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Flugzeugwerke Gerner : Frankfurts Flieger-Fabrik

Größenvergleich: Ein kleiner Gerner-Flieger mit sechs Meter Spannweite auf dem Frankfurter Rebstock vor der nur zweimal gebauten Junkers G38, dem damals größten deutschen Flugzeug. Die Spannweite der G38 war 44 Meter. Bild: Familienarchiv Gerner/Isenmann

Einst war die hessische Metropole eine Flieger-Hochburg. Mittendrin: Flugzeuge von Max Gerner. Doch der Krieg änderte alles.

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          Die Flugzeugwerke Gerner in Frankfurt sind fast vergessen. Dabei hätten sie, wäre das Schicksal gütiger gewesen, eine große Geschichte werden können. Die 1928 gegründete Flugzeugfabrik des Max Gerner war bis 1945 einer von fast 30 Luftfahrtbetrieben, die sich in der Zeit zwischen den Kriegen im Raum Frankfurt angesiedelt hatten. Der in Regensburg geborene Gerner studierte an der Ingenieurschule in Mannheim und machte sich mit 28 Jahren mit dem Bau von Sportflugzeugen selbständig. Ungefähr 50 Maschinen sind von 1928 bis 1937 entstanden.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Damals hatte Fliegerei als „Sport“ des Geld- und Hochadels das Auto abgelöst, Gerner war mit seinen Fliegern mittendrin, einer seiner Gönner und Käufer war Herrmann Otto Erbprinz zu Solms-Hohensolms-Lich. Auch Fritz von Opel gehörte zum Freundeskreis. Die Adlerwerke hofften auf einen Aufschwung des Luftsports und kauften sich ein, doch 1935 trennte man sich wieder. Gerner machte allein weiter und suchte mit der Reparatur von Flugzeugen neue Geldquellen. Die Kriegsmaschinerie musste bedient werden, 1937 stellte er den Bau eigener Flugzeuge ein und arbeitete für die Luftwaffe.

          Max Gerners erste Maschine, präsentiert von seinem Bruder Otto Bilderstrecke

          Neben den ursprünglichen Betriebsstätten direkt am Flughafen (damals am Rebstock) und in der Schmidtstraße gab es zwei weitere Hallen, zeitweilig arbeiteten mehr als 1800 Menschen für Gerner. Auch Zwangsarbeiter, das soll nicht verschwiegen werden. Die zentrale Werkhalle in der Schmidtstraße steht noch, Karosseriebau Berger ist dort tätig.

          Zu den ganz wenigen, die sich noch an diese Zeit erinnern können, gehört der 94 Jahre alte Herbert Isenmann, der 1939 einen Lehrvertrag unterschrieb: 25 Mark Monatslohn, 15 Tage Urlaub, später nur noch 12. Lohn im letzten Lehrjahr: 59 Mark. Dazu kam es nicht mehr. Der Krieg fegte alles hinweg, Isenmann wurde eingezogen, die Gerner-Werke 1944 bei einem Luftangriff zerstört. Nach 1945 wandte sich Gerner vom Flugzeugbau ab, blieb aber stets Techniker und Tüftler, er starb 1977.

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