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Fahrradhelme : Mehr als eine Preisfrage

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Little Nutty Hula Lounge Bild: Hersteller

Seit rund 35 Jahren gibt es ihn - den Fahrradhelm im Alltag. Der lederne Sturzring der Radsportler ist freilich älter. Aber immer noch nicht ist der Kopfschutz zur Selbstverständlichkeit für Radfahrer geworden. Ein Überblick.

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          Nichts lesen deutsche Sparbrötchen lieber als die Versicherung der Stiftung Warentest, dass die Würstchen des Discounters aus der gleichen Maschine wie die eines teureren Markenartiklers kommen. Im Fall von Fahrradhelmen haben die Tester schon vor fünf Jahren verkündet: „Mit einem billigen Fahrradhelm riskiert man keineswegs Kopf und Kragen. Radler können so eine ganze Stange Geld sparen.“

          Ganz genau so sieht es aus: Für einen Kinderhelm kann man im Falle des „Mini Pro“ von Casco (“Helme in Premium-Qualität“) beispielsweise rund 49,95 Euro anlegen oder aber im Discount-Baumarkt den eher noch bunteren Kinder-Fahrradhelm von Filmer für 4,99 Euro mitnehmen. Ähnlich enorm sind die Preisunterschiede bei Fahrradhelmen für Erwachsene. Um abermals zu einem Monocoque-Helm von Casco zu greifen: Rund 130 Euro kostet der „E.Motion“, ein Helm, der speziell für die Fahrer von Elektro-Hybridrädern entworfen wurde: Anders als ein Sporthelm sorgt er nicht mit starkem Durchzug vor allem für Kühlung, sondern wegen „Passivklimatisierung“ wird es unter ihm im Sommer nicht arg heiß und im Winter nicht lausig kalt. Außerdem gibt es für den Ganzjahresbetrieb Ohrpolster zum Anklipsen als Zubehör. Der Helm mit hochwertiger Innenpolsterung lässt sich mit seinen Ringen gegen Diebstahl sichern und ist in zwei Größen für Kopfumfänge von 52 bis 57 und 58 bis 62 Zentimeter zu haben.

          Den Fahrradhelm „Sportivo Pro“, baugleich mit dem Cratoni „Heli“ und geschmückt mit einem „Gut“ (2,2) der Stiftung Warentest aus dem Test 2005, hat Aldi Süd unter der Marke Bikemate im April 2008 als „sportlich-leichten Helm mit Größenschnellanpassung, Sicherheit durch Safety-Reflektoren, robuste Helmschale durch Inmold-Verbundbauweise, Insektenschutz, besonders leicht, Einheitsgröße: 53-59 cm“ unters Volk gebracht - für 9,99 Euro.

          Abus Arica Sky blue

          Prüfung nach der Europäischen Norm EN 1078

          Wer nun glaubt, die Entscheidung, mehr Geld für das gute Gefühl von mehr Sicherheit auszugeben, werde ihm von Normen und Prüfsiegeln (einschließlich des sogar beim Weiterverkauf gebrauchter Helme in Ebay stets hervorgehobenen, jedoch reichlich vergebenen „Gut“ der Test-Stiftung) erleichtert, sieht sich getäuscht. Es gibt von CE und Snell B95 über EN 1078, CPSC 16 CFR Part 1203, ASTM F1447 oder Ansi Z 90.4 alles mögliche Zertifizierende in Helmen und auf ihren Verpackungen zu lesen. Aber alles, was als Fahrradhelm bei uns verkauft werden soll, muss eine Prüfung nach der Europäischen Norm EN 1078 bestanden haben. Dabei werden Prüfköpfe mit einer Masse zwischen 3,1 und 6,1 Kilogramm und einem Umfang von 50 bis 62 Zentimeter mit aufgesetztem Helm (Spoiler entfernt) aus einer Höhe von rund 1,5 Meter auf einen flachen Amboss und aus einer Höhe von grob 1,1 Meter auf ein stählernes Dachkantprofil fallen gelassen. Im ersten Fall beträgt die Aufschlaggeschwindigkeit dabei 19,5 km/h, im zweiten 16,5 km/h. Ein im Prüfkopf eingebauter Sensor misst die beim Stoß des Aufschlags auftretende Beschleunigung; sie darf nicht mehr als 250g betragen. Zum Vergleich: In einer Waschmaschine wirken beim hochtourigen Schleudern mehr als 300g auf den Trommelinhalt.

          Ein Fahrradhelm, der diesen Anforderungen genügt, ist nach dem Stand der Prüftechnik ein ausreichend sicherer Kopfschutz. Man kann, wie es die Stiftung Warentest schon vor fünf Jahren getan hat, testen, wie hitzebeständig der Helm ist und ob er - fraglos wichtiger - obwohl korrekt aufgesetzt, beim Aufprall vom Kopf geschoben werden kann, die Reißfestigkeit des Kinnriemens lässt sich messen, und man kann bemängeln, wenn die Luftschlitze kein Fliegengitter haben. Aber so richtig kann all das nicht erklären, warum ein Helm zehn- oder fünfzehnmal so viel wie ein anderer kostet und ein guter Markenhelm immer noch sechsmal so viel wie einer vom Discounter.

          „Little Nutty-Hula Lounge“ ist ein echter Hingucker

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