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Model X : Tesla stößt die nächste Tür auf

Model XXL: Die Türen surren auf 2,20 Meter Höhe, die Reifen sind mächtige 265/35 ZR 22 von Pirelli Bild: Hersteller

Der neue elektrische Tesla Model X lässt im Spurt Porschefahrer blass werden und ist derzeit das vielleicht spektakulärste Statement. Doch das hat seinen Preis.

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          Läuft bei dem, sagen die Jugendlichen, wenn einer eine Erfolgssträhne hat. Bei dem es in der Autoindustrie läuft, das ist Tesla. Der amerikanische Elektrofahrzeughersteller kann sich offenbar alles erlauben. Mäßiges Material, schludrige Verarbeitung, tristes Leder, hohe Preise. All das wiegt nicht auf, was die Menschheit würdigt: Innovationsgeist. Deshalb fährt die Firma, die bislang nur ein Produkt hatte, auf ein Versprechen hin Tausende Aufträge ein. Deshalb hat sie eine Börsenbewertung, die an den Neuen Markt erinnert, deshalb bekommt sie Vertrauen geschenkt, obwohl sie nur Verlust macht. Und deshalb tönen ihre Manager: „Wir verkaufen mehr Model S als Porsche von seinem Panamera.“ Damit nicht genug.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Weil der große Kuchen im Segment der SUV lockt, greift Tesla nun auch hier mit seinem Model X an. Das hat anfangs nicht so recht geklappt, weil die Konstruktion eine abenteuerliche ist. Die bis über die Köpfe gewölbte, sich im Sommer als Spiegelei-Bratplatz eignende Frontscheibe hat Schwierigkeiten bereitet. Auch die Stabilität der auf einem Stiel thronenden Sitze erforderte Tüftelei. Und erst die hinteren Portale, die nach oben elektrisch öffnen und sich mit den vorderen konventionell angeschlagenen Türen vertragen müssen. Sie haben gehakt und geklemmt und die Produktion zum Erliegen gebracht. Doch jetzt sei alles im Lot, heißt es, jede Woche würden 1000 Autos hergestellt, S oder X, je nach Auftragslage. Man darf annehmen, dass die sich zugunsten des SUV verlagern wird.

          Der Blick nach oben lohnt sich.

          Ein monströses Gefährt, das Porschefahrer blass werden lässt

          Das Model X ist ein monströses Gefährt von 5 Meter Länge und samt Spiegeln 2,27 Metern Breite. Die Batterien liegen zwischen den elektromotorisch versorgten Achsen. Das erlaubt einen niedrigen Schwerpunkt, weshalb Tesla die Gefahr von Überschlägen geringer ansieht als bei der Konkurrenz. Die Antriebseinheit, die je nach Modell 422 bis 539 PS und brachiale 600 bis 967 Newtonmeter Drehmoment liefert, lässt im Spurt jeden Porschefahrer erblassen. Das ist umso bemerkenswerter, als sie es mit 2,5 Tonnen Leergewicht zu tun hat.

          In 3,4 bis 5,0 Sekunden sind 100 km/h erreicht, die Spitze beträgt 250 km/h. Kraftakte freilich setzen der Batterie zu, die mögliche Distanz geht in die Knie. Im normierten Alltag werden 467 Kilometer Reichweite versprochen, vielleicht sind 400 wirklich drin. Dann muss der Tesla ans Kabel. Bei 220 Volt mit 13 Ampere für 24 Stunden, das ist untauglich. In die Garage gehört also ein 380-Volt-Anschluss, mit 16 Ampere sind acht Stunden zu veranschlagen, mit 32 Ampere vier Stunden.

          Das derzeit vielleicht spektakulärste Statement

          Die spektakulären Türen erleichtern den Zustieg zu den hinteren der 5, 6 oder 7 Sitze. Sie benötigen aber viel Raum in der Garage, 2,20 Meter nach oben und fast 3 Meter in der Breite. Sensoren sollen Wandkontakt verhindern. Ob sich geöffnet Regen auf den Schoß ergießt, konnten wir noch nicht ausprobieren, während der ersten Testfahrt strahlte die Sonne.

          In der zweiten Reihe geht es enger zu als erwartet, die dritte ist nur für Kleinkinder, vorn ist es luftig. Weder die Front noch gar das Heck sind vom Fahrer auszumachen, da müssen Kameras helfen. Zudem fallen auf die hohe Ladekante am hinteren der beiden Kofferräume, die komfortable Fahrwerksabstimmung und der riesige Bildschirm mit klarer Grafik, über den fast alle Funktionen gesteuert werden. Die wenigen Tasten und Hebel stammen von Mercedes-Benz. Die Materialauswahl ist besser als im Model S.

          Fünf Meter Tesla, riesiger Bildschirm als Schaltzentrale

          Wer sich das Vergnügen gönnen will, das derzeit vielleicht spektakulärste Statement zu fahren, muss tief in die Tasche greifen. Drei Leistungsvarianten sind im Angebot, für 96 100, 109 400 oder 131 300 Euro. Tesla nennt fünf Monate als Lieferzeit.

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