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Zurück in der Luft : Storch auf Skiern

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Er kann es noch: Der Storch, zunächst mit provisorischem polnischen Kennzeichen, fliegt wieder. Bild: Pawel Zawisza/Aero Kros

Vor 70 Jahren landeten Piloten in zwei Fieseler Störchen erstmals auf einem Gletscher und retteten Überlebende eines Flugzeugabsturzes. Eine der Maschinen fliegt jetzt wieder.

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          Es ist der 19. November 1946. Die Piloten eines amerikanischen C-53-Transportflugzeugs verlieren mitten in den Alpen bei miserablem Wetter die Orientierung. Ohne Sicht und inmitten starker Turbulenzen können sie nur mutmaßen, wo sie sind. Plötzlich ein Knall. Mit etwa 280 km/h kracht die C-53 auf den schweizerischen Gauligletscher in den Berner Alpen.

          Wie durch ein Wunder sind fast alle Insassen nahezu unverletzt. Es gelingt, aus dem Wrack einen Notruf abzusetzen. Eine Rettungsaktion kommt in Gang. Die amerikanischen Streitkräfte suchen zunächst im französischen Teil der Alpen, wo sie die C-53, eine Militärvariante der berühmten DC-3, vermuten. Tatsächlich aber war die Maschine weit vom Kurs abgekommen. Erst nach zwei Tagen, am 21. November, wird sie eher zufällig auf dem Gauligletscher in rund 3000 Meter Höhe entdeckt.

          50 Jahre hing der Storch bis November 2015 im Verkehrsmuseum Luzern, jetzt hob er wieder ab. Bilderstrecke
          50 Jahre hing der Storch bis November 2015 im Verkehrsmuseum Luzern, jetzt hob er wieder ab. :

          80 Schweizer Bergretter machen sich auf den Weg. Zwei von ihnen erreichen nach strapaziösem Fußmarsch am 23. November als Erste die Überlebenden. Ein Abstieg ist wegen der Erschöpfung der Retter und nahender Dunkelheit unmöglich. Am nächsten Tag eine riesige Überraschung: Zwei Militärpiloten vom nahen Flugplatz Meiringen wagen zum ersten Mal in der Geschichte der Aviatik mit zwei Flugzeugen vom Typ Fieseler Storch die Landung auf dem Gauligletscher. Dazu hat man das Fahrwerk mit Kufen ausgerüstet. Es gelingt ihnen, alle zwölf Überlebenden ins Tal in Sicherheit zu fliegen. Beide Piloten werden wie ihre Fieseler Störche durch die wagemutige Aktion weltberühmt und zu Ikonen der Schweizer Luftfahrt.

          In Kassel gebauter Dreisitzer

          Vor wenigen Tagen, am 5. November 2016, ist einer dieser beiden legendären Störche mit dem Kennzeichen „A-97“ in Polen zu seinem zweiten Erstflug abgehoben. Alles funktionierte problemlos. Auch der überholte V-8-Motor lief einwandfrei. Der ursprünglich 1936 zu seinem Erstflug gestartete Fieseler Storch war in Deutschland in den späten dreißiger und vierziger Jahren wegen seiner außergewöhnlichen Kurzstart- und Landeeigenschaften berühmt. Etwa 50 Meter reichten dem in Kassel gebauten Dreisitzer mit den namensgebenden langen Fahrwerksbeinen zum Abheben, meist nur 25 Meter Rollstrecke zum Landen.

          Wie aber kam es zum Comeback? Der Storch „A-97“ wurde 1962 bei den Schweizer Fliegertruppen ausgemustert, kam 1965 ins Museum „Verkehrshaus Luzern“ und hing dort bis November 2015 ein halbes Jahrhundert lang unter der Decke. Die Mitglieder des Schweizer Vereins „Freunde des Fieseler Storch“ hatten aber schon vor einiger Zeit die Idee, diesen historisch bedeutsamen Storch wieder flugfähig zu machen und möglichst exakt 70 Jahre nach dem damaligen Rettungseinsatz abermals auf dem Gauligletscher zu landen. Damit sollte an die spektakuläre Tat erinnert werden. Auch das Museum in Luzern spielte mit. Zweck des Vereins ist es ohnehin, den Fieseler Storch in möglichst vielen Exemplaren zu erhalten und flugfähig zu betreiben.

          Die ursprünglich vorgesehene Landung auf dem Gauligletscher – für Donnerstag, 24. November 2016, exakt 70 Jahre nach der Rettung der C-53-Überlebenden, geplant – wird allerdings nicht klappen. Die Verhältnisse auf dem Gletscher lassen das nicht zu. Bisher liegt zu wenig Schnee für eine Landung auf Skiern. 2017 soll es aber so weit sein. Bei günstigen Wetterbedingungen könnte die nostalgische Aktion im Frühjahr stattfinden.

          Nach mehr als fünfzigjährigem Dornröschenschlaf wurde der Oldie von einer Spezialfirma im polnischen Krosno in den vergangenen zwölf Monaten wieder flugtauglich gemacht. Gleichzeitig richtete in der Nähe Bonns der Experte Dirk Bende das Triebwerk, einen Argus-Achtzylinder vom Typ As10C, wieder her. Derzeit finden in Polen weitere Erprobungsflüge statt. Im Dezember kehrt der Storch dann in seine Heimat zurück, an den Flugplatz Dübendorf bei Zürich.

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