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Ferrari Portofino : Hauchzart und pfeilschnell

  • -Aktualisiert am

Ferrari Portofino Bild: Hersteller

Der Ferrari Portofino löst den California ab. Das neue Cabriolet hat mehr Leistung und feine Kraft für Könner. Die Basisversion kostet 189.704 Euro.

          3 Min.

          Fast auf den Tag genau zum Geburtstag des Firmengründers Enzo Anselmo Ferrari vor 120 Jahren stellt die italienische Sportwagenmarke den Nachfolger des Cabriolets California vor. Bei der Taufe des 4,59 Meter langen 2+2-Sitzers hat man sich auf heimische Wurzeln besonnen: Nach der pittoresken Hafenstadt an der ligurischen Küste trägt er den Namen Portofino. Die Basisversion kostet 189.704 Euro, dafür gibt es einen per Turbo aufgeladenen V8 mit 3,9 Liter Hubraum, der es auf 600 PS und 760 Newtonmeter Drehmoment bringt.

          Die Dimensionen des Portofino sind mit denen des California T beinahe identisch. Um zwei Zentimeter hat er in der Länge zugelegt, in der Breite um vier. Geblieben ist es beim Aluminiumdach, das bis Tempo 40 km/h in 14 Sekunden hinter den beiden Rücksitzen verschwindet und das Kofferraumvolumen von knappen 292 Liter noch mal kräftig beschneidet. Immerhin lassen sich dank der umklappbaren Durchreiche im Fond Golftaschen verstauen, das gehört bei Ferraristis dazu. Dass die Neuauflage fünf Zentimeter mehr Beinfreiheit im Fond bietet, nehmen sie ebenfalls gern zur Kenntnis.

          Das neue Cabrio will Eleganz mit Sportlichkeit paaren, bei der markanten Linienführung ist es jedoch geblieben. Das Dach und die Heckscheibe verlaufen, wenn sie geschlossen sind, in einer gemeinsamen, abwärtsführenden Linie bis zur angedeuteten Lippe auf dem Kofferraumdeckel. Vorn graben sich hinter den 20 Zoll großen Leichtmetall-Schmiederädern Luftaustrittskanäle in die Flanken, das soll der Bremsenkühlung guttun.

          Das neue Cabrio will Eleganz mit Sportlichkeit paaren. Bilderstrecke
          Das neue Cabrio will Eleganz mit Sportlichkeit paaren. :

          Innen wehen neue Winde. Das kleine Lenkrad, mit Leder und Karbon ummantelt, beheimatet den Startknopf und die Justierung des elektronisch gesteuerten Fahrwerks. Ebenso lassen sich die Fahrmodi einstellen. Komfort und Sport sind im Angebot, beide Einstellungen beeinflussen den Auspuffklang. Beim morgendlichen Start in der Vorstadt bleibt es bei einem sanften Timbre, mit dem sich der Motor zu Wort meldet. Die Nachbarn wird es freuen. Öffnen sich dagegen die nunmehr elektrisch angesteuerten Ventile in der Auspuffanlage, entfacht die V8-Maschine einen Klang, der jeden Heavy-Metal-Freund betören dürfte.

          Neu ist der zehn Zoll große Monitor in der Mittelkonsole, mit dem sich die Infotainment-Anlage des Portofino kontrollieren lässt. Premiere feiert ein zweiter Bildschirm, welcher den Kopiloten informiert. Tempo, Drehzahl und vor allem die Querbeschleunigung werden auf Wunsch angezeigt. Vielleicht eine Beruhigung für all jene, die sensibel auf schnelle Kurvenfahrten reagieren. Immerhin nehmen sie auf fein geformten Sitzen Platz, Lederbezüge sind obligatorisch, eine elektrische Verstellung gibt es gegen Aufpreis. Selbst die Länge der Sitzfläche und damit die Auflagefläche der Oberschenkel sowie der Abstand der Seitenwangen lassen sich justieren. Die Rahmen der langen Rückenlehnen werden aus Magnesium gefertigt, um Gewicht zu sparen. Ohnehin zieht sich der Leichtbau wie ein roter Faden durch den Portofino: angefangen beim Dach und anderen wesentlichen Karosseriekomponenten über das Interieur bis zum Antriebsstrang. 80 Kilogramm leichter als sein Vorgänger ist er geworden, fahrbereit bringt er 1664 Kilogramm auf die Waage.

          Der V8 schöpft seinen Leistungsgewinn aus neuen Kolben und Pleueln sowie einem neu abgestimmten Motormanagement. Auf 441 kW (600 PS) ist die Kraft gestiegen, das sind 40 PS mehr als bisher. Ferrari hat zudem die Luftführung für eine bessere Beatmung des Achtzylinders verändert. Die optimierte Kühlung leitet dem Turbolader kältere und damit dichtere Luft zu. Auf der Auslassseite sorgt ein einteilig gegossener Krümmer für weniger Druckverluste. Das macht das Triebwerk zum Freund hoher Drehzahlen. Seine Spitzenleistung erreicht es bei 7500 Umdrehungen in der Minute, sein Drehmomentmaximum stellt es von 3000 bis 5250/min bereit. Damit es mangels ausreichender Traktion der angetriebenen Hinterräder nicht zu übermäßigen Verlusten und nachträglicher Abregelung des Moments kommt, steigert die Elektronik die Motorkraft erst, wenn höhere Gänge gewählt sind. Die Übertragung über eine Kardanwelle zur Hinterachse übernimmt ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Übersetzungsstufen, es schaltet entweder automatisch oder wird über große, feststehende Schaltwippen hinter dem Lenkrad gesteuert.

          Die Fahrleistungen des neuen Ferrari sind eindrucksvoll. 3,5 Sekunden vergehen beim Sprint von 0 auf 100 km/h, 320 km/h schafft der Portofino als Spitzentempo. Mit hohen Kurvengeschwindigkeiten schafft er die Biegungen, liegt leicht wie ein hauchzartes Pfefferminz-Täfelchen auf dem Asphalt und lässt sich mit eindrucksvoller Präzision lenken. Am Volant genügen kleine Bewegungen, direkt und mit guter Rückmeldung werden die Befehle unverzüglich umgesetzt. Das Fahrwerk spielt begeistert mit, adaptiv passen sich die Dämpfer an die jeweiligen Fahrbahnbeschaffenheiten an und geizen nicht mit Komfort, wenn es weniger eilig zugeht. Die Bremsscheiben aus Keramikwerkstoffen gehören zum Serienstandard, sie bringen den Boliden aus Modena bei Tempo 100 nach nur 34 Meter zum Stehen. Nicht ganz so schlank ist der Verbrauch des V8-Triebwerks. 10,7 Liter Super-Plus-Benzin gibt der Hersteller als Norm an. Praxisgerecht ist mit Werten um 18 Liter zu rechnen. Dann wird das Tankvolumen beinahe knapp, 80 Liter Vorrat sind an Bord.

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