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Fahrrad : Ein Fahrrad, das läuft und läuft und läuft und...

  • -Aktualisiert am

All-ride-Räder: Velo de Ville, Patria und Fahrradmanufaktur Bild:

Wer eines der vier Fahrräder aus dem All-ride-Programm fährt, genießt Vollservice und Mobilitätsgarantie auf zwei Rädern wie beim Autohändler.

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          Die Sonne scheint grell, es ist richtig schön warm, und das hessische Ried südlich der Kreisstadt Groß-Gerau ist flacher als das Münsterland. Wenn nicht hier und heute Fahrrad gefahren wird, ja, wo denn dann? Wie auf den Wink eines unsichtbaren Regisseurs rollt Günter Krämer ins Blickfeld: "Beinahe 65" ist er, radelt mit kurz behosten, strammen Beinen und hat nach der Einkaufstour einen Eierkarton auf dem Gepäckträger. Das Modell "Potsdam" von Patria, das er gerade bewegt, hat ihn in den vergangenen zwei Jahren 26000 Kilometer weit getragen. Ja, er radelt täglich. Daheim hat er noch ein Patria stehen - Laufleistung 47800 Kilometer in sechs Jahren.

          Es ist wirklich ein Tag, an dem alles paßt: Günter Krämer ist leibhaftig die Zielgruppe für die All-ride-Räder, die Jürgen Fuchs und Oliver Claus an den Rand des Feldwegs gestellt haben. Die beiden jungen Fachhändler gehören zum Verbund selbstverwalteter Fahrradbetriebe (VSF), der so heißt, weil seine Wurzeln in die Zeit zurückreichen, als unser Außenminister als erstes deutsches Kabinettsmitglied in Turnschuhen vereidigt wurde. Zu dem Branchenverband gehören im 20. Jahr seines Bestehens 200 Mitglieder - 160 Fachgeschäfte in Deutschland und vier im Ausland sowie 22 Hersteller. Hehr sind die Satzungsziele: "eine solidarische, ökologische Ökonomie und eine kundenorientierte Grundhaltung". Sich an dem Kunden Günter Krämer zu orientieren bedeutet ziemlich nüchtern, ihm ein solides Fahrrad anzubieten, das läuft und läuft und läuft und... Oder um es im Stil des großen Vorsitzenden auszudrücken: Von der Automobilindustrie lernen, heißt siegen lernen. Von Mobilitäts- und Langzeitgarantie, im Preis enthaltenen Jahresinspektionen und Vollservice im Zusammenhang mit dem Erwerb eines Fahrrads zu hören läßt sofort an Ähnliches und längst Gewohntes beim Auto denken. "Sie fahren, und wir kümmern uns um den Rest", das klingt nach der Generation All-inclusive, zielt aber auf die älteren Alltagsradler: Die wollen in erster Linie Zuverlässigkeit, sicheres Funktionieren, meint Händler Claus.

          Echter Kundendienst

          Der VSF hat mit seinen Händlern ein auf dieses Ziel ausgerichtetes Pflichtenheft für die Hardware erstellt, und die vier Fahrradhersteller Velo de Ville, Patria, Utopia-Velo und Fahrradmanufaktur bieten nach diesen Vorgaben Modelle zwischen 949 und 2999 Euro (Preise der Basisversionen) an. Eine 27-Gang-Kettenschaltung sucht man bei allen vieren genauso vergeblich wie eine Federgabel. Dafür sind Nabenschaltungen und geschlossener Kettenschutz, Nirosta-Speichen und Nabendynamo samt Sensor-Scheinwerfer Standard. Der Rest, um den sich die mehr als 100 an dem All-ride-Konzept beteiligten VSF-Händler zu kümmern haben, fängt an mit Dingen, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollten (es aber häufig nicht sind): etwa mit dem Anpassen des Rades (Lenkereinstellung, Sattelwinkel) oder dem Austausch des Sattels, "bis Sie sich wohl fühlen". Über die auch anderswo schon mal im Preis inbegriffene Erstinspektion gelangen wir zu den unter Umständen einiges Geld werten zwei Jahren "Vollservice": "Jeden Defekt bringen wir für Sie kostenlos und schnell in Ordnung. Dies schließt auch Reifenpannen mit ein." Kostenpflichtig sind allerdings Fälle von Gewaltanwendung sowie normaler Verschleiß - was ein spannendes Thema sein kann, weil die Meinungen zwischen Kunde und Händler da schon mal gewaltig auseinandergehen können.

          Kettenschutz

          Notdienst rund um die Uhr

          Drei Winterchecks (Einzelpreis derzeit: 39 Euro) sind inklusive, zehn Jahre Garantie gibt es auf Rahmen- und Gabelbruch einschließlich aller Material- und Montagekosten. Interessanter als "10 Jahre kostenlose Kettenschmierung" erscheint der 24-Stunden-Reparaturservice, der allerdings Terminabsprache erfordert, und die Mobilitätsgarantie in der Form, daß man bei länger dauernden Reparaturen kostenlos ein Ersatzrad gestellt bekommt. Bei Pannen auf Reisen gibt es erstens telefonischen Beistand, Ersatzteile werden nachgeschickt, außerdem kann man - wie auch bei einem Umzug - alle Leistungen bei allen All-ride-Händlern erhalten. Schon das ist ein Vorteil angesichts von Händlern, die sich immer noch weigern, Räder, die nicht bei ihnen gekauft wurden, überhaupt in die Werkstatt zu nehmen.

          Unterschiedlicher Charakter, hohe Qualität

          Wir haben drei Räder des All-ride-Programms im hessischen Ried gefahren. Ganz bewußt wurde auf ein Modell von Utopia-Velo verzichtet: Alltagsnutzen und Langlebigkeit gehören so sehr zur Markenidentität der Saarbrücker, daß die All-ride-Räder der anderen Hersteller wie der Versuch wirken, ein Utopia-Rad zu bauen. Das von der Fahrradmanufaktur ist eher sportlich-straff, das von Patria ein flotter Tourer. So wirken die drei All-ride-Varianten, ganz abgesehen von den ausstattungsbedingten Preisunterschieden, in ihrem Charakter durchaus unterschiedlich, Qualität sind sie und Klasse haben sie alle.

          Bezugsquellenhinweise: VSF, Telefon 04941/9919851, Fax 998043, Internet www.vsf-all-ride.de

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