https://www.faz.net/-gya-87a53

Fahrbericht: Renault Kadjar : Solide Technik unter weicher Formenwelt

  • -Aktualisiert am

Außen Renault, aber im Herzen ein Nissan - die Technik des Kadjar stammt ursprünglich vom Nissan Qashqai. Bild: Renault

So wird aus einem Nissan ein Renault: Der Qashqai spendiert seine Technik dem Kadjar, und der bringt französische Qualitäten ein. Deshalb ist er geprägt von komfortabler Vernunft.

          4 Min.

          Vielleicht war für Renault ein Markenzeichen lange Jahre nicht so wichtig. 1926 brachte Renault einen Rhombus am 15 CV an, zurückhaltend, nicht prägend. Das auf die Spitze gestellte Viereck zierte dann nach dem Krieg fast alle Großserienmodelle, aber es erregte an den Millionen von R 4, R 5, Dauphine und Clio kein Aufsehen. Erst zu Beginn der 2000er-Jahre mit Avantime und Mégane erfuhr das Markenschild eine bewusste Aufwertung. Und jetzt wird es spannend: Denn der Rhombus wandelt sich zum prägnanten Designobjekt, am Kadjar ist er etwa 20 Zentimeter hoch.

          Das ist kein Zufall. Denn der neue Kadjar ist technisch ein enger Verwandter des Nissan Qashqai, ein SUV. Diese Spezies erlebt stürmisches Wachstum. Mit dem Rhombus betont der Kadjar seine Eigenständigkeit, er ist der erste Renault aus der Verbindung mit Nissan, dem der Erfolg auf den Leib geschneidert wurde. Er fährt in der passenden Konfektionsgröße vor, ist geprägt von Familientauglichkeit und tritt mit einer selbstverständlichen und weltläufigen Lässigkeit auf, die abseits von demonstrativer Geländegängigkeit auf die passende Kundschaft trifft.

          Frontantrieb wird Alltagsanforderungen gerecht

          Diese wird eher an urbanen Transport- als an Traktionseigenschaften jenseits von Asphalt interessiert sein. Zwar gibt es eine 4×4-Version, aber nur eine einzige, sie hat mit einem Aufpreis von 2000 Euro eher Alibifunktion. Im Alltag wird der Frontantrieb den meisten Aufgaben gewachsen sein. Dass Renault mehr Wert auf Ausstattung und Komfortpakete als auf überwältigende Auswahl in der Technik legt, passt zum Wesen des Kadjar: Für schaltfaule Naturen legt sich nur eine Doppelkupplungs-Alternative zum serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe ins Zeug, es gibt nur einen Benzinmotor, und ausschließlich dieser ist zuständig für die günstige Basisversion Life für 19.990 Euro mit immerhin 130 PS.

          Zwar gibt es den Franzosen auch mit 4x4, der Alltag lässt sich aber auch gut mit Frontantrieb bewältigen. Bilderstrecke

          Für die anderen sind zwei Diesel mit 1,4 oder 1,6 Liter Hubraum in der Pflicht. Die kommen ab etwa 25.000 oder für rund 27.000 Euro und halten alle Traditionen der Renault-Diesel in Ehren: Im Test-Kadjar mit 130 PS genügten durchschnittlich 6,2 Liter für 100 Kilometer, flottes Fahren forderte 7,7, und Momente der Bescheidenheit wurden mit 5,5 Liter belohnt. Nur im Leerlauf und beim Beschleunigen klackert der Vierzylinder, bis 130 km/h hält er sich im sechsten Gang an die Schnurr-Strategie, dann wird er lauter, ist aber selten lästig.

          Der Aufbau des Drehmoments zieht sich aus niedrigen Drehzahlen etwas, doch ab 2000/min steigt die Durchzugskraft stark, was besonders in engen Kurven in Steigungen in der Lenkung zu spüren ist - da wird der Allradantrieb vermisst. Für sicheren Geradeauslauf, sogar bei kräftigem Seitenwind, und für agile Kurvenfahrt mit ruhigen Lastwechselreaktionen reicht der Frontantrieb jederzeit aus. Auf die 19-Zoll-Räder würden wir zugunsten der sonst montierten 17-Zöller verzichten, das Fahrwerk ist grundsätzlich auf Komfort bedacht, mitunter stuckert es, reicht kurze Stöße nach innen oder neigt zu weichem Wiegen.

          Weitere Themen

          Blitzer erkennt Handys am Steuer Video-Seite öffnen

          Sydney : Blitzer erkennt Handys am Steuer

          Wer in Australien am Steuer telefoniert, wird seit Sonntag geblitzt, denn Kameras erkennen Handys beim Fahrer. Damit soll die Zahl der Verkehrstoten über zwei Jahre um ein Drittel gesenkt werden.

          Topmeldungen

          Ist die Welt noch zu retten? Eine Frau bei einer Demo in Lissabon.

          Raus aus der Klimakrise : „Moralappelle bringen nichts“

          Der Kölner Spieltheoretiker und Verhaltensökonom Axel Ockenfels erklärt im Interview, wo der Knackpunkt im Klimakonflikt liegt – und auf welcher Grundlage das Problem von der Weltgemeinschaft gelöst werden könnte.
          Trauer in Augsburg: Am Königsplatz brennen Kerzen und liegen Blumen.

          Bluttat von Augsburg : Polizei nimmt sechs Verdächtige fest

          Auf offener Straße und vor den Augen seiner Frau wird ein Mann bei einem Streit mit jungen Männern angegriffen und stirbt. In Augsburg ist die Trauer groß. Nun meldet die Polizei mehrere Fahndungserfolge.

          Muhammad Bin Salmans Pläne : Der Ölprinz mit der Billion

          Er ist jung und braucht das Geld: Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman bringt den weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse. Damit will er nicht nur das Land reformieren, sondern auch die eigene Macht sichern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.