https://www.faz.net/-gy9-9r6ru

Maria Grazia Davino : „Die Schlagzeile ,Fiat stirbt‘ ist eine Frechheit“

Alle mögen Alfa Romeo, aber kaum jemand möchte die Autos kaufen. Das will die neue Fiat-Chefin ändern. Bild: Hersteller

Maria Grazia Davino verantwortet seit mehr als einem Jahr die Geschicke von Alfa, Fiat und Jeep in Deutschland. Die Lage ist mehr als schwierig, doch die Quereinsteigerin lässt sich nicht unterkriegen.

          4 Min.

          Frau Davino, unlängst titelte ein großes deutsches Boulevardblatt mit der Zeile „Fiat stirbt“. Das kann Ihnen nicht gefallen haben.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Diese Schlagzeile ist eine Frechheit. Sie ist unfair und unprofessionell. Unser Mutterkonzern FCA (Fiat-Chrysler Automobiles) hat in jüngster Zeit rund 45 Milliarden Euro in die Zukunft investiert. Mehr als zwanzig Prozent davon gehen in Elektro-Autos. Fiat stirbt noch lange nicht, obwohl die Zukunft für das Auto generell, sagen wir, nicht leicht wird. Aber das trifft alle, nicht nur unsere Marken. Wir müssen die Trends erkennen und verstehen und die richtigen Entscheidungen treffen. Das machen wir auch.

          Was gewiss fehlt, sind neue Autos in Ihrem Angebot, und auch ein elektrisches Fahrzeug fehlt völlig.

          Ich kann Sie beruhigen. Wir sind dran. Nächstes Jahr kommt das Nutzfahrzeug Ducato als rein elektrische Variante, und in Genf auf dem Automobilsalon im März 2020 dürfen Sie sich auf einen rein elektrischen 500 freuen.

          In der alten Schale?

          Nein, es gibt schon einige Veränderungen, er bleibt aber unverkennbar ein 500. Außerdem werden wir den jetzigen 500 und den Panda bald in einer Mild-Hybrid-Variante anbieten können.

          Ist das alles?

          Nein, Sie kennen doch die Studie Centoventi, die wir dieses Jahr in Genf vorgestellt haben. An diesem Auto arbeiten wir auch, das ist ein reines Elektro-Auto, der Kunde kann je nach Bedarf verschiedene Akku-Konzepte wählen, also viel Reichweite oder eher weniger. Der Clou ist aber das modulare Konzept inklusive eines herausnehmbaren Akkus, den Sie mit in die Wohnung nehmen können und der allein für mindestens 50 Kilometer Reichweite gut ist – zusätzlich zu den, je nach Wahl, ohnehin vorhandenen 100 bis 400 Kilometern. Das sehen wir als Lösung für die Städter, die keine Lademöglichkeit haben. Mehr verrate ich jetzt aber nicht. Auch nicht zu Alfa.

          Und was ist mit Jeep?

          Jeep geht es sehr gut. Global betrachtet haben wir 2018 im Vergleich mit 2014 den Absatz um 302,1 Prozent gesteigert. Für Deutschland beläuft sich das Plus in 2018 immerhin auf über 28 Prozent. Jeep war damit die in Deutschland am schnellsten wachsende Marke. Da hilft uns natürlich auch die allgemein sehr gute Nachfrage nach SUV.

          Ja, und neue Autos?

          Wir werden 2020 sowohl den Renegade als auch den Compass und den neuen Wrangler als Plug-in-Hybrid anbieten können. Das muss als Information genügen.

          Kommen wir zu Alfa Romeo, sicher eines der Sorgenkinder.

          Ja, ich sehe auch, dass wir in Deutschland in diesem Jahr kämpfen müssen, mit 37,1 Prozent im Minus liegen und nur knapp 2400 Alfa bis Ende Juli verkauft haben. Aber Alfa muss man mehr als eine Nischenmarke betrachten. Der Marktanteil ist nicht die Maßeinheit, in der die Relevanz der Marke gemessen wird, und daher mehr oder weniger Nebensache. Das große Minus zum Vorjahr liegt unter anderem daran, dass der Bestand an schon zugelassenen Fahrzeugen sehr groß war. Den habe ich bei meinem Antritt hier im April 2018 quasi übernommen. Der musste und muss weiter abgebaut werden. Das drückt natürlich die Neuzulassungs-Zahlen.

          Und wie wollen Sie mit Alfa auf einen grünen Zweig kommen?

          Weitere Themen

          Klasse Kombi-Flunder Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht Peugeot 508 SW : Klasse Kombi-Flunder

          Dem SUV-Trend zum Trotz bringt Peugeot seinen Kombi 508 in einer neuen, fast flunderartigen Version auf den Markt. Martina Göres hat ihn getestet und weiß, warum dieses Auto außen wie innen ein Schmuckstück ist.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.