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Fahrtbericht Opel Astra Sports Tourer : Gewachsen, aber nicht erwachsen

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Sports Tourer statt Caravan - das ist auch beim Astra-Kombi mehr als nur ein Namenswechsel. Lifestyle schlägt die guten alten Werte: wenig Platz auf der Rückbank und schlechte Sicht nach draußen.

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          Caravan: Das war ja schon ein Anglizismus im Jahr 1953, als der Opel Olympia Rekord CarAVan als Erster mit diesem Beinamen erschien. Die Deutschen verstehen darunter eigentlich einen Wohnanhänger, für die Amis bedeutete das Wort die Verbindung von Car (= Personenwagen) und Van (damals noch = Lieferwagen). Dem Amerika-Ableger Opel verzieh man notgedrungen, dass er das hierzulande gebräuchliche Wort Kombi nicht verwendete - für Autos, die Kombis waren.

          Und seither hat man sich an Caravan schon so gewöhnt, dass man jetzt bei Sports Tourer doppelt schlucken muss, einmal wegen der Umbenennung schlechthin, zum anderen wegen des neuen Anglizismus, der erkennbar nur den einzigen Zweck hat, mehr herzumachen. Also dann, Sports Tourer. Zumal ein Rest Ehrlichkeit dabei ist: Von den Werten eines klassischen Kombis hat sich Opel, wie schon beim Insignia Sports Tourer, weit entfernt.

          Länge und Nutzraum
          Der erste Astra Caravan von 1991 war 4,28 Meter lang. Der Astra Sports Tourer von heute misst 4,70 Meter und ist damit bis auf 20 Zentimeter an den Insignia Sports Tourer herangerückt. Aber: Der Veteran hatte 500 Liter Kofferraum, sein aktueller Nachfolger bietet ohne Reserverad ebenfalls 500 Liter - ein toller Fortschritt. Und wenn es ans Umklappen der Rücksitze geht, wenn ein Kombi also seine Stärken als Lademeister zeigen kann, schlägt der Alte den Neuen glatt: 1650 gegen 1550 Liter.

          Immerhin schafft es der Sports Tourer, seine wichtigsten, aber rund 15 Zentimeter kürzeren Konkurrenten VW Golf Variant und Ford Focus Turnier im Gepäckraum-Wettbewerb zu schlagen. Trotzdem: Opel, inzwischen Weltmeister im Verschenken von Nutzraum, hat auch hier die Grundfläche des Autos nicht optimal verwertet. Man will halt lieber mit den großen Hunden bellen, blickt nach München und Ingolstadt statt nach Wolfsburg und Köln und hat als Zielgruppe eher die freizeitorientierten Kleinfamilien als die Flottenmanager der Wirtschaft im Visier.

          Bild: F.A.Z.

          Kofferraum und Sitze
          Manches am Auto scheint aber auch das Gegenteil zu beweisen. Die Aufteilung in Passagier- und Kofferraum folgt nämlich eher den Bedürfnissen des reisenden Handelsvertreters: viel Ladevolumen (wenn auch zu wenig für die Länge), bequeme Sitzverhältnisse am Lenkrad und daneben, aber arge Platznöte auf der Rückbank. Die ist leicht und in zwei ungleichen Teilen zu klappen, die so entstehende fast ebene Fläche ist ohne Niveauunterschied zu erreichen - allerdings gestört von einem weit auskragenden Stoßfänger, ähnlich wie beim Insignia. Zur Ladungssicherung und zum Verzurren im Kofferraum gibt es ein Cargo-Paket nebst Trennnetz (220 Euro), das auch professionellen Ansprüchen genügt. Opels pfiffiges ausziehbares Fahrradträger-System FlexFix ist hier auch zu haben, es kostet 590 Euro, 54 Liter Gepäckraum und die hintere Parkhilfe. Die aufpreispflichtigen (685 Euro), dafür äußerst bequemen Ergonomiesitze vorn haben einen sehr weiten Verstellbereich für Langbeinige, der aber bei geklappter Rückbank nicht voll ausgenutzt werden kann.

          Und soll hinten ein normaler Erwachsener Platz nehmen, muss die erste Reihe ebenfalls kompromissbereit sein - nicht gerade typisch für ein 4,70-Meter-Auto. Kopfhöhe gibt es im Fond genug, doch der dritte Platz macht keine Freude, die dortige Kopfstütze ist denn auch ein Aufpreis-Extra. Eine Durchladeöffnung für Ski ist serienmäßig.

          Sicht
          Dass Design zum Feind der Ergonomie wird, ist bei Opel nichts Neues. Auch beim Astra Sports Tourer: Die Seitenfenster und die Heckscheibe sind eher klein, die langgestreckten vorderen Dachsäulen stören den Blick, der üppige hintere Überhang (der Kombi hat denselben Radstand wie die 28 Zentimeter kürzere Astra-Limousine) macht die Übersicht auch nicht einfacher.

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