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Fahrradfahren : Mit Stil durch die Stadt

  • -Aktualisiert am

Ein Gang reicht: Singlespeed York von Felt mit Flip-Flop-Nabe Bild: pd-f

Der Fahrrad-Verkehr nimmt ganzjährig zu. Dies ist vorwiegend ein städtisches Phänomen. Das Aussehen des Fahrrads ist dabei nicht ganz unerheblich. Ein paar Beispiele.

          Junge Frauen auf Rennrädern aus den achtziger Jahren, Büroarbeiter im City-Dress auf - sehr oft - anthrazitgrau mattlackierten Leichträdern: Das Stadtfahrrad taucht nicht nur häufiger im Straßenbild auf. Es hat sich auch gewandelt. Genauer gesagt, hat es sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt zu zwei deutlich unterscheidbaren Arten von Fahrrädern. Übersehen wir mal geflissentlich die klapprigen Möhren, die viele glauben fahren zu müssen, damit ihnen ihr Rad nicht gestohlen wird. Vernachlässigt werden hier auch die stolzen Benutzer gepflegter Antiquitäten, die immer wieder das Gleiche erzählen: dass sie ihr schönes Stück bei Ebay zu einem Preis ersteigert haben, für den sie auch ein neues Rad beim Händler bekommen hätten.

          Zu den fabrikneu im Laden stehenden Stadträdern kommen zu vor allem bequemen und praktischen Fahrzeugen Alltagsfahrer einerseits in wachsender Zahl Stilräder andererseits hinzu. Das sind Räder wie die, denen man immer häufiger in der Werbung für Möbel oder Finanzdienstleistungen, aber auch im „Tatort“ begegnet, Sympathieträger, die nicht immer nostalgisch oder sportlich, aber auf alle Fälle etwas schicker als andere aussehen. Stilräder sollten sie heißen, weil sie weniger mit ihrer Technik, die meist aus biederen Komponenten besteht, sondern mit ihrer Gestaltung punkten. Es sind die Räder, die man nicht vor dem Haus langsam verrosten lässt, sondern die mit in die Wohnung dürfen und dort häufig nicht im Flur stehen, sondern etwa über dem Sofa hängen.

          Ob das beim Aruba von Winora der Fall sein wird, mag bezweifelt werden. Das Rad ist ein Grenzgänger zwischen Alltagstauglichkeit und Eleganz, ein flottes Stilrad für die oder den, die sowieso eher mit Messenger Bag oder Rucksack unterwegs sind als mit einem Körbchen auf dem Gepäckträger. Auf dieses Ausstattungsdetail für den Alltag verzichtet das Aruba nämlich - genauso wie auf ein Schloss. Aber sonst ist für rund 700 Euro alles dran, was man im Stadtverkehr wie auf der Sonntagstour durchs Grüne braucht.

          Alltagstauglicher Chic: Das Aruba von Winora in der Damenversion

          Brandobraun nennt Winora die Farbe des in zwei Rahmenformen und insgesamt acht Rahmenhöhen angebotenen 28-Zoll-Rads. Die Herrenversion mit sachte abfallendem Oberrohr wird, da es sie bis zu niedrigen 48 Zentimeter Höhe gibt, sicherlich auch bei Frauen Gefallen finden. Rahmen und starre Gabel - am Stilrad gibt es keine Federgabel - sind aus Aluminium, das Gewicht wird mit rund 13,5 Kilogramm angegeben. Das Braun des Lacks wiederholt sich heller in den genähten Leder-Handgriffen und auch beim Sattel (Selle Royal Viper). Im Hinterrad arbeitet eine Shimano Nexus 8 als Nabenschaltung, die V-Brakes und andere polierte Aluteile stammen von XLC, die dunkle Kurbelgarnitur von Suntour. Trotz der verschiedenen Herkunft ist das Gesamtbild stimmig.

          Zum echten Hingucker machen das mit eine gesetzeskonformen Beleuchtungsanlage (Shimano-Nabendynamo, LED-Scheinwerfer Trelock, LED-Rücklicht Spanninga, Standlicht) ausgestattete Aruba ausgerechnet Schutzbleche und Reifen. Die schmal geschnittenen Schützer Curana C-Lite sind ein Sandwich aus Kunststoff und Aluminium, die Reifen der Dimension 40-622 kommen von Schwalbe: Cremefarbene Spicer mit Reflexstreifen, todschick, aber mit Pannenschutz.

          Schwalbe ist der Reifenhersteller, der besonders viel Farbe fürs Stilrad im Angebot hat: Das ist jetzt auch wieder beim neuen Century der Fall, einem Reifenmantel, der ausdrücklich aufs retro gestylte Fahrrad zielt. Er wird in drei 28-Zoll-Dimensionen (28-, 37- und 50-622) angeboten, wiegt von 610 Gramm aufwärts, kostet rund 25 Euro und ist außer hundsgewöhnlich ganz in Schwarz auch mit cremefarbener oder grauer Flanke sowie in „British Racing Green“ als veritabler Weißwandreifen zu haben.

          Der Weißwandreifen ist wieder da mit dem Schwalbe Century

          Während das Aruba mit seinen Rahmenformen durchaus signalisiert, ein Stilrad von heute zu sein, macht das York deutlichere Anleihen bei der Vergangenheit, speziell der britischen Fahrradhistorie. Dieses Stadtrad vom kalifornischen Anbieter Felt Bicycles hat einen Stahlrahmen aus konifizierten Chrom-Molybdän-Rohren und nur einen Gang. Der kann dank einer Flip-Flop-Nabe mit zwei Ritzeln und zum Herumdrehen entweder starr oder mit Freilauf gefahren werden. Wahlweise also Fixie oder Singlespeed, bringt das in fünf Rahmenhöhen zwischen 51 und 61 Zentimetern, aber nur mit Diamant-Rahmen für rund 600 Euro zu habende York auch Anleihen aus der Fahrradboten-Welt mit.

          Auffällig ist die Kurbelgarnitur mit dem „Skip Tooth“-Kettenblatt: Die bloß 22 Zähne stehen weit auseinander und wirken beim Kurbeln auf 18 oder 17 Zähne am Ritzel, je nachdem, ob der Freilauf oder der Starrgang benutzt wird. In Abhängigkeit von der Rahmenhöhe variiert die Kurbellänge: 165 Millimeter bei 51 und 54 Zentimetern, bei den drei übrigen Höhen 170 Millimeter.

          Bis auf die Zweigelenk-Felgenbremsen (Tektro) und den flachen Touren-Lenker des knapp 13 Kilogramm wiegenden Rades in edlem „Black Hornet“ mit goldenen Dekorstreifen handelt es sich beim York eigentlich um das modische Ein-Gang-Bike, wie es Felt schon seit einigen Jahren mit dem Modell Brougham auf die Räder gestellt hat. Wenn da nicht der Frontkorb wäre, der das Stilrad zum Stadtrad macht. Das Täschchen am Rahmen, die Zugverlegung mit den Schellen und die Schutzbleche in Hammerschlagoptik sind Nostalgie genauso wie die Reifen mit hellen Flanken. Der Frontkorb verschafft dem Chic etwas Alltagstauglichkeit. Licht, Schloss und vielleicht ein echter Ledersattel sind nachzurüsten, der Fahrspaß ist serienmäßig.

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