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Fahrbericht Infiniti Q30 2.2d : Mit Mercedes-Genen raus aus der Unsichtbarkeit

Bild: Hersteller

Infiniti? Nie gehört? Obwohl der Nissan-Ableger schon 27 Jahre alt ist, kennen wenige die Marke. Das soll sich ändern. Der von uns gefahrene Q30 ist ein feines Auto mit Zutaten vom Daimler.

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          Überraschungen tun manchmal richtig gut. Vor allem wenn es positive sind. Der Infiniti Q30 war eine Überraschung. Schickes, wirklich außergewöhnliches Äußeres, ebenso ansprechendes Inneres mit zudem hoher Verarbeitungsqualität und dazu ein Fahrverhalten, über das sich kaum etwas Negatives sagen lässt. Kein Wunder, kommt doch der technische Hintergrund für den Q30 aus dem Haus Mercedes-Benz.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Doch der Reihe nach. Noch immer ist Infiniti in Deutschland eher unbekannt. Seit 2008 ist das Nissan-Pendant zur Toyota-Edelmarke Lexus in Deutschland und Europa präsent, allerdings erfolgte damals der Start etwas unglücklich direkt in die allgemeine Wirtschaftskrise hinein. Das Händlernetz ist bis heute dürftig. Wer nicht blind kaufen will, muss nach Hamburg, Bremen, Berlin, Düsseldorf, Dresden, Weinheim, Frankfurt oder Stuttgart fahren. In Bayern gibt es noch keinen einzigen Betrieb, was sich allerdings kurzfristig ändern soll. Infiniti hat inklusive der reinen Servicebetriebe 24 Stützpunkte. Auch in Zeiten des Internets ist es mit solch einem dünnen Netz schwierig. So konnten nur gut 1000 Infiniti im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft werden. Das Programm besteht aus den Limousinen Q50 und Q70, plus den SUV QX50 und QX70.

          Der Q30 ist brandneu. In Amerika - dort wurde Infiniti 1989 nur ein Jahr nach Lexus gegründet - verkaufte die Marke im vergangenen Jahr fast 133 500 Autos, deutlich mehr als zum Beispiel die Ford-Edeldivision Lincoln. Lexus setzt aber mehr als 340 000 Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten ab, auch die zu Honda gehörende Marke Acura ist erfolgreicher (177 000). Audi machte 2015 in den Staaten rund 200 000 Einheiten, BMW und Mercedes-Benz verkauften 346 000 beziehungsweise 372 000 Neuwagen.

          Gleiche Plattform wie die A-Klasse von Mercedes-Benz

          Mit dem kompakten Q30, der weltweit vermarktet wird (aber nicht in Japan), sollten die Infiniti-Zulassungszahlen steil nach oben schießen. Das Basismodell der Marke wird in Sunderland im dortigen Nissan-Werk gebaut. Für das Crossovermodell zwischen SUV und Limousine stehen fünf Motoren zur Wahl, vier davon stammen von Mercedes-Benz, einer von Renault. Als Kind der Kooperation zwischen Daimler und dem Hause Nissan-Renault nutzt der Q30 die gleiche Plattform wie die A-Klasse von Mercedes-Benz oder der daraus abgeleitete GLA. Rein äußerlich sieht man das aber zunächst nicht. Die Designer haben dem Infiniti ein anderes Kleid geschneidert und, wie wir finden, ein sehr schönes. Der Bug mag etwas großspurig sein, aber die Seitenlinie und das Heck sind sehr gelungen.

          Setzt man sich ans Lenkrad, heißt es aber deutlich: „Willkommen in Stuttgart“. Fast alle Schalter und Hebel sind wie bei der A-Klasse. Auch die Armaturen stammen 1:1 aus dem Baby-Benz. Im Lenkrad prangt natürlich kein Stern, sondern das etwas schwülstige Infiniti-Logo. Anders als in der A-Klasse ist der Navigations-Schirm direkt in das Armaturenbrett integriert. Uns gefällt das besser, und das Navi-System selbst ist nicht dasselbe wie im Mercedes. Der Testwagen mit der Außenfarbe Mondlicht-Weiß hatte zudem das Style-Paket Gallery White mit weißen Nappaledersitzen plus Graphitapplikationen und roten Nähten (1130 Euro).

          Das sieht schon unverschämt gut aus, die Hausfrau schlägt natürlich die Hände über dem Kopf zusammen und klagt: „Wird viel zu schnell schmutzig.“ Qualitativ und von der Haptik her gibt es auf jeden Fall nichts auszusetzen, der Innenraum spielt auf höchstem Niveau. Allerdings war der Testwagen das Topmodell in der besten Ausstattung und hatte einen Endpreis von weit über 40 000 Euro. Der Basis-Q30 kostet lediglich 24 020 Euro, die A-Klasse verlangt nach 23 746 Euro. Beide haben dann einen 1,6-Liter-Benziner mit 122 PS.

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