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Fahrbericht Mazda CX-3 : Hübsche Schatulle mit Allradantrieb

Bild: F.A.Z., Hersteller

Wohin nur mit all den vielen SUV? Der Markt kann offenbar nicht genug davon bekommen. Neu in der Riege der kleineren Modelle ist der CX-3 von Mazda. Auch er wird seinen Weg machen. Ganz bestimmt.

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          Über den scheinbar niemals endenden Erfolg der SUV ist schon viel philosophiert worden. Er hat etwas mit dem hohen Sitzen, dem guten Gefühl dabei und dem Hauch von Abenteuer zu tun, den so ein SUV umweht. Wie dem auch sei, die Dinger gehen weg wie die warmen Semmel, jeder Hersteller tut gut daran, mindestens eines oder besser mehrere im Angebot zu haben.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          So war der meistverkaufte Mazda in Deutschland 2014 weder der Golf-Konkurrent Mazda 3 noch der Kleinwagen 2, sondern das SUV CX-5. Nur gut, dass der japanische Hersteller noch den CX-3 im Köcher hat, der auf dem 2er basiert und jetzt im Juni auf den Markt gekommen ist. Weil kleinere SUV zurzeit besonders gefragt sind, wird er sich fast wie von selbst verkaufen.

          Und das natürlich nur, weil der CX-3 nebenbei auch ein gutes Fahrzeug ist, das nur wenige Schwächen hat und einfach unverschämt gut aussieht. 17 990 Euro locken als Basispreis für ein immerhin 4,28 Meter langes Auto, das mit drei verschiedenen Motoren und auch als Allradler zu haben ist. Die Redaktion bewegte die Variante mit 150 PS aus einem 2,0-Liter-Motor, Allradantrieb ist hier obligatorisch. Die Basis hat 120 PS und ausschließlich Frontantrieb, daneben gibt es noch einen 105-PS-Diesel, der 1,5 Liter Hubraum hat und mit 270 Newtonmeter maximalem Drehmoment gut im Futter steht. Der Diesel kann sowohl mit als auch ohne Allradantrieb bestellt werden.

          Alle Motoren tragen bei Mazda den Titel Skyactiv. Damit wird auf eine besondere Verbrennungstechnik unter hoher Verdichtung hingewiesen, die das sonst in der Branche übliche Downsizing mit paralleler Einführung von Turbohilfen überflüssig machen soll. Nun, der 150-PS-Motor fühlt sich gut an, nimmt zügig Gas auf und ist auch schön leise. Das Start-Stopp-System funktioniert tadellos. Das Triebwerk ist jedoch kein Elastizitätswunder, was die Werte für die Beschleunigung von 50 auf 100 km/h in den größeren Gängen zeigen, allerdings auch kein Lahmei. Eher enttäuschend ist dagegen der Umgang mit Kraftstoff. 8,6 Liter Super im Schnitt sind heute allenfalls ausreichend, mehr nicht. Vor allem, weil der Wert wieder einmal mehr als deutlich über der Normangabe liegt. Zu klein ist der Tank. Er fasst nur 44 Liter, so dass man früh Benzin nachfassen muss.

          Es soll nicht verschwiegen werden, dass viele weite Strecken (insgesamt 2750 Kilometer) mit höherem Tempo den Verbrauch wohl nach oben trieben. Zügelt der Fahrer den Gasfuß und fährt nicht schneller als Tacho 120 km/h, kommt er mit 6,1 Liter Super 100 Kilometer weit. Na also, geht doch. Beim Einhalten des selbstgesetzten Limits hilft der Tempomat, der in der Ausstattungslinie Sports-Line zum Lieferumfang gehört. Sports-Line ist die beste von vier Linien, doch auch schon in der Basis - Prime-Line - sind Annehmlichkeiten wie Klimaanlage, elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Audio-Anlage, Zentralverriegelung und ohnehin ABS, ESP und reichlich Airbags mit dabei. Unser Fahrzeug hatte für 1300 Euro extra das Technik-Paket, dann arbeitet der Tempomat auch adaptiv. Zu diesem Paket gehört unter anderem auch eine Ausparkhilfe, die beim Rückwärtsfahren vor dem Querverkehr warnt.

          Schicke Sonderfarbe Rubinrot

          Im Gegensatz zu den deutschen Herstellern sind die Aufpreislisten der japanischen Autobauer meist kurz gehalten. Der Testwagen hatte neben dem Technik-Paket noch die schicke Sonderfarbe Rubinrot (750 Euro), ein Navi-System (690 Euro) sowie eine zweifarbige Lederausstattung (1000 Euro).

          Diese trägt viel zum Wohlfühlen im Wagen bei - karge Japan-Tristesse im Innenraum, das ist nun wirklich lange her. Sparsam geht Mazda aber mit den eigentlichen Armaturen um. Es gibt ihm Prinzip nur ein großes Rundinstrument, einen analogen Drehzahlmesser. Dort ist unten die gefahrene Geschwindigkeit digital eingeklinkt. Ein Kühlwasserthermometer gibt es nicht. Ein blaues Licht leuchtet, wenn der Motor noch kalt ist. Die Jugend mag das nicht stören, sie setzt wahrscheinlich auf den sieben Zoll großen Monitor in der Mitte auf dem Armaturenbrett. Mazda bietet Smartphone-Besitzern die volle Konnektivität (nicht in der Basisvariante). Ungewöhnlich für die Klasse ist das Head-up-Display für Geschwindigkeit und Navigationshinweise. Es wird aber mit einer kleinen Scheibe auf dem Armaturenbrett realisiert, und das sieht - Verzeihung - einfach billig aus. Seinen Zweck erfüllt es aber sehr wohl.

          Kopffreiheit auf der Rückbank ist ausreichend

          Die hübsche Form mit der nach oben laufenden Seitenlinie bei gleichzeitig nach hinten etwas abfallendem Dach hat leider zur Folge, dass die Sicht nach schräg hinten schlecht ist. Die Kopffreiheit auf der Rückbank ist dennoch ausreichend, das mag auch für den Platz gelten, der für drei Personen reicht. Zwei fühlen sich wohler, die Beinfreiheit ist noch akzeptabel. Genau im Durchschnitt ist das Kofferraumangebot. 350 Liter - so viel wie im VW Golf - beträgt das Volumen hinter der Rückbank, wenn der Zwischenboden herausgenommen wird. Der sorgt für eine Ebene nach dem Umklappen. 1,35 Meter stehen dann in der Länge zur Verfügung.

          Ohne Boden ergibt sich selbstredend ein Stufe im Laderaum, gut zehn Zentimeter sind es dann von der (hohen) Ladekante nach unten. Dann stehen rechnerisch 1260 Liter Ladevolumen zur Verfügung. Ganz unten im Keller des Kofferraums ist noch Platz für Werkzeug, Tirefit und in unserem Fall einen Subwoofer für die Musikanlage. Auch Mazda hält es für keinen Nachteil, dem CX-3 eine billige Filz-Abdeckung für den Kofferraum zu spendieren.

          Vom 4×4 merkt man praktisch nichts

          Rein fahrerisch bietet der CX-3 keine Überraschungen. Nach dem bequemen Einstieg und dem Druck auf den Startknopf findet man sich sofort zurecht, die sechs Gänge lassen sich manuell aufs beste ihrer Bestimmung zuführen, die Automatik (sechs Stufen) kann man sich sparen. Sie kostet 1600 Euro Aufpreis, etwas Leistung und führt zu einem etwas höheren Benzinverbrauch. Ohne Allrad wäre der im Übrigen auch geringer.

          Das Gute an ihm ist, dass man vom 4×4 praktisch nichts merkt. Die elektronischen Helferlein greifen offenbar immer genau dann ein, wenn sie es sollen. So ist das neutrale Fahrverhalten des CX-3 zu loben, auch die Bremsen packen fest und sicher zu. Die Lenkung mag dem einen oder anderen zu leichtgängig sein.

          Wirklich tadeln muss man den Federungskomfort. Der ist verbesserungswürdig. Jedes Loch auf der Straße bekommen die Passagiere direkt mitgeteilt. Ein Kollege, der mal kurz mitfuhr, verstieg sich sogar zur Behauptung, in so einem schlecht gefederten Auto habe er schon lange nicht mehr gesessen. Ganz so schlimm war es nun auch wieder nicht.

          Weil SUV gerne aus dem Bauch gekauft werden, ist das Design - von Mazda Kodo genannt - ein großer Trumpf. Es wirkt schlicht positiv auf den Betrachter. Auch der Mazda ist keine grobe Kiste mehr, die früher den Markt dominierten, sondern eher eine hübsche Schatulle, die schon rein optisch einen Kaufreiz weckt. Dank der relativ guten Ausstattung und des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses wird der Mazda seinen Weg gehen.

          Stark: Das Design des CX-3 gefällt. Auch der Innenraum überzeugt, bis auf den fehlenden analogen Tacho. Der Allrad ist völlig unauffällig, die Motorleistung geht in Ordnung.

          Schwach: Die Federung ist von der harten Sorte. Hier sollte Mazda nachbessern. Und der Verbrauch ist zu hoch, der Tank zu klein. Knappes Platzangebot, aber letztlich ausreichend.

          Kodo und Skyactiv: Mit seiner durchgängigen Designlinie und der vom Mainstream abweichenden Motorentechnologie setzt Mazda Akzente. Der Markt scheint es zu belohnen.

          Technische Daten und Preis

          Empfohlener Preis 25 590 Euro

          Preis des Testwagens 29 330 Euro

          Vierzylinder-Ottomotor, Direkteinspritzung, vier Ventile je Zylinder, Hubraum 1998 Kubikzentimeter

          Leistung 150 PS (110 kW) bei 6000/min, maximales Drehmoment 204 Nm bei 2800/min

          Sechsgang-Schaltgetriebe

          Allradantrieb, elektronisch geregelt

          Länge/Breite/Höhe 4,28/1,77/1,54 Meter

          Radstand 2,57, Wendekreis 11,40 Meter

          Leergewicht 1270, zulässiges Gesamtgewicht 1785 Kilogramm, Kofferraumvolumen 350 bis 1260 Liter

          Reifengröße 215/50 R18 92V

          Infotainment Audi-System mit Radio und CD, USB-AUX-Anschluss, sechs Lautsprechern, Lenkradbedienung, Sieben-Zoll-Info-Display, Freisprecheinrichtung, Aufpreise: Bose-Soundsystem, Navigation

          Assistenzsysteme City-Notbremse, Spurhalte-Assistent, Tempomat, Rückfahrkamera, Head-up-Display, Licht- und Regensensor, gegen Aufpreis: adaptiver Tempomat, Kurvenlicht, Ausparkhilfe, Spurwechsel-Assistent, Fernlicht-Assistent

          Höchstgeschwindigkeit 200 km/h

          Von 0 auf 100 km/h in 9,0, von 50 auf 100 km/h im 4./.5./6. Gang in 11,2/14,8/20,5 Sekunden

          Verbrauch 6,1 bis 9,0 Liter, im Durchschnitt 8,6 Liter Super auf 100 Kilometer, 150 g/km CO2 bei Normverbrauch von 6,4 Liter, Tankinhalt 44 Liter

          Versicherungs-Typklassen HP 16, TK 23, VK 20

          Garantie drei Jahre oder 100 000 Kilometer, zwölf Jahre gegen Durchrostung der Karosserie, Wartung alle 20 000 Kilometer oder jährlich

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