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Fahrräder : Ein Stilrad muss kein Retrorad sein

  • -Aktualisiert am

Damit kann sich jeder sehen lassen: Ein aktueller Pashley Guv`nor mit Schutzblechen Bild: FAS

Man könnte natürlich Lifestylebike sagen. Aber warum? Stilrad trifft den Charakter der schicken urbanen Fahrräder doch ganz gut. Und es muss nicht immer Retrostil sein.

          Außer den immer mehr werdenden Elektrofahrrädern, die vor allem auf dem Land zu beobachten sind, fällt – und das fast ausschließlich in der Stadt – noch eine andere Gruppe von Fahrrädern in diesem Frühjahr gehäuft auf. Sie sind entweder alt, oder sie sehen so aus, und wir wollen sie Stilrad nennen. Es geht bei ihnen nicht darum, ob sie echte Antiquitäten oder fabrikneue, auf Klassiker gestylte Räder sind. Aber es geht um ihr Aussehen; mehr als alles andere ist der Chic wichtig. Sportlichkeit und praktischer Nutzen stehen hintan. Nehmen wir zum günstigen Einstieg bei etwa 600 Euro das York von Felt Bicycles. Die Amerikaner als Entwerfer haben dem Rad spendiert, was in den Vierzigern des vergangenen Jahrhunderts im Vereinigten Königreich up to date gewesen sein mag: natürlich einen Stahlrahmen, gehämmerte Schutzbleche und einen „Skip-tooth chainring“, ein Kettenblatt mit Zahnlücken, von dem aus die Kette auf ein einsames Single-Speed-Ritzel trifft, wahlweise starr oder mit Freilauf. Die Seitenzugfelgenbremsen, die Rahmenform und das Leder, das kein Leder ist, passen allerdings nicht so recht ins Bild. Das Rad ist eben nur ein Lookalike, aber dafür günstig.

          Ein echter Blickfang

          Wer ein unverkäufliches Original sehen will, kann sich zu den Radgebern mitten in Mainz aufmachen: Da haben Andreas Ehrhardt und Katharina Schleifenbaum ein Prachtstück von Pashley, ein limitiertes Sondermodell des Guv’nor im Laden stehen. Wer sich mit dem Rad in die Stadt begibt, wird zum Star: Die Leute bleiben stehen und wollen wissen, wie alt, woher und wohin. Ähnlich ergeht es einem mit einer echten, vor allem einer liebevoll restaurierten Antiquität. Die Mühe lohnt sich. Ein klassisches Cinelli-Rennrad, aufpoliert, zieht in diesem Frühjahr mehr als jedes süße Hundchen. Apropos: Frau fährt dabei Diamant-Rahmen, also, was man so Herrenrad nennt.

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          Ein aktuelles Rad einer echten, für Handarbeit und bewahrten Stil bekannten Traditionsmarke wie Pashley, wo man mit dem Guv’nor dieses Jahr von 1300 Euro an dabei ist, gefällt allerdings auch. Das Model, das den edlen Briten halten durfte, war jedenfalls ganz hingerissen. Wer Sinn für etwas mehr Bling-Bling hat, wird bei Böttcher mit dem Metro Street (von 1350 Euro an aufwärts) oder dem StVZO-konform aufgerüsteten Modell Metro Road (von rund 1750 Euro an) fündig: Zum Niederknien schöner Rahmenbau mit verchromten Muffen und Anlötteilen, echtes Leder für Hände und Po und mit einem Fahrverhalten, das einen nur eins denken lässt: Ja, die haben es damals doch verstanden. Wer lesen kann, hat wohl begriffen, dass das alte Herz des Verfassers zuerst für eine Antiquität und an zweiter Stelle für einen perfekten Nachbau schlägt. Den kann man vollendet vom sahnehellen Reifen bis hin zum ganz fein, aber beständig mitvibrierenden Metallschutzblech von Pashley bekommen, ganz einfach, weil die nie etwas anderes gemacht haben. Und Böttcher ist schlicht und ergreifend ein perfektes Retrorad gelungen, fabrikneue Klassik. Nun aber muss die Verfasserin energisch dem Eindruck entgegentreten, ein Stilrad für die Stadt müsse in diesem Frühjahr alt sein oder wenigstens alt aussehen. Es geht auch anders.

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