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Fahrtbericht Piaggio Beverly 500 : Die Power-Wespe

Roadster auf zwei Rädern: Beverly 500 von Piaggio. Bild:

Mit dem 500er liefert Piaggio für recht attraktive 5590 Euro ein Designstück vom Feinsten ab, dem jeder ansieht, aus welchem Haus es stammt. Vorn echter Roller, hinten ein bißchen Motorrad, Modernes hier, Traditionelles dort, gut gemischt.

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          Es gibt Leute, die halten Rollerfahren für eine Sache der puren Vernunft. Mobilität auf zwei Rädern, sparsam im Verlangen nach Sprit, Parkplatz und Pflege. So sehen die Dinger dann manchmal auch aus. Es mag ja sein, daß ein Roller ein anspruchsloses Nutzfahrzeug im Großstadtgewühl ist, das flinker als alles andere die Brötchentüte befördert. Doch zugleich kann er eine genußvolle Art von Open-air-Gefühl transportieren, auch wenn der tägliche Weg zur Arbeit nicht über die Promenade zwischen Menton und Monte Carlo führt. Damit sind wir beim Thema Schaufahren und kommen zum Beverly 500. Denn dieser Großroller aus Italien ist eine der auffälligsten Neuerscheinungen seit langem.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Mit dem 500er liefert Piaggio für recht attraktive 5590 Euro ein Designstück vom Feinsten ab, dem jeder ansieht, aus welchem Haus es stammt. Vorn echter Roller, hinten ein bißchen Motorrad, Modernes hier, Traditionelles dort, gut gemischt. Zur Kategorie Nostalgisch zählen die schlichten Chromspiegel, das zierliche Gesicht des Windschilds, der mit dem Lenker mitdrehende große Einzelscheinwerfer und die Instrumente im Vespa-Stil: hübsch altmodisch-analog, keine einzige digitale Ziffer. Das Angebot an Informationen der Armaturentafel ist provozierend mickrig: lediglich Tacho, Kilometerzähler, Tankuhr und Kühltemperatur, dazu ein paar Warnlämpchen, aber weder Drehzahlmesser noch Uhr, noch Außentemperaturanzeige, wie heutzutage in der Oberklasse der Roller üblich. Als Zeichen moderner Zeiten blinkt beim Parken lediglich die Wegfahrsperre vor sich hin.

          Das Kontrastprogramm dazu bilden futuristische Schwünge in der Karosserie, ein respekteinflößender Auspuff, die ungewöhnliche Kombination von großem 16-Zoll-Vorderrad und 14-Zoll-Hinterrad mit superbreitem Reifen. Dieser dicke Schlappen kommt besonders zur Geltung, weil er über das Heck mit dem schmalen Geräteträger und der Rücklicht/Blinker-Kombination hinausragt - sportlich, sportlich. Auf jeden Fall sind die Konstrukteure nicht der Versuchung erlegen, das Erscheinungsbild der Zweckmäßigkeit zu opfern: Der Stauraum unter der Bank ist bescheiden, trotz der Ausbuchtung an der Unterseite des Sitzes paßt ein normaler Jethelm nicht hinein. Das Handschuhfach im Beinschild ist da auch kein Trost. Und das Topcase aus dem Zubehörregal möchten wir dem attraktiven Heck eigentlich ersparen.

          Der rund 200 Kilogramm schwere Beverly wird angetrieben vom aus dem Piaggio X9 bekannten, aber modifizierten Einzylinder-Viertaktmotor mit vier Ventilen, 459 Kubikzentimeter Hubraum, 29 kW (39 PS) Leistung und einem maximalen Drehmoment von 43 Nm bei 5500/min. Das verhilft ihm zu sattem Spurtvermögen und einer Höchstgeschwindigkeit von rund 160 km/h. Der 13,5-Liter-Tank wird mit Superkraftstoff gefüllt, wir benötigten im Schnitt knapp 5 Liter auf 100 Kilometer. Eine Kombibremse mit zwei Scheiben am Vorderrad und einer hinten hält das temperamentvolle Gefährt im Zaum. Es bewegt sich äußerst gelenkig durchs Stadtgetümmel, bei schnellem Schräglagenwechsel auf der Landstraße aber nicht so schneidig wie gedacht. Wir halten es eher für einen hochgezüchteten Straßenkämpfer für die Stadt als für einen Autobahn-Tourer. Der Geradeauslauf bei hohen Geschwindigkeiten ist tadellos, an Langstrecken jedoch kann man wegen des winzigen Windschilds die Lust verlieren, denn jenseits von 120 km/h drückt der Wind dem aufrecht sitzenden Fahrer auf die Brust wie die Faust des Politikers Schwarzenegger.

          Die Federung läßt die Besatzung über Unebenheiten der Fahrbahn nicht im unklaren, härtere Holperigkeiten bringen das ganze Gefährt in Unruhe. Dafür läuft der Motor sanft und vibrationsfrei, lassen sich Parkmanöver und Aufstellen auf den Hauptständer schweißfrei bewerkstelligen. Die Sitzbank wird mit einem Knopf neben dem Zündschloß fernentriegelt, leider fehlt ihr eine Stütze. Aber es gibt eine ausziehbare Regenhülle für die Bank, und das freut alle, die meistens nördlich der sonnigen Küstenstraße zwischen Menton und Monte Carlo unterwegs sind.

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