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Fahrbericht Suzuki Ignis : Endlich wieder eine tolle Kiste

Bild: Hersteller

Das Leben kann einfach sein. Ein Auto wie ein Schuhkarton reicht für die meisten Transportbedürfnisse. Das Protzen überlassen wir den anderen. Und fahren Suzuki Ignis.

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          Autofahren ist eine emotionale Angelegenheit. Keine Frage. In der vergangenen Woche berichteten wir an dieser Stelle über einen flotten BMW und waren des Lobes voll über sein Fahrverhalten und die Kraft des Motors. Doch es müssen nicht 370 PS sein, um Fahrfreude zu vermitteln, manchmal genügen auch 90. Nicht mehr und nicht weniger.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Diese verpacken wir in eine Art Schachtel, die nur 3,70 Meter lang, aber 1,69 Meter hoch ist, und spendieren noch einen Allradantrieb dazu. Das Design des kleinen Suzuki polarisiert. Uns hat es gefallen, und der neue Ignis hat auch schon einige Design-Preise eingeheimst, andere dagegen finden das Wägelchen einfach schrecklich. Ohne Zweifel schick ist die dicke C-Säule mit den drei Kiemen oder Streifen im Blech, die wohl Assoziationen an eine deutsche Sportschuh-Marke wecken sollen.

          Und das Schuhschachtel-Design hat noch einen ganz praktischen Vorteil: Es ist, gemessen an der Kürze des Wagens, mächtig Platz im Auto. Sowohl vorne als auch auf der um 16 Zentimeter verschiebbaren Rückbank, die faktisch aus zwei Einzelsitzen besteht. In den weniger gut ausgestatteten Versionen dürfen auf der dann ungeteilten Bank sogar drei Personen sitzen. Das könnte dann wohl etwas eng sein. Aber der Platz für die Beine ist mehr als ausreichend, der Fond-Passagier sitzt allerdings sehr aufrecht. Und beim Einsteigen – der Ignis ist generell viertürig – muss er aufpassen, dass er sich nicht an der abgeschrägten C-Säule den Kopf stößt.

          Vorne lässt es sich wesentlich besser einsteigen. Fahrer und Beifahrer werden von einer frischen Innenraum-Gestaltung verwöhnt, die mit einigen Farbakzenten eine gewisse Jugendlichkeit ausstrahlt. In der Mitte prangt ein großer Navigationsmonitor, der von beiden gut eingesehen und bedient werden kann. Die klassischen Instrumente liegen im Fahrer-Blickfeld, es dominiert der große, analoge Tacho, der etwas kleine Drehzahlmesser ist links daneben, über den Füllstand des Tanks wird neben einigen anderen Informationen digital rechts neben dem Tacho informiert. Was es nicht gibt, ist ein Kühlwasserthermometer. Aber solange die Maschine noch kalt ist, leuchtet eine blaue Warnlampe.

          90 PS aus gut 1,2 Liter Hubraum ohne Turbo-Unterstützung sind heute nicht mehr weltbewegend, sie reichen aber allemal, um sich die Welt zu erschließen. Hier liegt schließlich die Grundfaszination des Autos, egal ob Dacia, Suzuki oder Rolls-Royce. Es bringt seinen Besitzer jederzeit dorthin, wohin er will, ohne Fahrplan und übellaunige Mitreisende – in der Regel. Ist das Transportmittel ein Auto, dessen Anblick schon Spaß macht, ist die Freude doppelt groß. Beim Ignis kommt noch dazu, dass er mit seinen knappen Abmessungen in der Stadt ein König ist. Da braucht es gar kein automatisches Einparken, er passt auch so in jede Lücke, der Wendekreis beträgt nur 9,40 Meter. Doch selbst auf langen Strecken schlägt sich der Ignis tapfer. Allerdings gibt es so gut wie keinen Federungskomfort, vor allem die Rückbänkler, die über der starren Hinterachse sitzen, bekommen bei jedem größeren Loch in der Straße einen Schlag ins Kreuz.

          Im 5. Gang fehlt es an Kraft

          Mit viel Schaltarbeit ist der Motor bei Laune zu halten. Leider fehlt ein sechster Gang, eine Automatik ist für die Allradvariante nicht im Angebot. Und diese hat übrigens auch nur fünf Gänge. Dass nur 120 Newtonmeter maximales Drehmoment zur Verfügung stehen, ist eine Tatsache, an die sich der Fahrer gewöhnen muss und kann. Ein Elastizitätswunder kann das Maschinchen somit nicht sein, vor allem im 5. Gang fehlt es an Kraft. Das Beschleunigen von 50 km/h aufwärts ist eine zähe Angelegenheit, es dauert knapp 26 Sekunden, bis 100 km/h erreicht sind.

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