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Fallschirm-Rettungssysteme : Leben am seidenen Faden

  • -Aktualisiert am

Alle vier Insassen der verunglückten Cirrus SR-22 blieben dank des Fallschirmsystems unverletzt. Bild: Norwegische Verkehrssicherungsstelle

In Ultraleicht- und einmotorigen Flugzeugen haben Fallschirm-Systeme schon viele Leben gerettet. Jetzt kommen sie sogar in Helikoptern und Tragschraubern zum Einsatz.

          Er ist das lebensrettende Pendant zum Airbag im Auto – nur dass er im Flugzeug eingebaut ist. Seit den achtziger Jahren gibt es Fallschirm-Rettungssysteme für Ultraleichtflugzeuge (UL). Gerät der Pilot in Not, zieht er an einem Hebel im Cockpit. Daraufhin schießt eine Rakete hinten im Rumpf durch eine Sollbruchstelle. Sie zieht einen Fallschirm heraus, dessen Fangleinen an mehreren Stellen mit den stabilsten Stellen des Flugzeugs verbunden ist. Der Fallschirm entfaltet sich, und das ganze Flugzeug schwebt an diesem zu Boden. Beim Aufsetzen gehen zwar normalerweise das Fahrwerk oder Teile des Flugzeugs zu Bruch, aber dafür überleben die Insassen, meist sogar unverletzt.

          Die Gesamt-Rettungssysteme haben seit ihrer Einführung einen Siegeszug erlebt. So haben sie vor allem in UL, aber auch in schwereren einmotorigen Flugzeugen weltweit bis 2017 mehrere hundert Menschen vor schweren Verletzungen oder dem Tod bewahrt. Für UL, die in Deutschland maximal 472 Kilogramm schwer und höchstens zweisitzig sein dürfen, sind die Rettungssysteme sogar gesetzlich vorgeschrieben. Andere einmotorige Flugzeuge bis zwei Tonnen Gewicht wie die Cirrus sind ebenfalls serienmäßig damit ausgerüstet, ältere Cessna vom Typ 172 oder 182 können nachgerüstet werden. Insgesamt haben etwa Systeme des amerikanischen Herstellers BRS nach dessen Angaben bis März 2017 mindestens 371 Menschen gerettet. Der tschechische Hersteller Galaxy berichtet von mindestens 91 geretteten Piloten. Dazu kommen weitere Rettungen durch Hersteller wie Junkers Profly oder das tschechische Unternehmen USH.

          Rettungssysteme reagieren auf eine Vielzahl von Notfällen

          Die Gründe, das Rettungssystem auszulösen, sind vielfältig: Herzinfarkt oder Bewusstlosigkeit, Kollisionen mit anderen Flugzeugen, Vögeln oder auch Seglerschleppseilen, ungewollter Einflug in Wolken und damit verbundener Kontrollverlust über das Flugzeug, Triebwerksausfall, extreme Turbulenz, Feuer, Strukturversagen oder andere technische Mängel.

          Auch Cessna-Flugzeuge wie die populäre 172 können nachgerüstet werden. Bilderstrecke

          So stoßen etwa im August 2015 bei einer Vorführung der südbadischen Dreier-Formation Grasshoppers zwei Ikarus C-42 nahe Basel zusammen. Einem der beiden Piloten gelingt es, sein Rettungssystem auszulösen. Der Fallschirm öffnet sich, die Maschine schwebt an ihm in den Garten eines Wohngebäudes, der Pilot überlebt unverletzt. Der Pilot der anderen Maschine stürzt hingegen ab und kommt beim Aufschlag ums Leben. Jahre zuvor kommt ein anderer C-42-Pilot am südbadischen Flugplatz Eschbach gerade noch einmal mit dem Leben davon. Sein UL wird im Landeanflug von einem Propeller-Jagdflugzeug-Oldie aus dem Zweiten Weltkrieg gerammt. Der Fluglehrer zieht das Rettungssystem und überlebt schwer verletzt. Sein Flugschüler stirbt. Auch dem Piloten eines UL im August 2011 am oberbayerischen Flugplatz Jesenwang bei München hilft das Rettungsgerät in letzter Sekunde. Sein Triebwerk fängt an zu brennen. Er löst in relativ geringer Höhe das System aus und schlägt nur wenige Sekunden später am Schirm hängend in einer Kiesgrube auf. Dem verletzten Piloten gelingt es, sich allein aus dem Wrack zu befreien, das komplett ausbrennt.

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