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Fahrradschaltung im Test : Funk im Getriebe

Feltversuch: Das AR 1 hat nur noch Züge für die Bremsen. Bild: Holger Appel

Als erster Hersteller der Welt schafft Sram die Kabel zur Schaltung ab. Ist damit das Ende des Bowdenzugs besiegelt? Wir bringen ein Rennrad von Felt in Gang und staunen nicht schlecht.

          5 Min.

          Vor fast 120 Jahren hat Ernest Bowden seinen berühmten Seilzug erfunden. Am Fahrrad ist er seither nicht wegzudenken. Seit Generationen werden von ihm Bremsbacken an die Felge gezogen und die Kette über Zahnräder geschickt. Die erste Aufgabe übernehmen immer öfter ölbefüllte Schläuche. Und auch mit der zweiten ist es nun vorbei. Der amerikanische Hersteller Sram bringt die erste Funkschaltung, die ohne Kabel auskommt. Sie ist irrsinnig teuer, aber spektakulär, ein ästhetischer Gewinn und technischer Meilenstein. Ob sie auch ein Genuss unterwegs ist, haben wir mit dem AR 1 von Felt ausprobiert, einem Aerorad der Spitzenklasse. Das zeigt sogleich, derartige Technik setzt sich wie im Automobilbau von oben nach unten durch.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Wer zur Avantgarde gehören will, muss tief in die Tasche greifen. Das feine Carbonrad mit edlen Zutaten von Schwalbe, Knight oder Zipp und eben Sram erfordert rund 8000 Euro. Es bringt sieben Kilogramm auf die Waage, allein das ist ein Erlebnis. Wer die Möglichkeit hat, sollte es mal anheben, noch besser Probe fahren. Danach spukt es im Kopf. Die Konkurrenz etwa von Specialized hat ähnliche Träume auf zwei Rädern im Angebot, wohl dem, der sich so etwas leisten kann.

          Wer den Preis stemmen kann, steht nun vor der Frage: mit Funkschaltung oder ohne? Sram Red Etap nennt sich die Innovation, die in der Nachrüstung allein mit rund 1500 Euro zu Buche schlägt. In der Schaltung steckt auch deutsches Fachwissen. Sram hat 1997 die Fahrradsparte von Fichtel & Sachs übernommen und betreibt bis heute Entwicklungsarbeit in Schweinfurt. Für den stattlichen Preis entfallen alle Kabel, was dem Rad eine ungewohnte Note verleiht. Manche empfinden es als nackt, andere als clean.

          Akkus sorgen für 60 Stunden Fahrspaß

          Die Sender sitzen im Kopf der Bremsgriffe, je ein Empfänger ist an Umwerfer und Schaltwerk angebracht. Die Sender werden von Knopfzellen versorgt, die unter einer mit drei Schräubchen befestigten Abdeckung hausen. Sie zu lösen ist umständlich, die Manschette will zur Seite gedrückt werden. Zum Glück muss die Batterie dem Hersteller zufolge nur alle zwei Jahre getauscht werden. An Umwerfer und Schaltwerk sind Akkus eingeklinkt, die für mindestens 60 Stunden Fahrt oder 1000 Kilometer gut sein sollen. Wir müssen das glauben. Nach 500 Kilometern und zwei Bergetappen gaben wir das Rad zurück. Die kleinen, schlecht erkennbaren LED im Hebel, die eine Ladestandsanzeige sein sollen, leuchteten zu jenem Zeitpunkt unverdrossen grün.

          Im Bremsgriff sitzt eine Knopfzelle. Der Funkbefehl ergeht per Taste.
          Im Bremsgriff sitzt eine Knopfzelle. Der Funkbefehl ergeht per Taste. : Bild: Hersteller

          Die Schaltkommandos werden mit Tasten an den Bremsgriffen erteilt, in unüblicher Art. Links drücken legt hinten einen niedrigeren Gang ein. Rechts drücken legt hinten einen höheren Gang ein. Wird eine Taste festgehalten, werden mehrere Gänge gewechselt. Beide Tasten gleichzeitig drücken wechselt vorn das Kettenblatt, je nachdem, wo es sich gerade befindet, auf das jeweils andere. Das ist derart simpel und logisch, dass man sich nach fünf Minuten daran gewöhnt hat und nichts anderes mehr haben möchte. Der nächste Schritt der Entwicklung wird wohl sein, dass die Automatik hinten gleichzeitig wechselt, wenn vorn geschaltet wird, wodurch in der Trittfrequenz kein Bruch aufträte.

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