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Fahrtbericht Mazda3 : Die Schattenseiten der modischen Form

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

„Subtile Aggressivität“ schreibt Mazda der neuen Generation seines Modells 3 zu. Die entpuppt sich aber vor allem als Einfallslosigkeit. Einziges Kunststück ist das geringe Ladevolumen, obwohl er gegenüber seinem Vorgänger gewachsen ist.

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          Ja, die Designer. Sie können sich immer darauf herausreden, der Käufer wolle genau das, was sie ihm vorsetzten. Aber erstens werden die Kunden nicht gefragt, und zweitens fehlt immer der Beweis dafür, ob ein anderes Styling nicht ein anderes Verkaufsergebnis erbracht hätte. Und da jedes Design schließlich von den großen Bossen abgesegnet wird, darf man die ganze Firma in die Haftung nehmen, wenn sie meint, eine schicke Karosserie auf „subtil aggressiv“ trimmen und sich dessen auch noch rühmen zu müssen.

          Betrachtet man den seit kurzem neuen Mazda3 unvoreingenommen, erkennt man vor allem eine gewisse Einfallslosigkeit: Das breite Grillmaul, die schlitzäugigen Scheinwerfer, die ansteigende Seitenlinie und das zu kleine Heckfenster sind heute so verbreitet, als kämen alle aus demselben Computer. Wenn diese Merkmale „ausdrucksstark und angriffslustig“ (Originalton Mazda) sein sollen, dann sind wir auf unseren Straßen zunehmend von Ausdruckstänzern und Angreifern umgeben.

          Außen groß - Innen klein

          Besser Fakten als Sprüche. Der Mazda3-„Fünf“-Türer mit Schrägheck (daneben gibt es eine ebenso viertürige Stufenheck-Version) ist gegenüber seinem Vorgänger wieder um ein paar Zentimeter gewachsen, und mit seinen 4,46 Meter Länge ist er wie jener eigentlich nicht mehr ein Konkurrent des Golf (4,20 Meter), sondern hat beinahe das Maß des anderen 3ers, von BMW.

          Und da ist es fast als Kunststück anzusehen, wie wenig Nutzraum die Japaner auf dieser Grundfläche untergebracht haben. Schon der Kofferraum ist der Statur des Mazda nicht angemessen: 340 Liter Inhalt sind weniger als beim Golf (350 Liter).

          Das Maximalvolumen, erreichbar mit dem Klappen der geteilten Rückbanklehne und nicht mit einer ebenen Fläche gesegnet, ist allerdings etwas größer als beim VW, und wir erwähnen auch gern, dass darunter immerhin ein Notrad statt Dichtmittel und Kompressor auf seine Bewährungsprobe wartet. Dass die Ladekante des Gepäckabteils 70 Zentimeter hoch liegt, appelliert an starke Männer. Und ihre Frauen?

          Viel Abstand zum Dachhimmel

          Keine Wunderdinge auch im Innenraum. Aus der Vorgabe von 2,64 Meter Radstand - dem Maß des Ford Focus, auf dem er basiert - macht der Japaner, obwohl zwölf Zentimeter länger, eher weniger als sein deutscher Vetter. Man sitzt recht angenehm, aber nicht so bequem, wie es seiner Länge angemessen wäre.

          Die Rückbank ist zwar breit genug für drei Erwachsene und bietet auch ausreichend Knie- und viel Kopfraum, doch der mittlere Platz ist - mit neun Zentimeter weniger Tiefe als die seitlichen und wegen des hohen Mitteltunnels - nun wirklich kein zumutbarer Aufenthaltsort.

          Einsteigen kann man hinten allerdings fast besser als vorn, obgleich der Fußraum recht eng ist. Mit der Höheneinstellung seines gut ausgeformten, aber etwas schmalen Sitzes kann der Fahrer bis zu ein Meter Abstand zum Dachhimmel herstellen.

          18 verwirrende Tasten

          Mehr als das Karosseriedesign, dem er vor allem schlechte Sichtverhältnisse verdankt, sollte ihn sein direktes Umfeld begeistern: ein schwungvoll über die Wagenbreite hingeworfenes Armaturenbrett mit hochwertig anmutendem Kunststoffbezug und klare, sehr gut ablesbare und interessant beleuchtete Instrumente.

          Negativ illustriert wird Funktionsvielfalt indes vom Lenkrad: Nicht weniger als 18 Tasten sind bei der High-Line-Ausstattung auf dessen Speichen versammelt, für Geschwindigkeitsregler, Bordcomputer, Navigationssystem, Radio und Telefon. Wer sich da auf Anhieb zurechtfindet, muss schon über viel Intuition verfügen.

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