetic design“ entstanden, und er trägt die frische Ford-Formel von Dynamik und Distanz zu den meisten der Wettbewerber recht überzeugend vor. Allerdings erinnert sich der Betrachter des Ka bei einigen Details an den aktuellen Opel Corsa, dessen Dachlinien und die akzentuierte Positionierung der Heckleuchten auch bei dem neuen Ford zu entdecken sind. Bilder vom neuen Ka gibt es noch nicht, aber er hat ohne Zweifel das Zeug dazu, seinen Vorgänger auch als Design-Ikone abzulösen.

          Mit dem Kuga betritt Ford Europa ein neues Spielfeld: Im Crossover-Markt soll das viertürige, geräumige Mehrzweckauto vor allem gegen den VW Tiguan und den Opel Antara antreten. Der Kuga kommt im frischeren Sport-Dress des Ford-Teams und wird sowohl mit Front- als auch mit Allradantrieb offeriert. Er fährt noch im Frühsommer auf den Markt. Allerdings gibt es derzeit nur eine einzige Motorvariante: Der 2-Liter-Duratorque-Diesel bietet 100 kW (136 PS) und soll in seiner Klasse Maßstäbe beim knauserigen Umgang mit Kraftstoff setzen. Nach Norm begnügt sich der Fronttriebler mit 6,3 Liter Diesel. Am Kuga-Preis rechnet Ford noch, man orientiert sich an den Wettbewerbern und will gleichzeitig für einen ausreichend schlanken Auftritt sorgen.

          Dichter und moderner hat sich Ford Europa noch nie zuvor präsentiert. Der Blick auf Ford lohnt sich wieder: Spannender war die Auto-Welt kaum jemals.

          Mit einem Kraftakt modernisiert Ford Europa sein Modellprogramm: Neu kommen die Longseller Ka und Fiesta, und der Kuga ist das
          Ticket für ein neues Segment des Marktes.

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