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Ferrari Purosangue : Vollblut für die Familie

  • -Aktualisiert am

Untypisch für Ferrari: Vier Türen und vier Sitze. Bild: Hersteller

Zum 75-jährigen Firmenjubiläum präsentiert Ferrari erstmals einen Viertürer. Der Purosangue beschwört mit einem V12-Motor gleichwohl klassische Sportwagentugenden.

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          Dieses Debüt dürfte unter eingefleischten Ferraristi für Diskussionen sorgen. Mit dem Purosangue bringt die italienische Edelschmiede erstmals einen Viertürer mit vier Sitzen auf den Markt. Zwar wurden Anfang der Achtzigerjahre bereits zwei mit Pininfarina entwickelte Prototypen mit vier Türen gebaut. In Serie gingen sie aber nie, weil die Fahrdynamik nicht dem entsprach, was Enzo Ferrari sich vorstellte. Zum 75-jährigen Bestehen eröffnet der 4,97 Meter lange und 1,59 Meter hohe Luxuswagen nun für den Sportwagenhersteller aus Maranello ein neues Segment.

          Das „Vollblut“, so die Übersetzung für Purosangue aus dem Italienischen, sei ein kompromissloser Sportwagen mit Platz für vier, erklärt Marketingchef Enrico Galliera das Fahrzeugkonzept. Das Kürzel „SUV“ kommt ihm dabei kein einziges Mal über die Lippen, gleichwohl hat man natürlich die Konkurrenz von Aston Martin und Lamborghini im Blick. Optisch erinnert der stromlinienförmige Viersitzer an den Ferrari Roma. Die schmalen Tagfahrleuchten sind von den darunterliegenden Hauptscheinwerfern getrennt. Voluminöse Lufteinlässe versorgen Motorraum und Bremsen mit Frischluft. Seitlich fallen die großen Radhausverkleidungen aus Kohlefaser ins Auge. Carbon zeigt auch das Dach und wiegt so im Vergleich zu einem Aluminiumdach zwanzig Prozent weniger. Am Heck ziehen der mächtige Diffusor und vier Endrohre die Blicke auf sich.

          Unter der nach vorn aufschwingenden Motorhaube hat Ferrari einen klassischen V12-Saugmotor ohne elektrische Unterstützung eingepflanzt. Der Zwölfender schöpft 725 Pferdestärken aus 6,5 Liter Hubraum. Achtzig Prozent des maximalen Drehmoments von 716 Newtonmeter bei 6250/min liegen bereits bei 2120/min an. Die Leistungsdaten des knapp über zwei Tonnen schweren Vollbluts sind schwindelerregend: in 3,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h, binnen 10,6 Sekunden aus dem Stand auf 200 km/h, Höchstgeschwindigkeit mehr als 310 km/h. Für die ideale Gewichtsverteilung von 49 zu 51 zeichnet neben dem weit hinter der Vorderachse platzierten Triebwerk auch das an der Hinterachse verbaute Achtstufen-Doppelkupplungsgetriebe verantwortlich, das die Kraft über alle vier Räder auf die Straße bringt und neben sieben Sportgängen über einen länger übersetzten achten Gang für entspannte Langstreckenfahrten verfügt.

          1,59 Meter hoher Luxuswagen Bilderstrecke
          Vorgestellt : Ferrari Purosangue

          Premiere im Purosangue feiert eine neue aktive Federung, die Wankbewegungen minimieren soll. Als erster Ferrari überhaupt bekommt er eine Bergabfahrhilfe. Eine Hinterachslenkung gehört zum Serienumfang. Mit dem aus dem GTC4 Lusso abstammenden Allradantrieb und einer Bodenfreiheit von 185 Millimetern könnte der für befestigte Straßen ausgelegte Purosangue bei Bedarf sicher auch mal einen Feldweg passieren.

          Die Informationen des volldigitalen Cockpits können über einen zweiten Bildschirm auch vom Copiloten abgelesen werden. Typisch für die Marke sind die starren Schaltwippen und der Richtungsanzeiger auf dem Lenkradkranz. Das Raumangebot vorn ist gut, die Sitzposition tief. Der Zustieg auf die beiden elektrisch bedien- und beheizbaren Einzelsitze im Fond gelingt spektakulär über hinten angeschlagene, elektrisch öffnende Fondtüren. Auf eine B-Säule hat Ferrari aus Gründen der Steifigkeit nicht verzichtet. Eine erste Sitzprobe vermittelt ausreichend Kopf- und Beinfreiheit für die hinteren Passagiere, obwohl wir angesichts des Radstands von 3,02 Meter mehr Platz erwartet hätten. Das bisher größte Gepäckfach in einem Ferrari fasst 473 Liter und lässt sich sogar auf bis zu 1000 Liter erweitern.

          Erste Purosangue werden im zweiten Quartal nächsten Jahres ausgeliefert. Zuerst werden treue Ferrari-Kunden be­dient. Die selbst verordnete Beschränkung auf einen Anteil von maximal zwanzig Prozent an den Verkäufen aller Ferrari-Modelle wird ebenso für ein gewisses Maß an Exklusivität sorgen wie der Preis des Purosangue. Für Deutschland wurde der noch nicht kommuniziert, wir tippen auf mindestens 320.000 Euro.

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