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Fahrt mit dem Caterham : Ein Rennwagen im Oldtimer-Gewand

Bild: F.A.Z.

Naturbelassene Autos sind selten geworden. Wenn man auf alles verzichtet, was nicht unbedingt gebraucht wird, kann das richtig Spaß machen.

          Die meisten Autos bleiben ungeküsst, aber manche sind nah dran. An der Tankstelle streichelt ein junger Mann zärtlich über die Rundungen des Caterham und redet in einer Sprache auf den Fahrer ein, die wir aus dem Balkan vermuten. Daumen hoch und freundliche Gesichter, das kennt er, denn sein Vehikel sieht knuffig aus wie eine Kreuzung aus Oldtimer und Rennwagen.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wenn aus der Zuneigung keine Liebe wird, könnte das daran liegen, dass der Mensch davorsteht und nicht weiß, wie er hineinkommen kann. Mit montiertem Verdeck muss ein Schlitz von 40 Zentimeter Höhe reichen, durch den er sich zusammenfaltet. Kurt Hoffmann, der den Caterham importiert, kennt den Knick: rechtes Bein in die Röhre, Hintern neben der Bordwand bis fast auf den Boden - da landet er am Ende ohnehin. Dann den Kopf hineingefädelt, Allerwertesten nachplumpsen lassen und irgendwie das linke Bein hinterherziehen. Kann bis eins fünfundachzig klappen. Warum hat das Ding denn Schalensitze, links klemmt die Wand und rechts der Mitteltunnel? Den Ellenbogen heraushängen zu lassen ist auch nicht zu empfehlen, er könnte am Boden schleifen. Während also alles irgendwie in die Aluhülle gequetscht wird, erzählt Hoffmann, dass der Caterham mit dem Defender von Land Rover viel gemeinsam hat.

          Mit dem Landy? Ja, sagt er, früher habe er Land Rover verkauft. Beide sind von der Insel. Sie bestehen aus Aluplatten, die von Nieten zusammengehalten werden, die Sitzposition ist grausam. Als Gebrauchtwagen sind sie entsetzlich teuer, und beide braucht hierzulande kein Mensch. Sagt er. Aber beide machen eine Menge Spaß, jeder auf seine Weise. 122 PS im Dicken, 131 im neuen Caterham 275 aus einem 1,6-Liter Motor vom Ford Sigma. Das klingt nach gerade ausreichenden Fahrleistungen und langweiliger Familienkutsche. Die braucht freilich kein Lenkrad von der Größe eines Desserttellers und drei Zentimeter Schaltweg.

          Der Caterham lebt von kompromisslosem Leichtbau Bilderstrecke

          Der Caterham ist in diversen Generationen der Nachfolger des Lotus Seven. Dessen Erfinder Colin Chapman folgte Ende der fünfziger Jahre der Philosophie, alles wegzulassen, was nicht unbedingt gebraucht wird, den Rest so leicht wie möglich zu bauen und seinem Rennwagen für die Straße dann einen Allerweltsmotor einzupflanzen. Lotus beendete 1972 die Herstellung des Seven, der Händler Graham Nearn kaufte die Rechte und baute das Auto unter dem Namen Caterham Seven nach dem gleichen Grundsatz weiter. Dessen Liebhaber sind in einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, sie treffen sich an Rennstrecken. Seit vier Jahren gehört Caterham dem malayischen Unternehmer Tony Fernandes, der sich bis zum vergangenen Jahr in der Formel 1 versucht hat, wenngleich ohne Erfolg.

          Die Caterhams mit Straßenzulassung sind davon unberührt, das von uns gefahrene Exemplar kann sogar als Komfortvariante durchgehen - etwas länger, mit einer Windschutzscheibe, Wabbeltüren, Schlechtwetterverdeck und kleinem Kofferraum, in dem es sich verstauen lässt. Zubehör für Warmduscher, es gibt ihn auch ohne solchen Schnickschnack. Fahrbereit wiegt der 275 nur 540 Kilogramm, also weniger als ein Drittel des Defender. Oder andersherum: Jener müsste gut 400 PS haben, um ähnlich flott voranzukommen.

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