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Fahrtbericht Hyundai Accent 1.5 : Die Bescheidenheit zwischen den Stühlen

  • -Aktualisiert am

Der Accent wird in Deutschland als Stufenheck mit vier Türen und als Schrägheck-Zweitürer angeboten. Nur bei dieser Karosserieform, die im Verkauf bei weitem dominiert, hat man die Wahl zwischen allen drei Motoren. Auch im Design ist sie die interessantere der beiden, ohne wirklich aufregend zu sein. Immerhin hat man kaum stylingbedingte Attacken auf die Funktionalität zu befürchten. Die Übersichtlichkeit und der Einstieg nach vorn verdienen sich überdurchschnittliche Noten (nach hinten gelangt man nur von rechts mit Anstand, da dort der Vordersitz beim Lehnenklappen nach vorn rückt), das Armaturenbrett ist frei von gestalterischen Loopings, die Instrumente sind tadellos ablesbar und beleuchtet. Bezüge und Verkleidungsmaterialien wirken robust, doch die verwendeten Kunststoffe müssten unbedingt kratzfester sein.

Die Bremsen könnten besser sein

Groß gewachsene Fahrer sitzen nicht ideal, die Oberschenkel finden auf den etwas schlaff gepolsterten Sesseln keine ausreichende Stütze. Hinten ist der Knieraum klassengemäß knapp, die Kopfhöhe - wie auch vorn - reichlich. Für drei Erwachsene genügt die Breite allerdings kaum. An Ablagen mangelt es nirgends, und auch die passive Sicherheit wurde, mit sechs Airbags und zwei Isofix-Kindersitzhalterungen, angemessen berücksichtigt. Der Gepäckraum ist nicht größer als beim zehn Zentimeter kürzeren VW Polo (270 Liter, der Viertürer bietet 390 Liter). Erweitert man ihn mit Umlegen der ungleich geteilten Lehne auf rund 950 Liter, entsteht eine 10 Zentimeter hohe Stufe im Boden. Beim Beladen ärgert man sich über dreierlei: Die Heckklappe schwingt nicht weit genug nach oben, es fehlen die Verbindungsschnüre zwischen ihr und der Abdeckung, so dass man diese immer von Hand hochklappen muss, und die Ladekante ist außen wie innen so unfreundlich hoch, dass das Darüberheben der Koffer zur Last wird. Mit 400 Kilogramm unzureichend ist die Zuladung, beruhigend dagegen die Anwesenheit eines normalbereiften Reserverads.

Nicht nur dank des temperamentvollen Motors fährt man mir dem Diesel-Accent recht locker durch die Landschaft. Die Lenkung fordert nur geringe Haltekräfte - in Kurven fast zu geringe - und verhilft zu einem parkhausgerecht engen Wendekreis, die Schaltung flutscht wie von allein. Nachts wird die Fahrfreude durch das nur mäßige Licht der H4-Scheinwerfer eingeschränkt. Wenig Gefallen findet auch, dass das ESP 600 Euro Aufpreis erfordert. Unser Wagen hatte es nicht: So musste der Fahrer selbst darauf achten, dass die Traktion der Vorderräder nicht überfordert und die mitunter deutliche Lastwechselreaktion in Kurven rechtzeitig ausgebügelt werden. Im Normalfall verhält sich der Accent freilich folgsam untersteuernd, nur auf Nässe drängt sein Bug eigenmächtig nach außen. Nicht voll überzeugend ist die Bremsanlage. Die Spurhaltung beim vollen Verzögern könnte besser sein, und bei stärkerer Beanspruchung wachsen Pedal- und Anhalteweg gleichermaßen. Der Federungskomfort provozierte dagegen kaum Kritik. Ein bisschen Schaukeligkeit, gewiss, doch werden selbst grobe Stöße gut und mit wenig Poltern pariert und rauher Untergrund ausreichend absorbiert.

Vielleicht doch allzu bescheiden

So zeigt sich der Accent als zwiespältiges Wesen. Auf der Sonnenseite steht seine gute Serienausstattung, zu der die Klimaanlage ebenso gehört wie elektrisch einstell- und heizbare Außenspiegel, Nebelscheinwerfer, Zentralverriegelung mit Funk-Fernbedienung, getöntes Glas und Radiovorbereitung mit sechs Lautsprechern. Aus dem kurzen Aufpreiskatalog - darin neben dem ESP das Schiebedach (720 Euro) und ein Comfort-Paket mit einer Klimaautomatik als wichtigstem Inhalt (610 Euro) - war unser Wagen nur mit der Metallic-Lackierung (420 Euro) und dem sehr empfehlenswerten CDNavigationsradio Becker Indianapolis Pro (799 Euro) bedacht worden.

So kamen rund 18.500 Euro zusammen, aufgewertet durch eine dreijährige Garantie, doch mit der Hypothek einiger unausgereifter technischer Details und mancher erkennbarer Resultate unverhohlenen Sparwillens. Wer europäischen Charme sucht, wird dem nüchternen Koreaner kaum verfallen. Und wer Bescheidenheit demonstrieren möchte, wird ihn trotz guter Ausstattung vielleicht doch allzu bescheiden finden. So sitzt der Accent zumindest hierzulande zwischen den Stühlen - doch das ist allemal besser, als gar nicht am Tisch dabei zu sein.

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