https://www.faz.net/-gy9-7weoc

Fiat 500X : Mit Schneewittchen über die sieben Berge

  • -Aktualisiert am

Vielleicht ließ sich Fiat für den jetzt vorgestellten 500X von den Brüdern Grimm inspirieren Bild: Hersteller

Der Fiat 500X sprengt die Cinquecento-Kategorie. Das erste Italien-SUV kommt gleich mit einer Neungang-Automatik. Eine erste Probefahrt.

          2 Min.

          Auch bei den sieben kleinen Kerlen um Schneewittchen ist ein etwas üppigerer Zwerg dabei: Vielleicht ließ sich Fiat für den jetzt vorgestellten 500X von den Brüdern Grimm inspirieren und dimensionierte die siebte Version seiner neuen Cinquecento-Ikone großzügiger als alle anderen sechs Varianten. Gleich zwei Ausführungen des 500X gibt es vom Februar 2015 an, sie sind einerseits mit Frontantrieb für die Onroad- und andererseits mit 4×4-Technik für die Offroad-Kunden gedacht.

          Zum Marktstart sollen gut ausgestattete Sondermodelle mit Frontantrieb von 22 040 Euro an oder Allrader für 32 330 Euro den Verkauf ankurbeln. Später wird das eigentliche Basismodell nachgereicht: Es ist eher im Stil von Karoeinfach gestaltet und kommt mit Frontantrieb recht günstig für knapp 17 000 Euro. Damit ist der 500X deutlich billiger als sein technischer Zwilling Jeep Renegade, dessen Preisliste bei fast 20 000 Euro beginnt.

          Der 500X sprengt mit 4,25 Meter Länge die Cinquecento-Kategorie, für fünf Passagiere ist bei 2,57 Meter Achsabstand der Platz ausreichend. Der Kofferraum bietet 350 oder nach dem Umklappen der Rücksitze 1000 Liter Stauvolumen. Ob das im Wettbewerb mit Škoda Yeti/Outdoor, Kia Soul oder Ford Ecosport ausreicht, entscheiden die Kunden.

          Vor allem muss sich das Crossover-Talent aus Italien gegen seinen Technik-Bruder Jeep Renegade durchsetzen. Und da steht der Fiat wohl im Schatten des großen Namens: Jeep kann auf seine Tradition und eine wohlklingende Bezeichnung verweisen. Fiat hielt lediglich für italienisches Heer und Polizei und als Papamobil-Unikat das urwüchsige Offroad-Arbeitstier Campagnola bereit, der aber nie wirklich in private Hände kam. Wie manche andere Entwicklung haben die Italiener den wachsenden Erfolg der SUV-Modelle unterschätzt und versuchen jetzt, zusammen mit der Konzerntochter Chrysler und deren Jeep-Abteilung aufzuholen.

          Das könnte mit dem 500X gelingen. Denn Fiat greift tief in die Truhe mit den technischen Neuentwicklungen und bietet drei Möglichkeiten zum Wechsel der Übersetzungen an: Manuell wird das Fünf- oder Sechsganggetriebe geschaltet, die Doppelkupplungsbox geht eigenständig oder auf Hebeldruck ans Werk, und komplett neu ist die neunstufige Automatik. Noch nie zuvor wurde ein Fiat mit diesem Schaltkomfort versehen, jetzt ist es so weit, weil der 500X auch in Amerika verkauft wird. Fiat verspricht für das von der deutschen ZF entwickelte Premierengetriebe überaus schnelle Gangwechsel und eine sanfte Kraftentfaltung.

          Um den Vortrieb in schwierigem Geläuf kümmern sich zwei unterschiedliche Systeme. Der Frontantrieb wird nach der Aktivierung des Fahrmodus „Traction“ durch eine Technik unterstützt, die wie ein elektronisch gesteuertes Sperrdifferenzial auf die Vorderachse wirkt. Die Allrad-Versionen arbeiten mit einem gleichfalls elektronisch gesteuerten System, das aber zur Traktionserhöhung automatisch die Hinterachse einbindet. Damit kommen die sieben Zwerge auch über sieben Berge. Zumindest fünf davon.

          Insgesamt acht Motor- und Antriebskombinationen sind zum Marktstart bereit. Zur Wahl stehen zwei Benziner mit 1,4 oder 1,6 Liter Hubraum und zwei Diesel mit 1,6 oder 2 Liter Hubraum und Leistungen von 110 PS (81 kW) bis 140 PS (103 kW). Die Norm-Verbrauchswerte liegen zwischen 4,1 Liter für den kleineren Diesel und 6 Liter für den stärksten Benziner. Der rundliche und mit etlichen Zitaten aus dem Cinquecento-Reservoir gestaltete 500X erreicht in fast allen Versionen etwa 190 km/h und kommt aus dem Stand in etwa zehn Sekunden auf 100 km/h. Das sollte für Reisen mit Schneewittchen ausreichend sein. Aber vielleicht findet es den Jeep schicker.

          Weitere Themen

          Arm, aber Tesla

          Schlusslicht : Arm, aber Tesla

          Wir finden es richtig gut, dass Tesla sich Deutschland als Standort ausgesucht hat. Ein wenig skeptisch stimmen uns indes zwei andere Meldungen aus dieser Woche.

          Topmeldungen

          Robert Habeck wirbt in der kontroversen Debatte für den Leitantrag.

          Wirtschaftsprogramm : Die Grünen fordern mehr Verbote

          Neue Klimazölle, strenge Quoten für die Automobilindustrie und eine Anhebung des Mindestlohns. Die Grünen-Spitze um Baerbock und Habeck spricht sich für einen „Green New Deal“ aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.