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Fahrtbericht : Crossover gibt es auch beim Motorrad

Macht was her: Aprilia RSV Millle Tuono Bild: Boris Schmidt

Crossover ist zur Zeit Mode bei Autoherstellern. Aprilia hat nicht lange gewartet und die Idee aufs Motorrad übertragen.

          Crossover ist zur Zeit Mode bei Autoherstellern. Aprilia hat nicht lange gewartet und die Idee aufs Motorrad übertragen. Basis war das Supersportler-Modell RSV 1000, an dem man einfach die Verkleidung weggelassen und einen breiten Lenker montiert hat, außerdem wurde der Motor im mittleren Drehzahlbereich etwas modifiziert, ohne jedoch die Grundcharakteristik des V2-Sporttriebwerks anzutasten: Fertig war die RSV Mille Tuono.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Erster Eindruck: 92 kW (125 PS) aus einem Liter Hubraum fühlen sich aufrecht sitzend entschieden anders an, als geduckt auf einem Supersportler. Ganz kraftlos im unteren Drehzahlbereich ist die Tuono (Donner) zwar nicht, aber die geballte Power drückt sie erst von 8000 Umdrehungen in der Minute an aufs Hinterrad. Wer nicht aufpaßt und in den unteren Gängen einfach Vollgas gibt, muß sich mit einem steigenden Vorderrad auseinandersetzen. Vielleicht um vor diesem Problem zu warnen, flackert im Drehzahlmesser schon von 6000/min an eine kleine Warnlampe, die ans Hochschalten erinnert. Das Lämpchen ist in der Einfahrtzeit auf 6000/min eingestellt, später kann man sich die Warnung auch bei höheren Drehzahlen anzeigen lassen. Auf der Rennstrecke soll man so den Blick auf den Drehzahlmesser sparen. Wer die Aprilia hundertprozentig beherrscht, kann sie in nur drei Sekunden von 0 auf 100 km/h bringen.

          Trotz des großen Lenkers läßt sich die Aprilia auch in engen und kleinen Kurven sicher pilotieren, die gefühlte Seitenlage ist aufgrund des aufrechten Sitzens sehr groß. Die Brembo-Bremsen sind nicht zu bissig und lassen sich gut dosieren, ein ABS wird nicht angeboten.

          Wer gern herumprobiert, wird mit der Federung der Tuono seine Freude haben. Sowohl die Showa-Upside-Down-Gabel als auch das Sachs-Boge-Zentralfederbein sind mannigfaltig verstellbar. Eine straffe Einstellung empfiehlt sich für eher sportliches Fahren und für den Betrieb mit zwei Personen. Allerdings sitzt ein Sozius auf der zweistufigen Sitzbank mit angewinkelten Beinen unbequem - das Sportmotorrad läßt grüßen.

          Was die Tuono überhaupt nicht mag, ist Stadtverkehr. Plötzlich spürt man, daß die Kupplung doch sehr viel Handkraft braucht, und das ständige Suchen nach dem Leerlauf nervt. Sonst läßt sich das Sechsganggetriebe sehr gut bedienen, die beiden oberen Gänge sind niedriger als 1 untersetzt, dennoch liegen bei Tacho 160 km/h schon 6000/min an, und die rote Lampe beginnt zu flackern. Schneller geht es natürlich auch: Der aufrechte Ritt auf der Autobahn wird aber von 200 km/h an zum Kampf mit den Elementen. Angeblich sind 245 km/h möglich.

          Fürs sture Tempobolzen auf dem grauen Asphalt ist diese Aprilia sicherlich nicht gedacht. Angesprochen wird der extrovertierte Motorradfahrer, der das Besondere sucht. Und das bekommt er für 10 999 Euro gewiß geboten. Auf der Landstraße kann die Tuono alles, was ihre Schwester RSV 1000 kann, nur macht es manchem aufrecht sitzend mehr Spaß. Dazu ist das Design stimmig und verkraftet sogar Ungewohntes wie rote Felgen. Um die Abgase kümmert sich ein ungeregelter Katalysator im dicken 2-in-1-Auspuff. Über einen fehlenden Hauptständer sollte man großzügig hinwegsehen, das muß man leider meistens bei den Instrumenten, die sind nämlich schlecht bis gar nicht abzulesen (außer nachts). Bleibt der Verbrauch: Wir notierten 7,2 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer, dank eines 18-Liter-Tanks ist die Reichweite noch akzeptabel.

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