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Fahrschule für Kinder : Mit elf Jahren einen Land Rover steuern

Bild: F.A.Z.

Wer mindestens 1,42 Meter misst, darf das Steuer übernehmen: Jaguar und Land Rover haben ein Fahrertraining für Elf- bis Siebzehnjährige ins Leben gerufen. Mit einer Sache haben die Jüngsten besondere Schwierigkeiten.

          Das Hochfeld ist heute bebaut mit, Makler würden sagen, schnuckeligen Einfamilienhäusern. Damals war die Gegend ein schöner Spielplatz, wenn auch in anderer Art, als sich das die gemeinen Eltern jetzt vorstellen mögen. Die Zeiten waren in diesen abseits befestigter Pfade stattfindenden Dingen weniger strenge, aber natürlich war es Mitte der siebziger Jahre auch schon verboten. Dem Feldschütz zu begegnen wäre ebenso unangenehm geworden wie ein Treffen mit der streifenden Polizei, doch beides blieb aus, und es kam niemand zu Schaden, auch das Blech nicht. Auf dem Schoß des Vaters machte der Junior erste Übungen am Lenkrad eines von sagenhaften 34 PS befeuerten VW Käfer auf einem Feldweg. Weil die Beine nicht bis zum Pedal reichten, stand zunächst nur Lenken an.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Später, also im komplett fahrfähigen Alter von neun Jahren, klappte das Zusammenspiel von Kupplung, Schaltung, Bremse, Gas und Lenkung selbständig, und es ist der von entschlossenem Mut zeugende Satz überliefert: „Jetzt gebe ich mal richtig Gas.“ Die Tachonadel verharrte dabei um 40 km/h. Die Zeit bis zum Führerschein mit 18 Jahren war eine voller Ungeduld, doch mit Grundkenntnissen in der Fahrschule anzutreten, erwies sich als vorteilhaft für Nerven und Portemonnaie.

          Selbstredend traut sich heute niemand mehr, mit den Kids auf dem Feldweg oder sonntags auf dem Supermarktparkplatz zu üben, aber falls es doch schon in den jungen Fingern juckt, haben Jaguar und seine matscherprobte Schwester Land Rover eine wohl einzigartige Idee. Der britische Autohersteller hat ein Fahrertraining für Elf- bis Siebzehnjährige ins Leben gerufen. Wer mindestens 1,42 Meter misst, darf hinter dem Lenkrad eines Geländewagens Platz nehmen, ein Erziehungsberechtigter muss dabei sein. Im SUV von Jaguar wird das Grundvertrauen auf Asphalt eingeübt, im Land Rover das in Steine und Erden.

          Kinderleicht: Wer mindestens 1,42 Meter misst, darf das Steuer übernehmen. Bilderstrecke

          100 Kinder seien schon an Erfahrung und Erlebnis reicher geworden, sagt Akademie-Leiter Lutz Rathmann, und weil die Nachfrage hoch bleibe, verdoppele der Hersteller demnächst sein Angebot. Bislang sind ein Jaguar F-Pace und ein Land Rover Discovery Sport im Dienste der Kids unterwegs. 150 Euro kostet der Kurs für das erste Kind, zwei Kinder kosten zusammen 200 und drei 225 Euro. Der Instruktor will bezahlt sein, danach kommen nur noch die Zuschläge für die Versicherung zum Tragen. Für das liebe Geld gibt es 90 Minuten Training unter professioneller Anleitung, und wer das für wenig hält, der muss den Kindern danach in die Augen schauen. Oder, wie es einer der Trainer ausdrückt: Das war jetzt ganz schön viel Input.

          An diesem Samstagvormittag setzen sich der 16 Jahre alte Jacques und die 13 Jahre alte Nora auf den Fahrersitz im Land Rover Experience Center Wülfrath, worunter man sich einen Parkplatz mit Pylonen und einen Steinbruch vorstellen muss. Er hat schon mal auf abgesperrtem Gelände geübt, sie hat noch nie ein Lenkrad in der Hand gehabt. Er ist gespannt, sie vor allem aufgeregt. Als Erstes lernen beide: Es geht nicht um Geschwindigkeit, schon gar nicht um Show, es geht um Fahrzeugbeherrschung, darum, eins zu werden mit der Maschine. „Bist du schon mal Kart gefahren?“, fragt der Instruktor. Ja, klar ist das der junge Mann, Outdoor natürlich mit Vollgasgeraden, schnellen und engen Kehren, Drifts und Überholmanövern, mit dem linken Fuß bremsen und rechts Gas geben. Das kann er hier sogleich vergessen. Aber die Erfahrung am Steuer ist unübersehbar hilfreich.

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