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Fahrtbericht : Eine Frage des Charakters

  • -Aktualisiert am

Als Kombi mit Allradantrieb ist der 330 touring der Vorbote des kommenden X3-Geländewagens Bild:

Der Erfolg hat viele Väter. Beim 3er von BMW liegen drei Gründe auf der flachen Hand: Er ist ein BMW, seine Modellreihe ist die Vielfalt auf Rädern, und er hat - das ist vielleicht die wichtigste Eigenschaft - menschliche Maße.

          Der Erfolg hat viele Väter. Beim 3er von BMW liegen drei Gründe auf der flachen Hand: Er ist ein BMW, seine Modellreihe ist die Vielfalt auf Rädern, und er hat - das ist vielleicht die wichtigste Eigenschaft - menschliche Maße. Er ist zum Allgemeingut geworden, ohne seine Besonderheit aufzugeben. Der 3er sitzt wie eine auf Maß geschneiderte Lodenjoppe, und man kann sie jederzeit tragen. Quasi eine Jacke mit mehr Taschen ist die Touring-Variante (vulgo Kombi, aber eigentlich eher ein Ausweis für Lebensgefühl), und hiervon wiederum gibt es eine Version für rustikalere Bedürfnisse: Der 330xi kommt mit Allradantrieb für 38450 Euro und fährt zusammen mit den schwächeren Brüdern 325xi (34950 Euro) und 330d (37150 Euro) in der wenig erfolgreichen Spur älterer xi-Bemühungen von BMW.

          Die Einbeziehung der Vorderräder in die Traktionsarbeit machte umfangreiche Änderungen im Vorbau nötig, gleichzeitig wurden Spur und Sturz sowie die Abstimmung des Feder-Dämpfer-Systems geändert. Außerdem erhöhte sich die Bodenfreiheit um 17 Millimeter. Dadurch wird der 3er nicht zum Geländewagen, aber auf dem Weg zur Frau des Försters kann das durchaus hilfreich sein. Angetrieben werden die vier Räder immer mit der gleichen Kraftverteilung, 38 Prozent des Moments nimmt die Vorderachse auf, der Rest geht an die Hinterräder. Statt Sperrdifferentialen kümmert sich wie im BMW X5 ein automatisch eingreifendes System zum Abbremsen durchdrehender Räder um die Erhöhung der Traktion. In der Summe resultieren daraus nicht nur ein höheres Leergewicht von etwa 110 Kilogramm, sondern auch Veränderungen im Charakter des Wagens.

          Das beginnt beim Fahrverhalten, führt hin zu Motor und Verbrauch und wirkt sich aus auf den Fahrkomfort. Die beste Eigenschaft des 3er-BMW ist wohl seine Agilität, dieses spontane Reagieren auf Wünsche des Fahrers, beinahe noch bevor dieser sie überhaupt erkannt hatte. Der xi-3er wirkt deutlich behäbiger, nicht gerade schwerfällig, aber doch mehr mit den Eigenschaften vom "Typ schwerer Wagen" agierend. Die Kurven lassen sich nicht ganz so präzise durch-

          eilen, das zusätzliche Gewicht auf der Vorderachse führt zu einem untersteuernden Beharren, das man von einem 3er nicht erwartet. Zudem leidet der Geradeauslauf offensichtlich unter dem Allradantrieb. Unvermittelt und ohne äußeren Grund treten lästige Längsmomente auf, das Auto scheint um die Längsachse zu schwimmen, für Bruchteile von Sekunden nur, aber besonders beliebt waren diese Bewegungen bei uns nicht. Auf kritischem Untergrund überzeugt der xi durch gute Traktion, er kommt noch da voran, wo hinterradgetriebene 3er wohl die Segel streichen müßten. Beim Rangieren auf trockener Straße sind mechanische Geräusche zu hören, negative Auswirkungen haben wir nicht registriert.

          Der starke Motor wirkt rauher, lauter, und die einstige, turbinenhafte Geschmeidigkeit ist dem großen Sechszylinder abhanden gekommen. Natürlich sorgt er mit 170 kW (231 PS) und einem maximalen Drehmoment von 300 Newtonmeter für ausgezeichnete Fahrleistungen. Der Verbrauch erscheint uns zu hoch. Gut dimensioniert ist die Anhängelast mit 1800 Kilogramm.

          So bleibt auch hier der Allradantrieb die Antwort auf sehr spezielle Fragen. Besonders im Winter könnte der 330xi seine Stärken ausspielen. Mit guten Winterreifen, einem Sperrdifferential hinten und etwas fahrerischem Geschick kommt aber auch ein konventioneller 3er gut voran. Und wer die völlige Wintersicherheit will, für den hält BMW jetzt den X5 und künftig den X3 bereit. Auch keine schlechte Alternative zu einem 3er mit Allradantrieb, der nicht mehr die Erfolgsstärken dieser Baureihe in Reinkultur aufweisen kann.

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