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Fahrbericht VW Passat Variant : So praktisch und der stille Sieger

  • -Aktualisiert am

Der Passat ist das meistverkaufte Auto von Volkswagen Bild: Hersteller

Alle lieben den Kombi. Denn der Lademeister ist elegant und auf dem Weg zum Ziel: Der VW Passat Variant als austarierte Lösung für Business und Familie. Am Motor sollte nicht gespart werden.

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          Der Passat ist das meistverkaufte Auto von Volkswagen. In der Wolfsburger Hierarchie und in der deutschen Zulassungsstatistik ist er aber höchstens zweiter Sieger. Der Golf hat ihm hierzulande knapp nach seiner Geburt, fast aus den Windeln heraus, den Rücken gezeigt. Der Passat leidet selbst in seiner achten Generation unter zwei Eigenheiten: Die Limousine wird verschmäht, und die gesamte Baureihe gilt als Vertreterauto. Etwa acht von zehn Passat sind Variant. Wenn die Zulassungsarten separiert werden, dann liegt der VW Passat auch bei den gewerblichen Verkäufen hinter dem Golf und taucht bei den privaten Neuzulassungen unter den Top Ten überhaupt nicht auf.

          Das schmerzte die Führungsmannschaft in Wolfsburg, und sie verordneten Limousine und Variant (nebenbei, ein wunderbarer Name, wenn man an Sports Tourer oder Station Wagon denkt) Wachstum, Hightech, Glanz und Chrom. Das hat die werte Kundschaft kaum beeindruckt, sie holen sich, weil die Limousine nicht heraussticht, wie bisher den Variant und werden glücklich damit.

          Der Variant ist für die meisten Menschen in Deutschland und auch in Europa die bessere Limousine von VW. Dafür gibt es gute Gründe. Der wichtigste ist das seit 1977 mit der zweiten Generation ausgerufene Wachstum ohne Grenzen. Wenn das so weitergeht wie bisher, dann ist der Variant rein rechnerisch im Jahr 2046 mehr als 5,26 Meter lang und mit Außenspiegel 2,23 Meter breit. An der Spitze des Konzerns streiten sich dann zwei etwa Hundertjährige und fahren autonom zu den Hauptversammlungen in Peking: Im Vergleich zu diesen Schreckensvisionen schneidet die Gegenwart besser ab: Der VW Variant 2015 ist der beste Passat, den es je gab.

          Dieses Prädikat kommt nicht von ungefähr und will bezahlt werden. Der Testwagen versammelte unter seinem hübsch nach hinten auslaufenden Dach eine Sonderausstattung im Wert von rund 18.000 Euro, dafür gibt es einen angenehmen VW Polo. Aber Testwagen sind in erster Linie auch Demo-Objekte für die Darstellung der Möglichkeiten. Dabei hatte der Passat mit dem komplizierten Namen Variant Comfortline BlueMotion Technology 1,4 l TSI ACT zwar viel, aber nicht alles an Bord: Auf das famose DSG-Doppelkupplungsgetriebe für rund 2300 Euro hatte VW bei der Ausstattung verzichtet, weil das auch sinnvoll sein kann.

          Denn für Long-Distance-Runner von einem Kundenauftrag im Bayerischen Wald zum nächsten in Unterfranken sind Kuppel- und Schaltvorgänge seltenere Ereignisse als für Pendler im Stau zwischen Bungalow und Büro. Zumal die sechs Vorwärtsgänge leicht und präzise, allerdings über etwas lange Wege zu sortieren sind. Ein Vorgang, der bei dem nicht spritzig wirkenden Vierzylinder mit dem wohl etwas knapp eingeschenkten Hubraum häufiger einzuplanen ist.

          Zwar werden im Datenblatt höfliche 250 Nm für das Drehmoment verzeichnet, aber sie treffen auch auf ein Leergewicht von gut 1,4 Tonnen, mit dem Fahrer an Bord, der frech auf 1,5 Tonnen erhöht. So vollziehen sich Beschleunigungen aus dem Stand oder zum Überholen und das Tempohalten am Berg mit einer gewissen Bedächtigkeit, vor allem im Vergleich zu den mit breiter Brust vorauseilenden VW-Dieseln.

          Geringe Neigung zu Nebengeräuschen

          Doch der kleine Benziner überzeugt mit ruhigem Lauf, kultivierter Tätigkeit und mit geringer Neigung zu Nebengeräuschen. Dabei geht unter der Haube eine Technik ans Werk, die recht kompliziert ist und vor allem wegen scharfem Sparzwang aus der Technik-Mottenkiste geholt, mit Elektronik aber entscheidend verbessert wurde. Hinter dem Kürzel ACT verbirgt sich die Zylinderabschaltung in definierten Phasen der ruhigen Fahrt ohne höheren Leistungsbedarf. Unter Teillast werden bis 130 km/h zwei Zylinder von der Arbeit entbunden, der Vierzylinder mit direkter Benzineinspritzung mutiert zum Zweizylinder, und der Fahrer merkt auf Anhieb nichts davon.

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