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Motorradführerschein : Scheuer, bleiben Sie dran!

  • -Aktualisiert am

Der Autor bei der Arbeit Bild: Hersteller

Leichtkrafträder ohne Motorradführerschein fahren dürfen? Scheuers Vorschlag hat erwartungsgemäß für Empörung gesorgt. Dabei hat die Idee einiges für sich.

          Schon melden sie sich lautstark zu Wort, die Bedenkenträger, die es mit Freizügigkeit und Eigenverantwortung nicht so haben und den Menschen zunächst einmal für einen Trottel halten. Diese Experten trauen Autofahrern, die mindestens 25 Jahre alt und mehr als fünf Jahre im Besitz des Führerscheins der Klasse B sind, nicht zu, ein höchstens 15 PS leistendes Zweirad sicher zu beherrschen. Selbst dann nicht, wenn fünf Fahrstunden und eine Theorieschulung von jeweils 90 Minuten Dauer absolviert werden.

          Erwartungsgemäß ist Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eine Welle der Empörung entgegengeschlagen für den Vorstoß, Autofahrern das Benutzen von Leichtkrafträdern und -rollern unter oben genannten Voraussetzungen zu erlauben, ohne dass eigens der A1-Führerschein für die 125er-Klasse erworben werden muss. Strategie der Kritiker: Die Idee kurzerhand mit dem Sicherheitsargument totschlagen. Dabei hat sie einiges für sich im Sinne der Stauvermeidung im Berufsverkehr.

          In der ersten Aufregung entstand der Eindruck, hier gehe es um kraftstrotzende Fireblades, Hayabusas und lebensmüde Wochenendraser. Kein Fünfundzwanzigjähriger kauft sich eine schmalbrüstige 125er, um damit die Gegend unsicher zu machen. Worum es im wesentlichen gehen wird, sind sparsame 125er-Roller wie Vespa Primavera, Honda SH 125, Peugeot Belville, in Zukunft auch mehr und mehr um smarte Strom-Scooter wie den Niu oder die Elektro-Schwalbe, die wir in Kürze hier vorstellen werden. Derlei stellt im Berufsverkehr eine Alternative zum Auto dar, anders als die albernen Elektro-Tretroller für hippe Innenstadtbewohner.

          In den Autoführerschein schon bisher eingeschlossen ist die Klasse AM für Zweiräder bis 50 Kubikzentimeter Hubraum. Bloß ist deren auf 45 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit seit langem ein gefährlicher Unfug. Wer mit solch einem lahmen Ding als Hindernis für alle anderen Motorisierten unterwegs ist, wird bedrängt, von Überholenden geschnitten, fühlt sich permanent als Opfer. Die Leichtkrafträder und -roller dagegen, über die nun diskutiert wird, können im Verkehrsfluss mitschwimmen und beim Berufspendeln zudem Distanzen ins Umland der Großstädte überwinden.

          Dass Autofahrer so etwas beherrschen können, ohne in der Fahrschule das ganz große Programm zu durchlaufen, zeigt übrigens das Beispiel der Dreiradroller nach Art des Piaggio MP3. Diese Vehikel unterscheiden sich im Fahrverhalten praktisch nicht von herkömmlichen Zweirädern, dürfen aber, weil sie wegen ihrer zwei Vorderräder als Mehrspurfahrzeuge gelten, auch in Deutschland seit Jahren mit dem Autoführerschein bewegt werden. Von auffälligen Unfallzahlen war noch nie die Rede. Also, einen Versuch ist es wert. Scheuer, lassen Sie sich nicht beirren!

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

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