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Mercedes-Benz R 500 : Das Risiko lebt trotz Gürtel und Hosenträger

  • -Aktualisiert am

Ein großer Rücken: Das Heck der R-Klasse ist die Botschaft von großzügiger Platzverhältnissen Bild:

Die neue Limousine: Im R 500 von Mercedes-Benz gibt es viel Raum, Komfort und Leistung

          4 Min.

          Schwaben scheuen das Risiko. Sie haben immer einen Schirm dabei, tragen Gürtel und Hosenträger und schaffen beim Daimler. Aber das ist Vergangenheit. In der Gegenwart regnet es weniger, den Gürtel kann man kaum noch enger schnallen, und beim Daimler wackeln die Arbeitsplätze. Vielleicht setzt deshalb die Marke Mercedes-Benz mehr als je zuvor auf Risiko (siehe auch A-Klasse mit zwei und vier Türen oder die B-Klasse) und Zukunft.

          Vor sechs, sieben Jahren hat das den damaligen Mercedes-Chef Jürgen Hubbert schon umgetrieben: Wird das Kerngeschäft der Marke, wird die souverän-konservative, technisch-avantgardistische Stufenheck-Limousine wie bisher für die Zukunft stehen? Oder werden nicht andere, neue Konzepte die Fragen künftiger Kunden schlüssiger beantworten? Führen veränderte Mobilitätsprofile nicht auch zu anderen Forderungen an den Mercedes von morgen? Wenn man sich in dieses Thema vertieft, ist Atemlosigkeit nicht zu vermeiden: Dann stehen nämlich Entscheidungen an, die an den Grundpfeilern einer Marke rütteln und die existentielle Risiken bergen können. Dabei geht es doch nur darum, ob der Mercedes der Zukunft wirklich paßt, trägt, schmückt und Freude macht und sein Fahrer sich gern damit zeigt.

          Freilich wissen wir, daß die R-Klasse vor allem in Amerika ihre Kunden finden soll. Dort ist ohnehin alles größer, wie wir das in Fernsehserien an den weiblichen Hauptpersonen zu erkennen glauben. Aber vielleicht ist auch Europa reif für sie. Daß sie auf Teile der Technik mit der ebenfalls in Amerika gefertigten M-Klasse zurückgreift, muß kein Nachteil sein. So gibt es zum Beispiel den hauseigenen Allradantrieb 4matic und die vorzügliche Luftfederung an der Hinterachse. An der Qualität von Fertigung und Materialien gab es bei dem von uns gefahrenen Exemplar nichts zu mäkeln. Die Verarbeitung war tadellos, die Architektur des Innenraums mit genügend Ablagen, bequemen Sitzen, akkurat passenden Verkleidungen und dieser Mischung aus Leder, Kunststoff und Holzanmutung sorgt für eine entspannte Atmosphäre des zügigen Wohnens, kein Weg kann hier zu lang werden. Das liegt auch an den Sitzen und am Konzept. Denn unser Testwagen bot die große Freiheit Nummer sechs. Drei Sitzreihen mit jeweils zwei Sesseln sind breite, gemütliche Aufenthaltsorte, nirgendwo mangelt es an freiem Raum. Man steigt vorn und in der Mitte (Plätze drei und vier kann man um eine Handbreite in Längsrichtung verschieben) würdevoll ein, nur nach ganz hinten muß man kraxeln, für ältere Menschen ist das eine Zumutung, bequem ist der Weg nach ganz hinten nur, wenn man noch im Krabbelalter ist. Wenn man schließlich doch sitzt, wird man auch in der letzten Reihe für die Mühsal belohnt: wie vorn sind auch hier die Sitze gut gepolstert, sie bieten festen Halt für den Körper sowie Armstützen, und der Abstand ihrer Fläche zum Boden ist reichlich. Das große umbaute Volumen angemessen zu temperieren schaffte die Klimaanlage auch bei strengem Frost. Sie vermied heftige Zugluft und verhinderte zuverlässig ein Beschlagen der Scheiben.

          Neue Sichtweise: An die die Linien und Proportionen der ungewöhnlichen R-Klasse muß man sich erst noch gewöhnen.
          Neue Sichtweise: An die die Linien und Proportionen der ungewöhnlichen R-Klasse muß man sich erst noch gewöhnen. :

          Der Fahrer thront in der angenehm erhöhten Sitzposition vor seinem Kommandostand wie Captain Kirk auf der Enterprise. Er hat gut abzulesende Instrumente vor sich und für die Automatik (sie reiht beinahe nahtlos sieben Gänge wie schimmernde Perlen der Performance aneinander) ein schüchternes Hebelchen am Volant. Diese zunächst ungewohnte Position birgt keinen Nachteil. Raumschiffmäßig mutet mitunter die Bedienung an. Es gibt zwar einen zentralen Stellknopf, aber dennoch zählten wir in einer ruhigen Stunde etwa siebzig Tasten nur auf der Mittelkonsole, allein in der linken Tür lauert mehr als ein Dutzend Drücksteller auf den zielenden Finger des im Idealfall pianospielenden Fahrers. Das erscheint uns zuviel.

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