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Ford-Kompaktklasse : Das Erbe im Focus

Klarer Fall von Fortschritt: Im September kommt der neue Focus Bild: Hersteller

Der Automobilhersteller Ford legt seit 1998 seinen Focus auf die Kompaktklasse. Nun macht das Unternehmen das Modell des Ford Focus frisch und kultiviert damit das Erreichbare.

          2 Min.

          Ein Erbe kann Freude sein und Last. Ford legt seit 1998 seinen Focus auf die Kompaktklasse, 16 Millionen Stück haben die Fabrikhallen verlassen, doch so richtig neu trumpfte schon lang keine Generation mehr auf. Stets galt es, bewährte Technik in frischen Kleidern weiterzutragen. Jetzt durften die Kölner auf einem weißen Blatt Papier starten.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die im September aus dem Werk Saarlouis auf den Markt drängende fünfte Generation hat eine neue Plattform, was sich bei nahezu unveränderten Maßen in kürzeren Überhängen und einem längeren Radstand niederschlägt. In amerikanisch angehauchter Unbescheidenheit spricht das Entwicklungsteam davon, den besten Focus aller Zeiten gebaut zu haben und der Konkurrenz aus VW Golf, Peugeot 308, Opel Astra, Renault Mégane oder Hyundai i30 zeigen zu wollen, wo die Pflaume hängt. Nach einer ersten Begegnung lässt sich konstatieren: Fahrwerk und Lenkung sind erste Sahne. Das Außendesign wirkt adrett, aber bekannt, am Heck läuft es in belanglosen Leuchten aus. Die Inneneinrichtung ist konservativ-solide, es gibt konventionelle Zeiger und auch sonst keine Gags wie im Peugeot oder dem aklassigen Mercedes. Ford darf oder will eben nie den Grad des Erreichbaren verlassen, und wo gespart werden kann, wird gespart. Die Motorhaube etwa, falls die noch jemand außer dem Werkstattmeister öffnet, wird nach alter Väter Unsitte mit einer Stange gehalten.

          Beinfreiheit wie nie zuvor

          Im Alltag von größerer Bedeutung ist das Leben an Bord. Das ist vor allem leise. Abrollgeräuschen ist Ford insbesondere im hinteren Bereich der Karosserie zu Leibe gerückt, mit einigem Erfolg, wie sich nicht hören lässt. Sitze, Lenkrad und Pedale passen gut zueinander, die etwas blechern schließenden Türen öffnen weit, und auf der Rückbank genießen zwei Personen Beinfreiheit wie nie, die dritte kauert in der Mitte.

          Das Leben an Bord: Das ist im neuen Ford Focus vor allem leise.
          Das Leben an Bord: Das ist im neuen Ford Focus vor allem leise. : Bild: Reuters

          Das Cockpit wurde aufgeräumt. Erfreulicherweise ist der Drehknopf für die Radiolautstärke geblieben, besser geht es nicht, leider verändert derselbe die Ansage der Navigationshinweise nicht nachhaltig, besser wäre das. Die Bedieneinheit der Klimatisierung liegt tief, dafür stehen Informationen des täglichen Bedarfs hoch, entweder in der Mitte auf einem ordentlich drapierten Touch-Bildschirm oder in einer Plastikscheibe hinter dem Lenkrad, die Ford Head-up-Display nennt. Die Lösung ist simpel, besser als nichts und quer durch die Industrie mittlerweile Usus. Einen Wählhebel gibt es, wenn das Schaltgetriebe mit seinen sechs Stufen verbaut wird, ist die Acht-Gang-Automatik an Bord, findet sich auf der Mittelkonsole ein Drehrad. Das schafft Raum und sieht so halbgut aus. Die neue, in Eigenregie entwickelte Automatik macht ihre Sache schlüssiger als die unharmonischen Vorgänger, doch noch immer nicht mit der wandlerischen Sicherheit mancher Konkurrenz. Soll es flink vorangehen, braucht der Befehl von der Wippe am Lenkrad bis in die Schaltbox zu lang. Das Auto an sich zieht prima durch Kurven, einstellbare Dämpfer in den Modi Eco, Normal und Sport zahlen sich aus, und auch auf langer Fahrt scheint der Focus ein angenehmer Begleiter zu sein. Die Assistentenschar für Sicherheit und Komfort ist auf der Höhe der Zeit.

          Es gibt den neuen Focus als Schrägheck und als Kombi, der unter Aufbietung aller Faltkünste bis zu 1653 Liter mitnimmt. Auf Allradantrieb wurde grundsätzlich verzichtet. Motorisch offeriert Ford Dreizylinder-Benziner und Vierzylinder-Diesel mit 1,0, 1,5 oder 2,0 Liter Hubraum, die Leistungsspanne reicht von 85 bis 182 PS. Sie erfüllen die Abgasnorm 6d-Temp. Eine mild hybridisierte Version wird im Jahr 2020 nachgereicht. Der kleine Dreizylinder ist mit Zylinderabschaltung versehen, zur Kraftstoffersparnis feuert er bisweilen nur in zwei Töpfen, fahrend negativ bemerkbar macht sich der Teilzeitstreik nicht. Die Preisliste beginnt mit 18.700 Euro. Der attraktive 1,0-Liter mit 125 PS in der vermutlich am stärksten gefragten ST-Line erfordert mindestens 25.200 Euro. Der Kombi ist jeweils 1000 Euro teurer, Automatik kostet 1900 Euro Aufpreis. Alle Tarife verstehen sich, soweit bekannt, ohne Erbschaftsteuer.

          Ford Focus 2018: Erhältlich ist das neue Modell als Kombi oder Schrägheck.
          Ford Focus 2018: Erhältlich ist das neue Modell als Kombi oder Schrägheck. : Bild: Reuters

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