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Fiat-Wohnmobil : Im Knaus knarzt und knattert rein gar nichts

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Graue Knaus: Der Sun TI auf Basis Fiat Ducato. Die Inneneinrichtung überzeugt in Form und Funktion. Bild: Monika Schramm

Der Sun TI 650 MEG ist für eine Zweierbesatzung gedacht, die gern viel fährt und üppigen Stauraum braucht. Dennoch hat das Wohnmobil ein kleines Manko.

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          Der Knaus Sun TI 650 gehört zur Spitzenbaureihe des Hauses, und das zeigt er schon von außen, auch mit den bündigen Fenstern und dem dunkelblauen Fahrerhaus, der Außentür mit drei Schließen, die nicht so leicht aufzuhebeln ist. Das sorgfältig komponierte Innendesign nimmt die äußerliche Vorlage auf und präsentiert sich in etwas zurückhaltenden Farben und Formen, aber mit hübschen Kontrasten zwischen den graubraunen Möbeln und den hochglänzenden dunkelbraunen Dachkastendeckeln, die sich bis ins Fahrerhaus fortsetzen; das Hellgrau von Tisch und Arbeitsplatte kehrt wieder in den grau-blau abgesetzten Polstern: eine ruhige Kombination. Alles ist gut verarbeitet und macht einen guten Eindruck.

          Der 650 MEG ist ein auf zwei Personen zugeschnittener Wagen mit Einzelbetten im Heck über einer Fahrradgarage, die mit ihren Maßen diesen Namen auch verdient (und für die wir immer eine zweite Tür auf der Gegenseite ordern würden). Sie ist zudem mit Regalen und Verzurrösen bestückt und die beiden Gasflaschen stehen hier. Schauen wir nach innen: Hinter dem Fahrerhaus steht die großen Dinette mit L-Bank und zusätzlichem Sitz (mit ausziehbarem TV-Monitor dahinter) für eine große Runde, der Küchenblock findet sich links vom Eingang und das Bad gegenüber.

          Kleinere Menschen brauchen beim Einsteigen trotz der innen liegenden Stufe noch die ausfahrbare, die mit dem Anlassen des Motors automatisch einfährt. Denn die zusätzlichen 30 Zentimeter für den doppelten Boden, der für frostfreie Unterkunft aller gefährdeten Einbauten sowie für viel Stauraum sorgt, wollen überwunden werden.

          Genug Platz für einen mehrwöchigen Urlaub

          Der Preis für die große Garage sind die auf 1,15 Meter Höhe liegenden Einzelbetten, die über zwei Stufen zugänglich sind oder über eine Leiter, wenn man den ausziehbaren Mittelteil nutzt und eine riesige Liegestatt haben will. Sie sind ausreichend lang, einzeln 85 Zentimeter breit und ruhen auf Lattenrosten. Der untere Teil der Betten ist komplett (Matratzen sind geteilt) hochklappbar, damit man besser an die Kleiderschränke darunter drankommt, die aber auch von der Treppe her zu öffnen sind. Sie fassen genug für einen mehrwöchigen Urlaub. Der Luftraum über den Betten misst zwar noch 85 Zentimeter, aber am Kopfende ragen die Dachkästen weit vor, so dass man beim Aufstehen aufpassen muss. Beim ersten Öffnen der Badtür registriert man erfreut die relativ großzügigen Platzverhältnisse, denn das Waschbecken ist variabel und lässt sich in die Dusche verschieben, so dass die Thetford-Toilette gut zugänglich ist. Darüber hängt ein Spiegelschrank mit diversen Ablagen, dazu die Dusche als Abstellraum (es fehlt eine Kleiderstange), alles paletti. Bis man hinter sich die Tür schließt. Dann wird es eng. Denn die Toilette ragt zu weit vor, wer sich nach dem Benutzen erhebt, steht buchstäblich mit dem Gesicht am Türblatt und kriegt bei entsprechender Körpergröße gleich noch einen der massiven Handtuchhaken an den Kopf.

          Die 1,11 Meter breite Küche bietet genug Platz zum Kochen und das tiefe, runde Spülbecken verhindert eine Spritzerei. Bilderstrecke

          Die Einbauten hinter der Toilette nehmen den Platz ein, der vorn fehlt. Ungestört bewegen kann man sich dagegen vor der Küche, die auf 1,11 Meter Breite links eine sehr tiefe runde Spüle bietet, eine prima Sache, denn das hilft Spritzerei zu verhindern, rechts vor dem Fenster ist der knaus-typische Gasherd mit drei Kochstellen nebeneinander installiert. Davor ergibt sich eine schmale Arbeitsfläche, aber stehen lassen kann man auf dieser Küche nichts. Wir wünschten uns daher eine getrennte Abdeckung für den Herd, wer braucht schon immer drei Flammen gleichzeitig. Rund um die Pantry gibt es genug Kästen, Schubladen, Ablagen und Schränke, wie überall im Wagen mit Softeinzug, woran man sich gern und schnell gewöhnt. Unter dem Herd ist der 108-Liter-Kühlschrank eingebaut.

          Da die Truma-Gastherme samt Boiler im Dinettekasten eingebaut ist, schläft man im Heck kühl und hat Warmluftströme dort, wo man sie braucht: im Fußraum der Sitzgruppe. Wintercamper werden sich mit zusätzlichen Maßnahmen vor der Kälte aus dem Fahrerhaus zu schützen wissen. Angenehm ist, dass es im gesamten Mobil keine Stolperstufen gibt, es geht eben vom Fahrerhaus bis ins Schlafzimmer.

          Wechselschalter, Steckdosen und USB-Anschlüsse

          Sehr erfreulich ist die gute Ausstattung mit Steckdosen und zwei USB-Anschlüssen, die Lichtanlage dient dem Gedächtnistraining: Es gibt - und auch noch mit Wechselschaltern - eine Vielzahl von Lichtkombinationen zu bedienen, der LED-Technik sei Dank. Leider fehlen Leselampen über den gedrehten Fahrerhaussitzen. Die Folienschalter haben freilich nur selten einen fühlbaren Druckpunkt, und wenn da vier im Quadrat sitzen, muss man erst mal lernen, was mit welchem angeht. Das Ganze wird wie in Personenwagen über einen CI-Bus gesteuert, an dem fast die gesamte Elektrik hängt. Davon unabhängig agiert die Außenlampe mit Bewegungsmelder: Schön, wenn man das Schlüsselloch nicht suchen muss.

          Der Schlüssel passt in alle Klappen und Aufbautüren. Erfreulich ist, dass die gute alte Tauchpumpe wieder mehr zum Einsatz kommt, sie erspart des Nachts den Schreck, wenn eine Kompressorpumpe mit lautem Gebrumm nachlädt. Sehr praktisch ist das Zusammenlegen aller Versorgungselemente und -anschlüsse hinter einer einzigen Außenklappe. Nur das Antifrostventil gehört da nicht hinein. Denn wenn es hinter der Serviceklappe unterwegs im Winter kalt wird, lässt das Ventil das Wasser ab und man kommt mit leerem Tank am Ziel an. Der Raum ist zwar beheizbar, aber während der Fahrt ist das nur erlaubt, wenn ein Crashsensor an Bord ist, der im Fall des Falles die Gaszufuhr abstellt. Wir haben bei Temperaturen um den Gefrierpunkt etwa zweieinhalb 11-Kilo-Flaschen Gas je Woche verbraucht. Das läppert sich.

          11,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer

          Wie alle Mobile mit reichlich Überhang reagiert auch der Sun TI ein wenig auf Seitenwind sowie den Luftdruck beim Überholen oder Überholtwerden. Aber das stört das Handling nur wenig, mit der Länge kommt man ebenfalls gut zurecht. Unser Exemplar genehmigte sich bei verhaltener Fahrweise (selten über 110 km/h auf Autobahnen) unter den genannten Wetterbedingungen 11,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer, wer es eilig hat, zahlt an der Tankstelle. Die gute Verarbeitung des Sun TI macht sich auch unterwegs positiv bemerkbar: Es knarzt, knistert und klappert so gut wie nichts, nicht einmal der gefaltete Sichtschutz in seinen Kassetten vor den Fahrerhausfenstern. Licht kommt hier über ein riesiges Fenster im Dachüberbau.

          Wer die riesige Garage ausnutzen will mit schwerem Sportgerät zum Beispiel, sollte den Sun TI auf 3,8 Tonnen auflasten. Wem das Design und die Einrichtung gefällt, und wer mit dem kleinen Manko im Bad leben kann, der wird mit einem Knaus Sun TI 650 MEG nicht viel falsch machen.

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