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Fallschirm-Rettungssystem : Eine Art Airbag fürs Flugzeug

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Der Pilot der Cirrus löste wegen Schwierigkeiten mit dem Motor den Schirm aus und landete im Weizen nahe Taucha. Er blieb unverletzt. Bild: Tobias Junghanss

Immer mehr Kleinflugzeuge sind mit Fallschirm-Rettungssystemen ausgerüstet. So haben Pilot und Passagiere im Notfall eine Chance.

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          Am 16. Juli 2019 will der Pilot einer viersitzigen Propellermaschine des Typs Cirrus SR22 von Berlin ins baden-württembergische Donaueschingen fliegen. Etwa auf der Höhe von Leipzig stellte er fest, dass mit dem Motor etwas nicht stimmt. Rapide fallender Öldruck weist auf ein bevorstehendes Problem und vermutlich plötzlichen Ausfall des Triebwerks hin. Der Pilot sieht unter sich für seine schnelle Reisemaschine keine geeignete Notlandemöglichkeit, einen Flugplatz kann er ohnehin nicht mehr erreichen. Also tut er das, was für derartige Situationen vorgesehen ist: Er zieht an einem unter der Kabinendecke der Cirrus angebrachten roten Hebel. Sofort gibt es einen lauten Knall, wenig später einen Ruck. Aus dem Rumpf- rücken schießt mit Hilfe einer kleinen Rakete der Fallschirm heraus. Die Maschine hängt an ihm und setzt in einem Getreidefeld nahe der Kleinstadt Taucha auf. Der 56-jährige Pilot bleibt unverletzt. Die Cirrus ist zwar stark beschädigt, aber Hauptsache, überlebt.

          Diese oder ähnliche Szenen wiederholen sich immer öfter am Himmel. Denn nicht nur in Deutschland müssen zweisitzige Ultraleichtflugzeuge serienmäßig ein Gesamt-Rettungssystem an Bord haben, auch in den meisten europäischen Nachbarländern. Nur die Briten schreiben es nicht vor. Selbst größere Vier- bis Fünfsitzer des US-Herstellers Cirrus Aircraft vom Typ SR20/SR22 wie die bei Taucha notgelandete Maschine sind damit ausgerüstet. Bei einmotorigen Flugzeugen gibt es den Fallschirm zum Nachrüsten auch für die weitverbreiteten Viersitzer-Cessna-Modelle des Typs 172 und 182 (F.A.S. vom 28. Mai 2017) sowie mehrere Selbstbauflugzeuge.

          Warum der Schirm ausgelöst wird? Motorausfall über Wasser oder in den Bergen ohne Notlandemöglichkeit kommt relativ häufig vor. Dazu Kollisionen in der Luft, entweder mit anderen Maschinen oder Vögeln. Feuer an Bord gab es ebenfalls schon mehrfach. Und eigentlich dürfen Sichtflieger zwar nie in Wolken fliegen. Tun sie es dennoch und verlieren ohne optische Referenz nach außen im Blindflug die Kontrolle, ist das Auslösen des Schirms oft die einzig verbleibende Option, Leben zu retten.

          Der italienische Hubschrauber Zefhir hat als erster Helikopter optional ein Rettungssystem. Es ist oberhalb des Rotorkopfs montiert.

          Seit ihrer Einführung in den 1980er Jahren sind Rettungssysteme deshalb immer populärer geworden. So haben sie vor allem in den seit kurzem bis maximal 600 Kilo schweren Ultraleichtflugzeugen, aber auch in größeren Einmotorigen mit bis zu zwei Tonnen Abfluggewicht bis Ende 2019 rund 600 Menschen vor Verletzungen oder Tod bewahrt. Allein die Systeme des amerikanischen Herstellers BRS konnten bis Ende März 2020 schon 422 Menschen sowohl in Ultraleichtflugzeugen als auch größeren Cirrus-Modellen das Leben retten. Das tschechische Unternehmen Galaxy zählt bis März 98 Rettungen von Piloten durch seine Fallschirme, dazu kommen weitere Hersteller wie Junkers Profly oder die tschechische Firma USH mit erfolgreichen Auslösungen.

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