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Fahrtbericht-Bilanz 2006 : Noch nie waren die Autos so gut wie heute

Nicht nur Rolls-Royce glänzte 2006 mit seinem Phantom Bild: AFP

Das Jahr der Fähnchen endet mit einem Kantersieg für Neuwagen. Auch ist der moderne Diesel auf dem Weg zum Standardantrieb. Boris Schmidt blickt in einem FAZ.NET-Spezial zurück und gleichzeitig voraus. Und eins ist klar: Vor unserer Liebe zum Auto sind alle gleich.

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          Das Autojahr 2006 war aus deutscher Sicht keines wie jedes andere. Zum ersten Mal schmückten sich viele, viele Vehikel Mitte des Jahres mit Fähnchen, meist schwarzrotgold, aber am Ende triumphierte Grün-Weiß-Rot. Schwamm drüber. Und zum letzten Mal galt ein Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent, was zum Jahresende einen deutlichen Kaufanstieg brachte und verkaufstechnisch den besten November aller Zeiten. Wahrscheinlich folgt noch der beste Dezember. Von nächster Woche an werden Autos abermals teurer, wobei Experten eine weitere Erosion der Listenpreise erwarten. Dennoch kosten neue Autos inzwischen selbst mit dem größten Nachlaß empfindlich viel Geld.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Darüber klagen wir seit Jahren regelmäßig und vergessen, daß Autos heute um Längen besser sind als früher. Vor 30 Jahren wäre heutige Technik, genannt seien nur ABS, ESP, Airbags, Katalysator oder Navigation, schlicht unbezahlbar gewesen. Und die Autos 2006 fahren nicht nur besser, sicherer und schneller als 1976, sie haben zudem eine wesentlich höhere Langzeitqualität, sprich, sie gehen viel weniger kaputt. Das mag der eine oder andere nicht glauben, aber es ist eine erwiesene Tatsache. Ein Ölwechsel alle 5000 Kilometer gehört längst der Vergangenheit an, der neue Opel Corsa muß alle 30 000 Kilometer zur Wartung. Nur weil sonst die Werkstätten gar nichts mehr zu tun hätten, ist ein jährliches Intervall vorgeschrieben.

          Warum hat man es gekauft?

          Für diese Redaktion, die sich schon seit Ende der sechziger Jahre systematisch mit den automobilen Neuheiten befaßt - und mit Motorrädern, Wohnmobilen, Booten, Flugzeugen, Fahrrädern und Wohnwagen -, wird die Arbeit durch immer bessere Autos nicht leichter. Im Gegenteil. Immer schwieriger wird es, funktionale Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen der Automarken herauszufiltern, immer mehr Gewicht bekommt das Fühlen - wie faßt sich ein Auto an, wie wirkt es auf seinen Piloten und seine Crew, welche Botschaft transportiert es, kann man sich darin sehen lassen, oder muß man sich ständig rechtfertigen, warum man es gekauft hat?

          Bei der Auswahl der Fahrzeuge, die mit großen oder kleineren Fahrtberichten in dieser Zeitung gewürdigt werden, geht die Redaktion selbstverständlich nicht willkürlich vor, sondern gewichtet in der Regel nach Marktpräsenz und Nachrichtenwert. Vereinfacht gesagt: Wenn der neue VW Golf erscheint, muß alsbald ein großer Fahrtbericht ins Blatt. Die wichtigsten Autos rasch sofort nach ihrem Debüt in den Fuhrpark zu holen, ist nicht einfach, aber es gelingt uns meistens. Daß auch einmal ein Rolls-Royce Phantom gefahren werden darf, sei dem übergeordneten Interesse an der Marke geschuldet. 385 000 Euro sind ein schönes Sümmchen, aber mitunter liest man sich vielleicht auch gern in einen unerschwinglichen Wagen hinein. Und wer ihn kaufen will, darf erfahren, was wir von ihm halten.

          Vor unserer Liebe sind alle Autos gleich

          Ein Rolls-Royce kann zu den Höhepunkten eines redaktionellen Autojahres zählen, aber vor unserer Liebe zum Auto sind alle gleich. Er ist eine Ausnahme wie Porsche Carrera GT oder Ferrari Scaglietti, die wir für die Serie "Im Grenzbereich" aus anderem Blickwinkel betrachteten. Der Alltag ist Kia Picanto, Renault Clio und VW Jetta, gewürzt mit Porsche Cayman, BMW Z4 und Audi TT Coupé. Zugegeben, Autos mit Erlebnisanspruch fahren wir ein wenig öfter als jene, bei denen es wirklich nur um das Fahren von A nach B geht. Aber auch das kann seinen Reiz haben. Mehr als 100 Fahrtberichte sind im vergangenen Jahr in "Technik und Motor" erschienen, dazu erprobte die Redaktion 26 Motorräder, fünf Motorroller, bewegte sechs Reisemobile und nahm fünf Caravans an den Haken. Stets versuchen wir dabei, Stärken und Schwächen der Probanden im Alltagseinsatz zu ergründen; als Faustregel gilt bei den Autos eine zurückzulegende Distanz von 2000 Kilometer, die fast immer eingehalten wird. Ein bestimmte Runde im Taunus fahren wir mit jedem Wagen.

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