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Fiat Abarth 124 Spider : Ein Jungbrunnen für zwei

Fiat Abarth 124 Spider Bild: Hersteller

Der Fiat Abarth 124 Spider ist klein, stark, schwarz und teuer. Und er ist ein Auto, das einem richtig gut tut.

          Es gibt Autos, die tun einem richtig gut. Der Fiat Abarth 124 Spider ist so eines. Man beschränkt sich auf das Wesentliche, wirft eine große Reisetasche in den 140-Liter-Kofferraum, setzt die Gattin auf den Beifahrersitz, und ab geht die Reise in den Süden. Die Kinder bleiben zu Hause, die Sorgen auch.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Leider macht so ein Abarth nur gefühlt 30 bis 40 Jahre jünger, wir wären wahrscheinlich zerflossen, hätten wir mit 25 Lenzen ein Auto dieser Art bewegen dürfen: klassischer Roadster, knappe 4,05 Meter lang, zwei Sitze, nur 1,1 Tonnen schwer, 1,4 Liter Hubraum und schöne 170 PS dank Turbolader.

          40 000 Euro werden für das kleine Cabriolet verlangt, 44 600 Euro kostete schließlich der Wagen, der in der Redaktion zu Gast war. Im Innern seines Herzens ist der Abarth natürlich ein Fiat 124, und den lassen sich die Italiener von Mazda bauen. Der Mazda MX-5 ist sozusagen das Muttermodell. Der Abarth unterscheidet sich aber deutlicher als der Fiat vom Mazda. In Turin werden etliche Details der angelieferten Fahrzeuge verändert, die Bremsen von Brembo zum Beispiel. Auch der Innenraum ist aufwendiger gestaltet, die Optik eine andere. Die Motoren – alle 124er haben Fiat-Triebwerke – werden aber nach Japan geliefert und dort eingebaut.

          Ein klassischer Roadster, knappe 4,05 Meter lang, zwei Sitze Bilderstrecke

          Ganz in Schwarz, so wie der Testwagen war, würden wir den Abarth nicht bestellen, das sah etwas dröge aus. Weiß oder Rot, jeweils mit schwarzer Haube natürlich, steht dem kleinen Flitzer besser. Fünf Farben sind im Angebot. Zwei große Menschen kommen sich in dem Innenräumchen schon sehr nah, wer größer als 1,86 Meter ist, stößt mit dem Kopf ans Verdeck. Der Beifahrer hat wenig Platz für die Füße, man kann sich aber daran gewöhnen. Die Haube ist in drei Sekunden nach hinten geworfen und genauso schnell wieder hervorgeholt. So lässt sich jeder kleinste Sonnenstrahl einfangen. Der Abarth ist ein Spaßwagen erster Güte, er entzieht sich so den klassischen Kriterien. Ja, der Kofferraum ist zu klein, der Innenraum eng, es fehlen Ablagen, es gibt kein Handschuhfach, und der Federungskomfort ist von gesunder Härte geprägt.

          Dafür haben 170 PS mit dem relativ leichten Wagen einfaches Spiel, die sechs Gänge flutschen nur so rein, jede Kurve ist eine wahre Freude. Wer fast immer nur Fronttriebler fährt, freut sich über eine präzise Lenkung frei von Antriebseinflüssen. Trotzdem ist der Abarth keine Heckschleuder. Im Gegenteil. Er ist sehr fahrsicher, man muss kein Künstler am Volant sein. ABS und ESP sind selbstverständlich vorhanden, die Bremsen machen ihre Sache gut.

          Ein siebter Gang stünde dem Abarth gut zu Gesicht

          In der Spitze sind gut 230 km/h drin, das Drehmoment des Turbomotors beträgt 250 Newtonmeter, die schon bei 2500 Umdrehungen in der Minute anliegen. Auch die Elastizität geht in Ordnung, das zeigen die Werte für die Beschleunigung von 50 auf 100 km/h im 4./5./6. Gang: 7,8/10,1/14,3 Sekunden. Ein siebter Gang stünde dem Abarth gut zu Gesicht, bei 140 km/h im größten Gang zeigt der rot unterlegte, mittig angeordnete Drehzahlmesser 3500 Umdrehungen an. Dagegen loben wir gern den Benzinverbrauch. 7,7 Liter Superbenzin im Durchschnitt auf 100 Kilometer sind aller Ehren wert. Wer es krachen lässt, kann aber auch 10,7 Liter verfeuern. Die streng tempolimitierte Schweiz absolvierten wir mit einem 100er-Schnitt von 6,7 Liter. Der Normverbrauch beträgt 6,4 Liter.

          Der große Nachteil des Abarth ist sein hoher Preis. Der gut ausgestattete Fiat 124 Lusso mit 140 PS kommt schon für 28 890 Euro ins Haus. Der wird kaum weniger Spaß machen, sieht man vom betörenden Sound des Abarth ab, der fast schon krawallig war. Außerdem schnürt Fiat schöne Leasingangebote.

          Die 25-Jährigen von heute haben es wirklich besser. Damals, 1984, dem vorletzten Produktionsjahr, bevor der 124 für 31 Jahre in den Schlaf verfiel, standen für einen Fiat 124 Spider 26 980 DM in der Preisliste. Er hatte 105 PS, es gab weder hübsche Leasingangebote noch vier Jahre Garantie oder die Gewissheit, dass japanische Qualität hinter dem Konzept steckt. Die lockt heute alle, die immer noch Vorbehalte gegenüber Fiat haben.

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