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Fatbike Monster S von Bulls : Das Matschmobil

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So sauber bleibt Bulls Fatbike bestimmt nicht lange Bild: Pardey

Es ist Herbst, bald wird es Winter. Der Alltagsradler fragt sich: Brauche ich eine bessere Beleuchtung? Der Genuss-Biker fragt: Zeit für ein Fatbike oder nicht?

          Zuallererst: Die Diskussion, in der „Das braucht doch kein Mensch“ ein Argument sein könnte, wird hier nicht geführt. Es gibt so viele Dinge, die enormen Spaß machen, auch wenn sie sich nicht jedermann und vielleicht auch nicht sofort erschließen. Selbstverständlich kann man sein Fahrrad bei sinkenden Tagestemperaturen und den ersten bis ins Flachland als Schnee fallenden Niederschlägen in der Garage lassen. Aber was, wenn man (oder frau) das einfach nicht will?

          Im verschneiten Garmisch oder in St. Peter-Ording mit dem Strand vor der Tür gäbe es überhaupt kein Vertun: Das Fahrrad für Schnee und Sand ist das Mountainbike mit einer Reifendimension wie 26 × 4 Zoll. Es geht auch noch ein bisschen dicker, 4,8 Zoll, dann ist der Auftritt so martialisch, dass sogar 29-Zoll-Laufräder daneben eher zierlich wirken. Wer die Jumboreifen für bloße Show hält, hat es höchstwahrscheinlich noch nicht ausprobiert, mit ganz niedrigem Luftdruck - unter ein Bar - und sattem Schmatzen des Gummis unterwegs zu sein. Und zwar auch dort, wo sogar ein Mountainbike mit schmalerer Bereifung sich festfährt. Solange das Fatbike ein noch rarer Sonderfall war und es schwierig werden konnte, an passende Komponenten zu kommen, war es auch ein eher teures Vergnügen. Inzwischen stehen die dick Bereiften überall, und man findet günstige Offerten, die es einem leichter machen, herauszufinden, ob man zum Fatbiker taugt oder nicht.

          Hardtail mit einem Rahmen aus Aluminium 7005

          Solch ein Fall ist zum Beispiel das Monster S von Bulls für rund 1700 Euro (UVP). Dafür bekommt man ein Hardtail mit einem Rahmen aus Aluminium 7005 (in zwei Höhen: 46 und 51 Zentimeter). Im konischen Steuerrohr steckt eine Federgabel von Rock Shoxx mit 100 Millimeter Federweg, die vom Lenker aus blockiert werden kann. Braucht man unbedingt eine Federgabel? Bieten nicht die Monsterreifen genug Federung? Ein Grund, doch eine Vorderradfederung zu wählen, obwohl die das Rad noch schwerer macht, als es ohnehin schon ist: Das Fatbike wird durch die Federgabel geländetauglicher, was sich vor allem in den Abfahrten zeigt.

          So wie das Monster von Bulls gefahren wurde, mit blauem Dekor und blauen Felgen, entwickelt es aber durchaus Chic.

          Da die Räder mit den dicken Reifen sowieso nicht gerade zu den Leichtgewichten zählen, erscheint das Mehrgewicht der Federgabel als nicht so gravierender Faktor. Das Monster S wiegt alles in allem etwas über 16 Kilogramm. Da schlägt der Radsportler natürlich die Hände über dem Kopf zusammen; das hohe Gewicht hängt in erster Linie mit den vergleichsweise schweren Laufrädern zusammen. Und die wollen erst einmal zum Rollen gebracht und dann den Berg hinaufgeschafft werden. Diese - zumindest anfängliche - Schwerfälligkeit und geringere Bergtüchtigkeit sind die prinzipiellen Nachteile eines Fatbikes.

          Blauer Dekor und blaue Felgen

          An der Antriebstechnik liegt es nicht, wenn der Aufstieg ein wenig mühsam wird: Bulls kombiniert eine Kurbelgarnitur von FSA mit 36 und 22 Zähnen, eine Shimano Deore XT als Schaltung mit einer Zehnfach-Kassette (11 bis 36 Zähne) und weitere Shimano-Deore-Komponenten. Auch die hydraulischen Scheibenbremsen stammen aus der Serie Deore. Das ist insgesamt eine solide Ausstattung, ohne dass man mit der Zunge schnalzen möchte. So wie das Monster von Bulls gefahren wurde, mit blauem Dekor und blauen Felgen, entwickelt es aber durchaus Chic.

          Als Sportgerät verzichtet das Monster auf Ausrüstung, die für die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr vorgeschrieben ist.

          Als Sportgerät verzichtet das Monster auf Ausrüstung, die für die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr vorgeschrieben ist. Aber mit diesem Rad fährt man ja auch nicht zum Einkaufen. Doch nicht etwa der Vorschriften wegen werden einem Fahrten auf Asphalt geradezu verleidet. Die Jumboreifen - tatsächlich hat Schwalbe die dicken Dinger Jumbo Jim genannt - machen einen Höllenlärm. Das tun sie zwar auch im Gelände, aber da fällt es irgendwie nicht so auf wie auf einer guten Straße.

          Wenn die rotierenden Massen der mächtigen Laufräder erst einmal rollen, wird das Monster erstaunlich leichtfüßig und wendig. Vielfach wird geglaubt, zum Lenken eines Fatbikes bedürfe es mehr Kraft in den Armen als sonst bei einem Fahrrad. Das ist aber nicht der Fall. Der breite Lenker wirkt als starker Hebel, man hat die ganze Sache gut und eher locker im Griff.

          Das Monster flößt einem von den ersten Metern an Vertrauen ein: Du wirst in dieser Matschkuhle, auch wenn sie ein bisschen tiefer ist, nicht stecken bleiben. Tritt nur stramm weiter, du arbeitest dich aus der sumpfigen Wiese heraus. Dein Bike hat genug Grip, um auf dem feuchten Laub nicht wegzurutschen. Soll der Schotter ruhig spritzen, das Monster bleibt auf Kurs. Jeder Radfahrer kennt das mulmige Gefühl, das einen beschleicht, wenn man über einen Untergrund fährt, auf dem man schon einmal schwer gestürzt ist. Das Fatbike mit seiner Unerschütterlichkeit macht einem neuen Mut. Mit einem anderen Rad würde man den kleinen Bachlauf strikt meiden. Das Monster macht Laune, ein paar Meter durchs Bachbett auf die andere Seite zu fahren - nicht zu waten.

          Dieses Rad macht Spaß, saut seinen Benutzer aber auch gnadenlos ein. Mit Schlammspritzern auf der Brille und zwischen den Zähnen beantwortet sich die Frage „In diesem Winter Fatbike?“ mit einem klaren Ja.

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