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Fiat Abarth : Der Stachel sticht wieder

  • -Aktualisiert am

Fiat kann die Marke nicht mehr übersehen

Carlo liebt seine Rennwagen und seine Rennfahrer und fährt am liebsten selbst seine schnellen Einsitzer zur Probe und in Wettbewerben, baut immer neue, komplett selbstentwickelte Sportwagen, die Modellfamilie wird über die Jahre hinweg immer unübersichtlicher, bis hin zu einem nie wirklich richtig eingesetzten Zwölfzylinder-Motor – ein finanziell desaströses Abenteuer. Mit etlichen Temporekorden, Langstrecken- und Dauerfahrten sowie bei den damals populären Bergrennen belegt er die Qualität der Abarth-Motoren. Die Italiener sind begeistert, Fiat kann die kleine Sieger-Marke nicht mehr übersehen, es kommt zur Zusammenarbeit: Fiat zahlt an Abarth für jeden Rennsieg eine Prämie, und Abarth entwirft für immer mehr Fiat-Modelle die leistungssteigernde Technik. Besonders reizvoll wurde der Fiat 600 verstärkt: Im Jahr 1970 bringt die knuffige Limousine 110 Abarth-PS auf die Straße. Aber da hatte der Abarth-Skorpion schon fast seinen Stachel verloren.

Zum Ende der sechziger und Beginn der siebziger Jahre geraten Fiat, die Marke und der Hersteller Abarth, das ganze Land in die Krise. Dauerstreiks der Gewerkschaften gefährden das friedliche Zusammenleben, Autofabriken schließen. Carlo neigt zum Grübeln, seine kleinen und schnellen Autos gewinnen immer seltener, neue Konkurrenten gibt es, die Fiat-Führung verliert die Lust an den Rennautos, der Siegprämienvertrag wird erst nach energischer Abarth-Intervention vorerst verlängert. Ein Neustart in Amerika scheitert ebenso wie Carlos Versuch, in Spanien Fuß zu fassen. Mit dem Skorpion-Unternehmen geht es bergab. 1971 erwirbt Fiat Abarth mitsamt den Rechten an dem unschätzbar wertvollen Namen. Carlo Abarth wird krank, er stirbt im Oktober 1979.

Anneliese Abarth gründet die Carlo Abarth Foundation

Das alles schildert Anneliese Abarth, seit 1964 die Frau an der Seite des Motor-Magiers, in ihrem Buch: „Carlo Abarth. Mein Leben mit dem genialen Autokonstrukteur.“ Verheiratet ist sie mit ihm nur sehr kurze Zeit. Denn erst wenige Wochen vor seinem Tod wird Carlo Abarth von seiner zweiten Frau geschieden. Er stirbt in den Armen von Anneliese. Sie gründet die Carlo Abarth Foundation, damit sein Andenken erhalten bleibt.

Die große Automutter Fiat geht zunächst sehr unentschlossen mit dem klangvollen Namen um. Vereinzelt tauchen sportlichere Versionen von Massenmodellen auf, vom Typ 124 der Abarth Rallye oder der glücklose 131 Abarth. Erfolgreicher sind der Fiat Ritmo Abarth 125 TC und der Abarth 130 TC zur Mitte der achtziger Jahre. Bei Fiat leben immer neue Kleinwagen auf, aber fast alle sind seltsam leblose Vehikel, erst der flotte Fiat 127 verhilft dem Frontantrieb zum Erfolg, den Uno, Panda und Punto ausbauen, Abarth wird zur schlafenden Marke. Erst 2007 ist bei Fiat wieder eine gewisse Freude am Auto zu entdecken: Mit intelligentem Retro-Design wird mit der Technik des mehrmals renovierten Panda der neue 500 (Cinquecento) geboren. Formal ist er nach dem Vorbild des 1977 eingestellten Nuova 500 gezeichnet, und ganz Europa fährt auf den kleinen Flitzer ab, er wird zum Auto des Jahres 2007 gewählt und zur Basis einer eigenen Modellfamilie. Gleichzeitig erinnert sich eine jüngere Fiat-Führung nach kurzer Bedenkzeit auch des Namens Abarth: 2007 kommt der Grande Punto Abarth, ihm folgt ab 2008 eine Flut von modifizierten und in kurzen Abständen erneuerten Fiat 500, die im Zeichen des Skorpions bis ins Jahr 2019 anhält. Inzwischen ist Abarth wieder eine eigene Marke.

Jeder dieser charmant-gekräftigten 500 hätte Carlo Abarth erfreut. Es gibt Rennserien mit dem kleinen, übermotorisierten Fronttriebler für Privatfahrer (bis zu 215 PS) und ein gutes halbes Dutzend Zivil-Varianten, die allesamt, wie der 124 Spider, auf den 1,4-Liter-Turbo vertrauen. Darüber hinaus ist den scharfen Feuerzeugen der jungen Abarth-Truppe ein traditioneller Wesenszug gemeinsam: Sie fahren im Zeichen des Skorpions und im Dienste des Mythos eines Mannes, der seinen Traum vom Herbeizaubern immer neuer PS lebte. Leider waren für ihn weder Einspritzung noch Turbolader erreichbar. Was hätte Carlo Abarth damit angefangen.

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