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Fahrtbericht Hyundai Accent 1.5 : Die Bescheidenheit zwischen den Stühlen

  • -Aktualisiert am

Nicht ideal für groß gewachsene Fahrer: Hyundai Accent Bild: Hersteller

Mit dem Accent 1.5 CRDi GLS verschreibt sich Hyundai dem neuen Trend der Bescheidenheit. Laufruhe, Einrichtung des Innenraums und Bremsen könnten aber ruhig etwas weniger bescheiden sein. Zudem sitzt der Accent zumindest hierzulande zwischen den Stühlen.

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          Im Trommelfeuer der CO2-Diskussion kann Bescheidenheit zu einem neuen Wert im Verhältnis zum Auto werden. Natürlich vor allem Bescheidenheit in Sachen Verbrauch: Da läge der Diesel ganz vorn, wenn er nicht seinerseits zum Opfer der Feinstaub-Hysterie geworden wäre. Aber auch die Benziner machen Riesenschritte auf dem Weg zur Mäßigung.

          Bescheidenheit bei der Größe des Fahrzeugs liegt ebenso im Trend, die Zuwachsraten bei den Mini- und Kleinwagen beweisen es. Bescheidenheit bei Ausstattung und Preis? Spätestens da hört die Selbstkasteiung der Käufer auf. Man will sich auch künftig etwas gönnen, in der Hoffnung, dass der Nachbar kundig genug ist, Luxus auch am geschrumpften Auto zu erkennen und gebührend zu beneiden. Außen kleiner, innen groß und teuer - so könnte sich der Erfolgswagen von morgen präsentieren.

          Beste Diesel-Tugenden

          Aber jetzt ist heute, und da gelten noch viele Gesetze von gestern. Der Geiz sucht weiter nach billig, zumindest relativ - Rabatte -, aber auch absolut. Südkorea und bald auch China bedienen diesen Wunsch, und es bleibt beim Käufer, den Preis gegen die unausweichlichen Einbußen an Image und Wertigkeit abzuwägen. Der Hyundai Accent, seit einem Dreivierteljahr in Neuauflage am deutschen Markt, bietet Anschauungsmaterial für diesen Widerstreit. Mit gut vier Meter Länge konkurriert er mit den inzwischen gewachsenen Opel Corsa, Fiat Grande Punto, Renault Clio oder Peugeot 207, und mit einem Basispreis von 14.390 Euro unterbietet er sie nicht einmal auf Anhieb. Erst wenn Motorisierung und Serienausstattung verglichen werden, zeigt sich sein Sparpotential. Das gilt auch für die Dieselversion, die mit 17.240 Euro schon nicht mehr wie ein Schnäppchen wirkt. Was hat der Accent dafür zu bieten?

          Der Motor, ein 1,5-Liter-Vierzylinder, war dem europäischen Markt dringend geschuldet und hatte im vergangenen Jahr im Accent den gleich großen Dreizylinder-Vorgänger abgelöst. Das moderne Common-Rail-Triebwerk ist von fröhlicher Wesensart, aber leider nicht gut erzogen und, noch schlimmer, zumindest derzeit nicht mit Partikelfilter zu haben. Es bringt den mit 1250 Kilogramm Leergewicht recht leichten Accent eindrucksvoll auf Trab: Sowohl bei der Standard-Beschleunigung von 0 auf 100 km/h als auch erst recht bei der Höchstgeschwindigkeit übertrifft er die Prospektwerte bei weitem - 10,5 statt 11,5 Sekunden und erstaunliche 189 statt 176 km/h. Auch an Durchzugskraft fehlt es kein bisschen, 14,9 Sekunden im obersten, dem 5. Gang von 50 auf 100 km/h offenbaren beste Diesel-Tugenden.

          Kaum stylingbedingte Attacken

          Doch bis zu der Laufkultur, die viele europäische Selbstzünder längst erreicht haben, gibt es bei Hyundai auf den Baustellen Geräusch- und Schwingungsdämpfung noch viel zu arbeiten. Unterhalb von 1500 Umdrehungen je Minute - für einen Diesel ein ganz normaler Bereich - läuft der Motor so rauh und brummig, dass nicht einmal der 4. Gang im Stadtverkehr für akustischen Komfort sorgen kann. Andererseits nervt kurz vor 4000/min ein unangenehmes Dröhnen, und jenseits davon wächst die Lautstärke auf ein wenig erträgliches Maß, während es mit dem Beschleunigen nur noch zäh vorangeht; schon bei 4700/min wird dann abgeregelt. Fahrer und Insassen werden also nicht gerade verwöhnt von diesem Accent, und wäre da nicht seine beispielhafte Sparsamkeit - unser Durchschnitt, den der Bordcomputer erfreulich präzis dokumentierte, errechnete sich mit 5,6 Liter je 100 Kilometer -, würden wir ohne Zögern zu den Benziner-Versionen mit 1,4 und 1,6 Liter Hubraum raten.

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