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Fahrbericht Tesla Model X : Ein Schritt zurück, nicht nach vorn

Musk will mit dem Model X auch die SUV-Fans beglücken Bild: Hersteller

Der Tesla Model X ist ein faszinierendes Auto. Leise, geräumig und gewaltig in der Leistung. Eigentlich ein Elektroauto „at its best“. Wenn da nur nicht die plumpe Form und, ja, die nicht so gute Reichweite wären.

          Tesla hat den Markt für Automobile kräftig aufgemischt. Ohne das Unternehmen des Tausendsassas Elon Musk wäre das Elektroauto nicht so schnell ins Rollen gekommen. Er hat der angestammten Industrie gezeigt, was möglich ist, zunächst mit dem Roadster, dann mit dem Model S, das sich in Amerika besser verkauft als die S-Klasse von Mercedes-Benz. Jetzt will Musk mit dem Model X auch die SUV-Fans beglücken, bevor er sich mit dem kleineren Model 3 der breiten Masse zuwendet.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Basierend auf dem Model S, hat Tesla nun ein 2,5 Tonnen schweres und exakt 5,037 Meter langes SUV auf die Räder gestellt, dessen Achsen von jeweils einem Elektromotor angetrieben werden. In der von der Redaktion gefahrenen Version bringen die beiden im Team nicht weniger als 471 PS auf die Räder, und das bei einem Drehmoment von 830 Newtonmeter vom Start weg. Wer diese volle Leistung haben will, stellt im Bedienungsmenü auf „Von Sinnen“ ein (auf Englisch heißt es Insane) und kann dann den Wagen in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h prügeln. Wer am Drücker bleibt (Gaspedal hieß es früher), schafft es hinauf bis 250 km/h. Nur, so schätzen wir, schrumpft dann die Reichweite auf deutlich weniger als 100 Kilometer.

          Der Zugang in den Fond erfolgt durch zwei Flügeltüren, die elektrisch öffnen. Bilderstrecke

          Auf unseren Erprobungsfahrten beließen wir es bei der Stellung „Sport“, auch dann geht der Tesla noch ab wie Schmidts Katze, wenn man es will. Doch ein Elektroauto wird nicht gefahren wie ein Golf GTI oder ein amerikanisches Muscle Car. Das lautlose Gleiten ist Credo, maximal 120 km/h auf der Autobahn (der Tacho ist erstaunlich genau), dann ist mit einer Reichweite von gut 300 Kilometer zu rechnen.

          Nur, muss man sagen: Geworben wird mit 476. Im Alltag bekommt man bei Tempi um die 90 km/h und flachem Geläuf vielleicht gut 400 Kilometer hin. So gesehen, ist das Model X im Vergleich mit dem Model S deutlich im Nachteil. Das kommt einfach weiter, schon weil es leichter ist.

          Mit voll geladenen Akkus zeigte der Tesla eine Reichweite von 380 Kilometer an. Im Model S waren es 455. Uns ist das zu wenig, andere mögen damit auskommen. Zumal ja die realistische Reichweite dann bei rund 300 Kilometer liegt, und das nur bei zurückhaltender Fahrweise. Bislang durfte  sich der Tesla-Pilot bei Fernfahrten alle 150 Kilometer über kostenloses Nachtanken freuen. Diese Möglichkeit, kostenlos Strom zu Laden, hat Tesla jetzt für Neukunden gestrichen. Nur wer noch dieses Jahr kauft, bekommt diesen Service. Dazu muss das Auto bis zum 1.April 2017 geliefert werden. Künftig sind aber noch 400 kWh im Jahr frei. Wie hoch die Kosten sein werden, hat Tesla noch nicht beziffert.

          Inzwischen gibt es in Deutschland 56 Supercharger-Stationen, in den angrenzenden Ländern sind es mehr als 250, in aller Welt (hauptsächlich in Amerika, sind es 4600. Am Supercharger sind einer Dreiviertelstunde gut 80 Prozent der Akku-Kapazität erreicht. Voll laden dauert rund anderthalb Stunden, die Leistung der Charger muss zurückgefahren werden, weil sonst die Akkus leiden. Wer zu Hause einen Starkstromanschluss hat, lädt in acht Stunden voll (also über Nacht). Der Tesla kann auch an die normale Haushaltssteckdose, nur dauert die Laderei dann tatsächlich 24 Stunden.

          Also kosten 100 Kilometer Tesla sieben Euro

          Die 90 in der Typenbezeichnung des Tesla bezieht sich auf die Kapazität der Batterien, die im Wagenboden verstaut sind - wie die gesamte Technik unsichtbar, unter der Fronthaube ist noch ein kleiner Kofferraum mit 187 Liter Fassungsvermögen. 90 Kilowattstunden also, das heißt bei einer Reichweite von 300 Kilometer, liegt der Verbrauch bei 30 kWh auf 100 Kilometer. Ungefähr. Wir kamen - nach Auskunft des Bordcomputers - auf einen Schnitt von 28,0 kWh auf 100 Kilometer - mit der eben schon erwähnten gemäßigten Fahrweise. Also kosten 100 Kilometer Tesla sieben Euro, gerechnet mit einer kWh für 25 Cent. Mit sechs Liter Diesel auf 100 Kilometer wäre ein so schweres Auto wohl kaum zu bewegen.

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