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Yamaha MT-09 Tracer : Rock ’n’ Roll statt Moll

Seit Yamaha nicht mehr mauert, gibt es attraktive Neuigkeiten wie die Tracer. Bild: Wille

Bei Yamaha ist wieder Musik drin, denn es gibt neuen Mut zu schrägen Tönen. So kommt die Marke mit den gekreuzten Stimmgabeln zurück in die Charts. Der Fahrbericht zur MT-09 Tracer.

          3 Min.

          Wie schnell es gehen kann, dass sich der Klang eines Namens verändert. Gestern noch Moll, heute Rock ’n’ Roll. Yamaha stand bis vor wenigen Jahren für Töne der Tristesse, für Langeweile, die aus einem Mangel an Neuigkeiten resultierte. Dann rafften sie sich auf, schrieben wieder Hits. Jetzt ist die Marke mit den gekreuzten Stimmgabeln zurück in den Charts.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          In der deutschen Zulassungsstatistik katapultierte sich Japans momentan umtriebigster Motorradhersteller von weit hinten auf Rang zwei, gleich hinter BMW. Yamaha fächert breit, reitet erfolgreich auf der Retrowelle, nimmt die wiederentdeckte Freude der Motorradfahrer an Individualisierung durch Umbau-Aktivitäten ernst, hat den Mut zu schrägen Tönen und setzt die Konkurrenz unter Druck durch die Bereitschaft, die Ellbogen einzusetzen. Mit Kampfpreisen wurde das Naked Bike MT-09, gefolgt von der kleineren MT-07, in den Markt gedrückt.

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          Die MT-09 von 2013 markierte den Wendepunkt, ein leichtfüßiges, aufregendes Motorrad für relativ kleines Geld. Ihr 847-Kubikzentimeter-Dreizylinder (115 PS bei 10 000/min, 88 Nm bei 8500/min) erwies sich von Anfang an als famoser Motor mit überzeugender, gleichmäßiger Leistungsentfaltung: Schub von unten, Schub in der Mitte und erst recht oben heraus, wenn er feurig dreht und sehr streng zum Hinterreifen wird.

          Vorbau mit kantiger Verkleidung

          Der gleiche Dreizylinder mit dem sägenden Sound, der die Nullneuner zum Bestseller machte, arbeitet auch in der neuen Version namens MT-09 Tracer. Rahmen, Räder, Bremsen, Auspuff, Schwinge sind ebenfalls identisch. Mit Hilfe einiger Modifikationen rund ums technische Fundament veränderten die Japaner den Charakter ihrer Maschine dennoch gründlich: Vorbau mit kantiger Verkleidung und Windschutzscheibe hinzugefügt, höherer, breiterer Lenker mit Handprotektoren montiert, Tankvolumen von 14 auf 18 Liter vergrößert, Heck verlängert, damit ein Beifahrer mehr Platz vorfindet und Seitenkoffer eingehängt werden können. Windschild und Sitz lassen sich in der Höhe verstellen, eine Traktionskontrolle ist vorhanden.

          Die Tracer-Variante ist 1300 Euro teurer (9595 Euro plus Nebenkosten), ihr Geld aber wert. Sie stellt die erwachsenere, vielseitigere MT-09 dar, bietet eine sportlich-aufrechte Sitzhaltung, mehr Touren- und Alltagstauglichkeit, bringt Hauptständer und Bordsteckdose mit sowie das straffere, harmonischer abgestimmte Fahrwerk. Die Motorsteuerung wurde ebenfalls überarbeitet; der Dreizylinder lastwechselt nicht mehr so derbe, geht geschmeidiger ans Gas.

          Als hätte man eine Dose Red Bull in den Tank gekippt

          Drei Fahrprogramme stehen zur Wahl, und jedes davon hat seine Berechtigung. Der Standardmodus passt fast immer und überall, würde im Grunde reichen. Im A-Modus benimmt sich die Yamaha, als hätte man eine Dose Red Bull in den Tank gekippt, sie tritt direkter, zackiger an, was bei einer Fortbewegung mit gesteigerter Schlagzahl und beschleunigtem Puls den Spaß erhöht. Im B-Modus fühlt sich die Maschine an wie in Halbnarkose - beruhigend, angenehm und nützlich, wenn man in zähflüssigem Stadtverkehr herumdoktert oder bei Nässe unterwegs ist. 5,0 bis 5,6 Liter betrug unser Verbrauch in einer Mischung aus alldem.

          Der klotzige Kasten von Anzeigeinstrument im Cockpit fällt in die Rubrik Geschmackssache; praktisch und informativ ist er auf alle Fälle, bloß passt er nicht zum Stil der dynamisch-spitz gezeichneten Maschine.
          Der klotzige Kasten von Anzeigeinstrument im Cockpit fällt in die Rubrik Geschmackssache; praktisch und informativ ist er auf alle Fälle, bloß passt er nicht zum Stil der dynamisch-spitz gezeichneten Maschine. : Bild: Wille

          Das im Vergleich zur Basis-09 knapp 20 Kilogramm höhere Gewicht der Tracer (laut Hersteller 210 Kilo mit vollem Tank) lässt sich verschmerzen, sie gibt sich ebenso leichtfüßig wie präzise im Lenkverhalten, ein Funbike mit Reisequalitäten, mit dem auch längere Etappen mühelos zu bewältigen sind. Bei Geschwindigkeiten jenseits von 180 km/h allerdings verlässt man allmählich den Wohlfühlbereich, weil es arg laut wird hinter der Scheibe und weil mitunter ein Pendeln einsetzt, wenn Unruhe ins Fahrwerk geleitet wird. Bei 210 wird abgeregelt.

          Angesichts des günstigen Verkaufspreises darf man der Tracer nicht übelnehmen, dass manches Plastikteil nicht vom Allerfeinsten ist. Mehr gestört hat uns das knorrige Getriebe der Testmaschine. Gelegentlich benötigte der Schalthebel einen zweiten Tritt, bis der nächste Gang saß. Die Bremsen überzeugten hinsichtlich Wirkung und Dosierbarkeit, wobei das Antiblockiersystem mit grobem Regelverhalten an vorige ABS-Generationen erinnerte. Und nicht immer wurde beim harten Verzögern ein Abheben der Hinterhand unterbunden. Der klotzige Kasten von Anzeigeinstrument im Cockpit fällt in die Rubrik Geschmackssache; praktisch und informativ ist er auf alle Fälle, bloß passt er nicht zum Stil der dynamisch-spitz gezeichneten Maschine. Doch verabschiedet sich das Digitaldisplay beim Ausschalten der Zündung stets freundlich mit den Worten: „See you next time.“ Gern.

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